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Meine Tapas-Bar: Rinkhy Little Plates

Gastronomie
26.01.2022

Ob Tapas, Mezze oder Horsd’œuvre: Sich durch eine ganze Speisekarte zu kosten, das funktioniert nur in ganz speziellen Lokalen mit nicht allzu großem finanziellem Aufwand. Das Rinkhy Little Plates in Wien ist eines davon.
Andrew Rinkhy: „Es gibt Foodtrucks, die größer sind als wir.“
Andrew Rinkhy: „Es gibt Foodtrucks, die größer sind als wir.“

Man muss nicht unbedingt an laue Abende in verwinkelten Gässchen in Alicante, Salamanca oder Sevilla denken, um Assoziationen an fröhliche Menschen zu wecken, die in oder vor Tapas-Bars sitzen und Unmengen an Jamón Ibérico, Oliven und Boquerones fritos (frittierte Sardellen) essen und Rioja, Sherry, Albariño, Bier oder andere wunderbare Begleiter dazu trinken.  

Tapas-Bars gibt es weltweit in großer Zahl, auch in Österreich, und die gastronomische Idee, ausschließlich kleine Speisen anzubieten, ist zwar nicht neu, sie hat aber bis heute nichts von ihrem Charme verloren. Im Gegenteil, sie ist genau genommen sogar ziemlich sexy. Sich als Gast nicht auf die eine Hauptspeise fokussieren zu müssen, sondern aus einer Vielfalt unterschiedlicher Köstlichkeiten schöpfen zu können, sich auch Portionen mit Freunden oder der Familie am Tisch zu teilen, herumzuprobieren: Das hat schon was. 

Bodega-Kost in der Hauptstadt

Das Lebensgefühl, nach dem sich nicht nur viele Spanienliebhaber sehnen, kann man durchaus auch in Wien inhalieren. Seit Jahrzehnten gibt es Tapas-Bars in der Hauptstadt. Viele mussten aufgeben, neue sind dazugekommen, aber es gibt stets ein gutes Dutzend Lokale, die sich der Darreichung kleiner Portionen mit mehr oder weniger authentischer Bodega-Kost verschrieben haben und das Konzept auch gut verkaufen.

We are Family: Der Stammgästeanteil ist hoch, die Stimmung familiär. Hier kommen auch gerne Leute mit Kindern. Touristen sind wenige unter den Gästen, aber das ist in der jetzigen Situation gar kein Nachteil.
We are Family: Der Stammgästeanteil ist hoch, die Stimmung familiär. Hier kommen auch gerne Leute mit Kindern. Touristen sind wenige unter den Gästen, aber das ist in der jetzigen Situation gar kein Nachteil.

Es begann mit Cava

Ein Lokal, das auf den ersten Blick nicht im Verdacht steht, spanisches Lebensgefühl vermitteln zu wollen, ist das Rinkhy Little Plates im siebten Bezirk in Wien. Und das obwohl die beiden Brüder Andrew und Alex Rinkhy, die Inhaber, bei ihren Gästen durchaus Urlaubsgefühle wecken wollen. Denn die Idee für ihr Lokal hatten die gebürtigen Kanadier im Rahmen eines gemeinsamen Spanien-Aufenthalts und unter dem abendlichen Einfluss von spanischem Cava. Während Andrew damals im Hauptberuf Fotograf war (und es heute noch ist), hatte Allex davor bereits Gastro-Erfahrung.

Die Wahlheimat Wien sollte das Ziel des gemeinsamen gastronomischen Projekts der beiden Kanadier werden. Bald war auch eine Lokalität in Wien-Neubau gefunden, in der Zieglergasse gleich neben dem Gasthaus „Zur Stadt Krems” und schräg vis-à-vis der „Hefenbrüder“, dem ehemaligen „Brickmakers“. Gastronomisch also eine gut bestückte Gegend, zumal gegenüber ebenfalls eine Tapas-Bar beheimatet ist. Aber Konkurrenz belebt nun einmal das Geschäft, man darf nur nicht aufhören, an sein Konzept zu glauben. Und das funktioniert im Fall des „Rinkhy Little Plates“.

Das Rinkhy Little Plates ist gespickt mit schönen Details. Kein Wunder, einer der Chefs, Andrew, ist Fotograf.
Das Rinkhy Little Plates ist gespickt mit schönen Details. Kein Wunder, einer der Chefs, Andrew, ist Fotograf.

