Die Lohn- und Gehaltsverhandlungen für das österreichische Hotel- und Gastgewerbe sind ohne Ergebnis vertagt worden. Das teilte die Arbeitgeberseite nach der jüngsten Verhandlungsrunde in Wien mit. Aus Sicht der Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich seien die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht realisierbar.

„Was wirtschaftlich nicht machbar ist, kann auch nicht vereinbart werden“, sagen Georg Imlauer, Obmann und Chefverhandler der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich in Salzburg, und Alois Rainer, Obmann und Chefverhandler der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien.

Nach Angaben der Arbeitgebervertretung verlangen die Gewerkschaften eine Lohn- und Gehaltserhöhung von 3,6 Prozent. Zusätzlich werde durch die Einführung einer bezahlten Mittagspause eine weitere Lohnerhöhung von rund sechs Prozent gefordert.

Arbeitgeber verweisen auf bisherige Abschlüsse

Die Arbeitgeberseite verweist darauf, dass die Mindestlöhne und Mindestgehälter in der Branche in den vergangenen vier Jahren deutlich gestiegen seien. Insgesamt seien sie laut Angaben der Fachverbände um 27,1 Prozent erhöht worden und damit deutlich stärker als die Inflation. Der Abschluss im vergangenen Jahr habe beispielsweise 3,9 Prozent betragen und damit über der Jahresinflation von 2,9 Prozent gelegen.

Zusätzlich habe der seit November 2024 geltende neue Rahmenkollektivvertrag weitere Anpassungen gebracht. Dazu zählen laut Arbeitgebervertretung unter anderem Sonderzahlungen auf Basis des Ist-Lohns, eine erweiterte Anrechnung von Vordienstzeiten, freie Wochenenden, längere Kündigungsfristen, ein einheitlicher Nachtarbeitszuschlag sowie ein Lehrabschlussbonus.

„Viele unserer Mitgliedsbetriebe haben hier große Verantwortung übernommen – für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie für die Zukunft der Branche“, sagt Imlauer.

Kostensteigerungen belasten Betriebe

Gleichzeitig sehen sich viele Betriebe laut Arbeitgeberseite mit steigenden Kosten konfrontiert. Besonders Energie, Lebensmittel und Personalkosten hätten sich deutlich verteuert. Branchenumfragen würden zeigen, dass neun von zehn Betrieben die gestiegenen Kosten nicht vollständig über höhere Preise weitergeben könnten.

Der sogenannte „Fitness-Check 2025“ der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) zeige laut Arbeitgebervertretung ebenfalls, dass die Betriebsergebnisse vieler Betriebe trotz guter Auslastung auf niedrigem Niveau stagnieren.

„Unsere Mitarbeiter*innen sind das Herzstück des Hotel- und Gastgewerbes. Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen haben daher in unserer Branche hohe Priorität“, sagt Alois Rainer, Obmann und Chefverhandler der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien.

Appell an Politik und Gewerkschaften

Nach Angaben der Arbeitgebervertretung sind die Betriebsergebnisse in der Gastronomie seit 2019 über mehrere Betriebsarten hinweg rückläufig. Der Spielraum für weitere Kostensteigerungen sei daher begrenzt. „Dass selbst bei gut ausgelasteten Betrieben die Ergebnisse massiv unter Druck stehen, zeigt, wie angespannt die Situation ist. Viele Häuser arbeiten bereits an der wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Der Plafond ist erreicht – mehr geht nicht“, sagt Imlauer.

Die Vertreter der Branche verweisen zudem auf strukturelle Herausforderungen des Wirtschaftsstandortes. Als zentrale Forderungen an die Politik nennen sie unter anderem niedrigere Lohnnebenkosten, kürzere Abschreibungsdauern sowie Bürokratieabbau. Auch steuerliche Entlastungen für Überstunden und Arbeit könnten laut Arbeitgeberseite sowohl Beschäftigte als auch Betriebe entlasten. Die Arbeitgeberseite betont gleichzeitig ihre Gesprächsbereitschaft. Weitere Verhandlungen seien möglich, sofern sich diese an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche orientieren.