Es bleibt nichts übrig

Oberösterreich
28.01.2019

 
Wirtesterben in Oberösterreich: 734 Betriebe haben zugesperrt – genauso viele machen aber auch auf.
Leider wird nicht jedes Lokal so überrannt wie das urige Gasthaus Aescher Wildkirchli im Appenzellerland, ein Liebling der sozialen Medien.

Ein traditionelles Gasthaus setzt im Schnitt 300.000 Euro im Jahr um, hat fünf bis sechs Mitarbeiter – und erzielt keinen Gewinn. Mehr als jeder zweite Wirt in Oberösterreiczh schreibt rote Zahlen und lebt von der Substanz. Geld für Investitionen ist keines vorhanden.

Es gebe nur wenige Topbetriebe, wo der Umsatz über einer Million Euro liege und die Rendite sieben bis acht Prozent erreiche, sagt Wirtesprecher der WKOÖ, Thomas Mayr-Stockinger, den OÖ-Nachrichten. Deshalb wolle den Betrieb oft auch niemand übernehmen.

Schließungen und Neueröffnungen

Die Gründe für Betriebsschließungen sind so vielfältig wie die Branche: Ende Dezember hat die Trattoria Giuseppe in der Linzer Herrenstraße zugesperrt, weil das Besitzerehepaar Verdichizzi nicht ausreichend Personal fand. Damit gehört es zu jenen 734 Gastgebern, die im Vorjahr in Oberösterreich zugesperrt oder den Gewerbeschein ruhend gestellt haben.

Junge Hoffnung

Beinahe gleich viele haben aber ein Lokal eröffnet. "Wir haben den Höhepunkt der Schließungen erreicht. In den kommenden Jahren wird es besser", macht Mayr-Stockinger Mut. Immer mehr junge Leute würden ihr Glück in der Gastronomie versuchen, sagt er. "Sie halten das Lokal vielleicht nur vier Tage pro Woche offen statt sieben. Sie probieren neue Trends aus und bringen frischen Schwung."

An Kosten drehen

Das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass in der Gastronomie Rentabilität viel zu selten auf der Speisekarte steht. "Mehr als jeder zweite Wirt verdient nichts mit seinem Lokal", sagt Stefan Praher von der Wirtschaftskammer. Er zitiert Zahlen aus einer Studie der KMU Forschung Austria.

Zusperren sei die billigste Variante, so Mayr-Stockinger. Es gebe aber diverse Schrauben, an denen Wirte drehen könnten, um Kosten zu senken. Sie könnten das Angebot auf der Speisekarte reduzieren, in frequenzstarken Zeiten auf Selbstbedienung umstellen, zusätzliche Sperrtage einlegen oder mehr Hilfskräfte einsetzen. So könnte ein gelernter Kellner die Bestellungen aufnehmen, eine Hilfskraft servieren.

Gute Stimmung, viel Arbeit

Die Stimmung in der Branche sei aber sehr gut. Der wettermäßige "super Sommer" hat vielen Auftrieb gegeben. Es jammere keiner, dass es zu wenig Geschäft gebe. "Aber wenn Bilanz gezogen wird, bleibt unterm Strich zu wenig", so Mayr-Stockinger. Dazu komme, dass Wirte oft bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten, wenn etwa ein Mitarbeiter krank geworden ist.

RED/OÖN