CORONA MASSNAHMEN

Wien, nur du alleine?!

Gastronomie
17.02.2022

In der Vergangenheit war der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig mit seiner Corona-Politik richtig gelegen. Doch was hilft ein strengerer Maßnahmenvollzug, wenn das restliche Land aufmacht? Der Wiener Gastro-Sprecher Peter Dobcak fordert eine Kompensation für betroffene Branchen.
Wien hat nicht nur bunte Bauten (wie das Hundertwasserhaus). Auch in der Corona-Politik setzt die Hauptstadt Farbakzente - allerdings zum Leid der Gastronomie und Hotellerie. 
Wien hat nicht nur bunte Bauten (wie das Hundertwasserhaus). Auch in der Corona-Politik setzt die Hauptstadt Farbakzente - allerdings zum Leid der Gastronomie und Hotellerie. 

Wien ist anders. Während das ganze Land sehr großzügig lockert, bleibt Bürgermeister Michael Ludwig sehr vorsichtig. Auch nach dem 19. Februar gilt die 2G-Regel in der Gastronomie, die Nachtgastronomie darf ab 5. März öffnen. Allerdings gilt auch hier: nur für Geimpfte und Genesene.

Gut so? Weil der Wiener Weg durch die Pandemie in der Vergangenheit als der richtige erschien? Der Wiener Gastro-Fachgruppenobmann Peter Dobcak kann in diesen Tagen nur den Kopf schütteln. Er spricht von Umsatzeinbußen in ganz Wien und speziell in den Außenbezirken, in denen der Weg zum niederösterreichischen Wirtshaus nicht weit ist. „Das ist, als ob das Virus in Wien gefährlicher wäre“, ärgert sich Dobcak.

Dobcak fordert Entschädigungen

Diese unterschiedlichen Maßnahmen seien wettbewerbsverzerrend, so Dobcak gegenüber der ÖGZ. Er fordert daher eine Entschädigung der betroffenen Betriebe. Ähnlich äußert sich der Wiener ÖHV-Vorsitzende Alexander Ipp. „Stellt Wien eigene Hilfen auf für die Stadthotellerie, die Kongresswirtschaft, all die vor- und nachgelagerten Unternehmen, denen seit zwei Jahren quasi ohne Unterbrechung die Existenzgrundlage genommen wird?“, fragt er. Die Antwort darauf gab der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker indirekt, als er vor der Presse sagte, dass für Hilfen auf Gemeindeebene kein rechtlicher Rahmen bestünde. Also: wohl keine Hilfen. Die Vertreter aus Gastronomie und Hotellerie sehen den „Wiener Sonderweg“ daher als Sackgasse. 

Wiens Sonderweg ist objektiv betrachtet tatsächlich ein sonderbarer. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Wiener Pandemie-Politik im Herbst von allen Bundesländern die besonnenste war. Vermutlich wäre ein Gesamt-Lockdown erspart geblieben, hätte das ganze Land damals ähnliche Maßnahmen gesetzt wie Wien. Andererseits zeigt sich in der Pandemie eben auch, dass regionale Maßnahmen nur eine begrenzte Wirkung haben. Auch Wien musste in den Lockdown. Der Austausch zwischen Wien und dem angrenzenden Niederösterreich bleibt alleine schon durch den Berufsverkehr bestehen. Insofern stellt sich die Frage, ob strengere regionale Maßnahmen tatsächlich etwas bringen. Wie immer in den vergangenen zwei Jahren Pandemie, werden wir wohl in ein paar Wochen schlauer sein.