Die Wiener Spitzenhotellerie konkurriert um Gäste, um Lagen, um Auszeichnungen. Beim Nachwuchs aber hat sie diese Logik aufgegeben, großteils. 24 Häuser der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie treten unter der Plattform tophotels.wien als gemeinsame Arbeitgebermarke auf, darunter Boutique-Hotels, internationale Ketten und Wiener Traditionshäuser nebeneinander.
Am 8. Juli 2026 wurde daraus eine Veranstaltung. 60 Lehrlinge zogen beim Young Talents Day in Gruppen durch zehn beteiligte Betriebe und absolvierten fünf Challenges pro Route. Der Tag begann mit Gruppeneinteilung und Auslosung der Routen und endete am Abend im Hilton Vienna Waterfront, wo Gastgeber Daniel Habersatter die Teilnehmenden empfing.
Eine Plattform, kein Wettbewerb
tophotels.wien wurde gegründet, um die Employer Brand der beteiligten Betriebe zu stärken und Karrierewege in der Branche sichtbar zu machen. Die Plattform bündelt offene Stellen, Einblicke in den Arbeitsalltag und die Selbstdarstellung der Häuser als Arbeitgeber. Ergänzt wird sie durch gemeinsame Messeauftritte, Schulbesuche und laufende Employer-Branding-Kampagnen.
Und es geht nicht ums klassische Abwerbungsdenken: Die Häuser wollen Nachwuchs in der Branche halten. Unternehmensberaterin und Trainerin Silvia Tiemann, die den Tag koordinierte und moderierte, sieht darin ein Best-Practice-Beispiel für gemeinsame Branchenentwicklung. Erfolgreiche Hotellerie entstehe durch zwischenmenschlichen Kontakt: Das mache die Branche besonders und zukunftssicher und lasse sich „durch keine KI vollständig ersetzen“.
Gruß aus der Spitzenküche
Am Nachmittag stellte sich Silvio Nickol den Fragen der Lehrlinge. Der Küchenchef hält seit zwei Michelin-Sterne im Gourmetrestaurant des Palais Coburg. Sein Rat fällt bemerkenswert unglamourös aus: Lehrlinge sollten sich gezielt Betriebe aussuchen, in denen sie gefordert und gefördert werden, ein klares Ziel verfolgen und länger als ein Jahr bleiben, um Philosophie und Küchenstil eines Hauses wirklich zu verstehen. Und: „Immer dranbleiben und nie aufgeben, egal wie hart es wird – man sollte dabei aber nie den Spaß verlieren“, so der Küchenchef.
Die Arbeits- und Organisationspsychologin Viktoria Lanthier, Partnerin des Instituts für Vitalpsychologie, hielt anschließend eine Keynote unter dem Titel „Warum Scheitern die klügste Strategie ist“. Ihr Argument: Wer Rückschläge nicht als persönliches Versagen, sondern als Teil des Lernens begreife, bleibe eher dran. Entscheidend sei nicht Talent, sondern Einsatz. Nach der Ehrung des Siegerteams klang der Abend am Grill, an der Bar und mit DJane Luna aus.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen nach Angaben der Veranstalter durchwegs positiv aus. Geschätzt wurde vor allem die Möglichkeit, Betriebe von innen zu sehen, die sonst verschlossen bleiben. Recep Teke, Koch-Lehrling im Arcotel Wimberger, hebt den Einblick hinter die Kulissen anderer Wiener Hotels hervor sowie den unkomplizierten Austausch „mit einigen großen Namen der Branche“.