Während Alex pandemiebedingt derzeit in Kanada lebt, führt Andrew weiter das Geschäft in Wien. Corona hat natürlich auch im Betrieb der beiden Brüder zwar Spuren hinterlassen, aber deshalb etwa Take-away anzubieten – das war und ist für die beiden kein Thema. Das Lokal lebt nun einmal von seinen Gästen, von der familiären Stimmung. Und die lässt sich nicht so einfach im Zustellgeschäft abbilden.

Regionales und Klassiker

„Es gibt Foodtrucks, die größer sind als wir“, sagt Andrew im Gespräch mit der ÖGZ. Damit spricht er natürlich auch die Intimität an, die das Lokal auszeichnet. Klein, aber fein. Auf der Karte finden sich zwar einerseits spanische Tapas-Klassiker wie Oliven, Almendras tos­tadas (geröstete Mandeln), die im Fall der Rinkhys mit geräuchertem Meersalz, Cayennepfeffer und Ahornsirup verfeinert wurden, eine exzellente Auswahl an Schinken, Würsten und Salami, von Jamón Ibérico bis Mangalitza, teilweise regional, teilweise nicht, aber immer in Top-Qualität, sondern auch eine sehenswerte Vielfalt an Käse, die sich, je nach Verfügbarkeit, auch kurzfristig ändern kann.  

Viele kleine Portionen, hier wird Essen zur Unterhaltung.
Viele kleine Portionen, hier wird Essen zur Unterhaltung.

Wie richtet man Dosenfisch an?

Dosenfisch spielt natürlich ebenfalls eine Rolle, im Rinkhy Little Plates kommt die auch in der gehobenen Gastronomie beliebte Delikatesse aus Portugal, die „Conserveira de Lisboa“ ist Kennern seit fast 100 Jahren ein Begriff. Jede Dose der „Conserveira de Lisboa“ wird per Hand seit über 90 Jahren in Papier gewickelt. Und ganz ehrlich: Man kann eine handtellergroße Aludose, in der köstlicher Fisch aufgefächert liegt, neben anderen Delikatessen auch sehr schön inszenieren. Ein paar Scheiben ge­röstetes Baguette dazu, oder Brioche und Zitrone – das gibt es durchaus auch in Sterne-Restaurants zu finden, allerdings nicht unter zehn Euro wie bei Andrew und Alex. Weiteres Highlight sind Austern, die es einmal pro Woche gibt. Eine Reservierung ist Gästen übrigens dringend anzuraten, das Lokal ist nicht nur an Wochenenden gut besucht. Das liegt allerdings nicht nur an der Speisekarte, sondern auch an der exzellenten Getränkeauswahl. Es gibt eine eigene Bloody-Mary-Karte mit derzeit fünf verschiedenen Varianten.

Cocktails und Longdrinks spielen eine wichtige Rolle: Im Rinkhy Little Plates gibt’s fünf verschiedene Bloody Marys.
Cocktails und Longdrinks spielen eine wichtige Rolle: Im Rinkhy Little Plates gibt’s fünf verschiedene Bloody Marys. 

Kleine Produzenten

Die beiden Brüder treiben beim Einkauf übrigens einen ziemlichen Aufwand: Lebensmittel werden direkt bei vielen kleinen Produzenten bezogen, beim Wein kooperiert man mit Weinturm aus Linz. Bier und Alkoholfreies liefert Ammersin. Und wer vermutet, dass ein kleiner Betrieb weniger Arbeit macht, der wird von Andrew eines Besseren belehrt: „Ob klein oder groß: Die Arbeit ist gleich groß.“ Was aber nicht bedeutet, dass es weniger Spaß macht.

Rinkhy Little Plates

Name: Rinkhy Little Plates
Inhaber: Andrew und Alex Rinkhy
seit: 2017
Mitarbeiter: 3
Küchenschwerpunkt: International
Sitzplätze: 8
Philosophie: Häppchen, Tapas, Mezze, Cocktails und gute Weine
Öffnungszeiten: derzeit Mo–Fr 17–22 Uhr, Sa 16–22 Uhr
Ruhetag: Sonntag
www.rinkhy.com