Die Wintersaison 2025/26 brachte mit 54,25 Millionen Nächtigungen (November bis Februar) einen Rekord und liegt die Stimmung in der Branche am Boden. Das aktuelle Tourismusbarometer von Deloitte und der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) legt offen, warum: Steigende Kosten, eine drückende Abgabenlast und die geopolitische Unsicherheit durch den Iran-Krieg lassen vom Umsatzplus immer weniger als Gewinn übrig. Die Branche reagiert mit einem tiefgreifenden Umbau ihrer Geschäftsmodelle.
Es ist leider ein Befund, der sich nicht auflösen lässt, indem man die Zahlen schöner rechnet. Österreichs Hotels und Tourismusbetriebe waren im vergangenen Winter so gut gebucht wie nie, und dennoch bewerten sie ihre wirtschaftliche Gesamtlage schlechter als im Vorjahr. Der Tourismusindex 2026, den Deloitte und die ÖHV jährlich aus den Einschätzungen der Betriebe errechnen, liegt bei 3,2 nach 3,0 im Vorjahr. Das ist nur leider nur Mittelmaß und der schwächste Wert seit fünf Jahren. Für die aktuelle Ausgabe wurden im April 2026 insgesamt 229 österreichische Tourismusbetriebe befragt, 93 Prozent davon Hotels, mit deutlichem Schwerpunkt auf Tirol und Salzburg.
Die ganze Studie zum Download (pdf, 5,7MB)
Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte, bringt die Lage auf einen einfachen Nenner: Fast jeder zweite Betrieb erwartet für die kommenden Monate eine weitere Verschlechterung, kein einziges Unternehmen rechnet mit einer wesentlichen Verbesserung. „Wenn die Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate negativ bewertet werden, wenn fast die Hälfte für die kommenden zwölf Monate skeptisch sind und kein einziges Unternehmen einen Lichtblick sieht, dann haben wir nicht ein Problem, sondern viele“, sagt Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV.
Das kennen Sie: Kostensituation dramatisch
Der Kern des Problems liegt in einer Schere, die sich seit Jahren weiter öffnet. Rund 77 Prozent der Betriebe konnten ihren Umsatz zwischen 2023 und 2025 steigern. Doch bei fast jedem zweiten Unternehmen entwickelte sich der Gewinn schlechter als der Umsatz. Volle Betten bedeuten eben nicht automatisch glänzende Bilanzen, aber da erzählen wir Ihnen nichts Neues. Was die Erträge auffrisst, benennt die Studie unmissverständlich: Die Kostensituation erhält von den Betrieben die Note 4,3 und damit den schlechtesten Wert im gesamten Barometer, noch unter dem Vorjahreswert von 4,1 und nahe an einem „Nicht genügend“. Die Steuer- und Abgabenlast folgt mit der Note 4,2.
Das deckt sich mit dem makroökonomischen Umfeld. Die Inflationsrate lag in Österreich 2025 bei 3,6 Prozent, dem höchsten Jahresdurchschnitt seit 1993 und deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Hinzu kommt eine strukturell hohe Abgabenquote von 43,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für die personalintensive Tourismusbranche ist das ein handfester Wettbewerbsnachteil. Die von der Regierung angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028 wertet die ÖHV daher als wichtigen, wenn auch späten Schritt. Wie auch immer: Die Politik sei gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es der Branche ermöglichen, ihre operativen Leistungen auch in Rendite umzuwandeln, betont der ÖHV-General.

Iran-Krieg als Belastungsfaktor
Zu den strukturellen Problemen gesellt sich sich seit heuer ein geopolitisches. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise nach oben getrieben: ein direkter Treffer für Betriebe, deren Bedarf für Heizung, Warmwasser, Küche und Spa ohnehin hoch ist. Der Heizölpreis stieg im Jahresvergleich um 38,2 Prozent. Neun von zehn Betrieben rechnen infolge des Konflikts mit weiteren Kostensteigerungen für den Sommer 2026, ein außergewöhnlich hoher Wert. 43 Prozent spüren bereits eine Nachfrageverschiebung, überwiegend durch ausbleibende Gäste aus asiatischen Märkten und durch unsicherere Anreiserouten. Das WIFO veranschlagt das Wirtschaftswachstum für 2026 je nach Szenario auf magere 0,2 bis 1,1 Prozent.
Etwas Entlastung und sowas wie ein zartes Pflänzchen, das Optimismus verbreitet, zeigt sich am Arbeitsmarkt. Die Verfügbarkeit von Mitarbeitern verbesserte sich von der Note 3,3 auf 3,0. Allerdings ist dieser Effekt teils konjunkturbedingt: In einer schwächeren Gesamtwirtschaft werben andere Branchen weniger aggressiv um dieselben Arbeitskräfte. Von Entwarnung kann ohnehin keine Rede sein, 62 Prozent der Betriebe haben offene Stellen zu besetzen, und die erwerbsfähige Bevölkerung schrumpfte 2025 erstmals seit den 1970er-Jahren.

Der Wandel kommt: die Frage ist nur, ob freiwillig
Die Betriebe warten nicht auf bessere Zeiten. Mehr als zwei Drittel haben ihr Geschäftsmodell in den vergangenen fünf Jahren verändert oder planen entsprechende Schritte. Der dominierende Motor ist allerdings die Optimierung der Kostenstruktur, genannt von 76 Prozent. Die Anpassung an veränderte Gästebedürfnisse folgt mit 66 Prozent, effizientere Betriebsprozesse mit 56 Prozent. Damit verläuft die Veränderung bislang vor allem defensiv, mit dem Ziel, die Ertragskraft zu sichern, statt zu wachsen.
Wie sich das Gästeverhalten verschiebt, zeigt eine Erkenntnis aus der Studie: 63 Prozent der Betriebe berichten von gesunkenen Nebenausgaben pro Gast. Gespart wird vor allem in der Gastronomie, die 86 Prozent als Hauptsparfeld nennen, gefolgt von Wellness und Spa sowie den in guten Zeiten gerne gebuchten Upgrades. Parallel dazu hinterlässt der Klimawandel Spuren: 58 Prozent beobachten eine Verschiebung der Saisonen, am Land deutlich stärker als in der Stadt.
Kapferer warnt davor, den Umbau allein als Reaktion zu betreiben: „Zu viele Betriebe transformieren reaktiv statt strategisch. Wer jetzt nicht fragt, welches Produkt, welche Zielgruppe und welche Technologie in fünf Jahren tragen soll, wird von den nächsten Marktverschiebungen überrascht werden.“ Für die Branche, so das Fazit des Barometers, ist die Transformation damit keine Option mehr, sondern die Voraussetzung für künftige Wettbewerbsfähigkeit.