Mitarbeitermangel: Sommer- und Winterbetriebe könnten kooperieren

Fachkräftemangel
09.01.2019

Von: Thomas Askan Vierich
Mit seiner Kampagne „Coole Stellen am Berg“ wirbt Manuel Kapeller-Hopfgartner um Partnerbetriebe, die ihn dabei unterstützen sollen, regionale Tourismus-Jobs für Fachkräfte wieder attraktiv zu machen. Coole Aktion, wie wir finden.  
Der Hipster im Service: So sieht die Kampagne von Kapeller-Hopfgartner aus.

„Wir beschäftigen in unseren drei Betrieben 40 Top-Mitarbeiter. Da im Sommer aber einer davon geschlossen hat, können wir nicht alle ganzjährig beschäftigen. Das ist ein massives Problem“, sagt Kapeller-Hopfgartner, Chef der Schirmbar Cielo und der Sunn Alm auf der Gerlitzen sowie der Edelweiß Hütte in Klösterle, der „Kleinen Zeitung“.

Virtuelle Ganzjahressaison

Obwohl er über dem Kollektivvertrag entlohne und familienfreundliche Arbeitszeiten biete, seien in den vergangenen Saisonen 40 Prozent seiner Mitarbeiter an andere Bundesländer wie die Wintertourismusgiganten Tirol und Salzburg oder das Ausland verloren gegangen. „Damit das nicht mehr vorkommt, suchen wir Sommerbetriebe, denen es mit ihren Fachkräften ähnlich geht, um ihnen eine attraktive Ganzjahresbeschäftigung zu bieten“, so Kapeller-Hopfgartner.

Die Sunn Alm und das Cielo betreibt er ganzjährig. Die Edelweiß Hütte auch im Sommer offen zu halten, rentiert sich wegen der geringen touristischen Auslastung in Klösterle nicht. Für Servicekraft Irina Koch (26) heißt das wie für viele nur saisonal beschäftigte Mitarbeiter im Tourismus, dass sie sich nach Saisonschluss nach einem neuen Job umsehen muss. „Da ich aus der Umgebung bin, würde ich gerne im Sommer hier bleiben. Eine Ganzjahresstelle ist attraktiv, wenn die Arbeitszeiten auch so flexibel sind wie jetzt. Derzeit arbeite ich auf der Edelweißhütte nur bis 17 Uhr, da bleibt auch noch genügend Freizeit, das ist großteils in unseren Jobs nicht der Fall“, sagt sie der „Kleinen Zeitung“.

Vorbildliche Aktion

Die Aktion „Coole Jobs am Berg“ stößt bei anderen Touristikern auf offene Ohren. „Dass sich Betriebe untereinander austauschen ist positiv. Fachkräfte sind wichtig, um die Qualität zu halten. Jeder sollte eine Bedarfsliste erstellen“, sagt Eva Hoffmann vom sommerbetriebenen Seehotel am Ossiacher See. Allein im Bezirk Villach sind derzeit 27 Betriebe auf der Suche nach Fachkräften mit Lehrabschluss als Kellner, es gibt 30 offene Stellen. 26 Betriebe suchen einen Koch mit Lehrabschluss, da sind es aktuell 27 offene Stellen.

Generell haben den Winter über weniger Betriebe in der Region geöffnet. Laut Statistik des Tourismusverbandes Gerlitzen Alpe Ossiacher See stehen in den Gemeinden Treffen und Steindorf im Winter rund 5200 Betten in 366 Betrieben zur Verfügung, im Sommer sind es 6100 Betten in 440 Betrieben – Campingplätze nicht miteinberechnet. Während die Tourismusregion an einem Ganzjahreskonzept arbeitet, versuchen AMS und Wirtschaftskammer die Fachkräfteproblematik, die nicht nur ein Tourismus-Spezifikum ist, ihrerseits zu lösen. „Wir unterstützen Unternehmer mit spezialisierten Teams. Auch gibt es zwei Mal jährlich eine Tourismus-Jobbörse in Kooperation mit der Wirtschaftskammer. Die Aktion von Herrn Kapeller-Hopfgartner werden wir uns näher ansehen“, sagt Josef Zeichen, Bezirksstellenleiter des AMS in Villach.