Warum die Preise rauf müssen

Tourismus
15.03.2022

Kann die Tourismusbranche wieder profitabel werden?, fragt die Prodinger Tourismusberatung provokant. Um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen, braucht es jedenfalls Anpassungen.

Schon vor der Pandemie war die dünne Eigenkapitaldecke bekanntlich in Hotellerie und Gastronomie ein Problem. In den vergangenen zwei Jahren wurde die Lage noch prekärer. „Viel Eigenkapital wurde verbrannt“, sagt Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. Sein Unternehmen hat anonymisiert die Daten von 200 Bertrieben (in erster Linie aus 4- und 5-Sterne-Hotellerie) analysiert. Zusammengefasst: Die Steuerstundungen laufen aus und die Liquidität ist gefährdet, weil die Eigenkapitaldecke von durchschnittlich 13,7 Prozent in einigen Fällen heute auf unter 8 Prozent gefallen ist. Bei diesem Wert ist in der Regel keine Bankfinanzierung mehr zu bekommen.

Zu viele Betriebe

Der Hotelier und Ex-Neos-Politiker Sepp Schellhorn spricht an,  was sich schon länger abzeichnet. Schon vor der Krise habe es 30.000 Hotelbetten zu viele gegeben, nun seien mehr als 50.000 zu viele am Markt. Das führt nahtlos zum Thema Preise. Hier sind die Unternehmen mit inflationsbedingten Mehrkosten konfrontiert – die Frage lautet: Wie gebe ich diese den Gästen weiter?

Und nicht nur den Gästen – natürlich steigt durch die Inflation auch der Druck für Lohn- und Gehaltsanpassungen. Schellhorn: „Wir brauchen ein Steuersystem, in dem von 2.800 Euro brutto am Ende 2.200 Euro am Lohnzettel bleiben.“ Die Realität sieht freilich anders aus. Bei den derzeitigen Lohnnebenkosten müsste ein Kalbs-Schnitzel eigentlich 35 Euro kosten, sagt Schellhorn. Dass die ganze Tourismusbranche an Preisanpassungen nicht umherkommt, ist einhellige Meinung auch bei Prodinger.

Was auch noch wichtig wäre: Den nicht rentablen Unternehmen (hier hat die Krise den Terminus Zombieunternehmen geprägt) muss es leichter gemacht werden sich aufzulösen. Hier gibt es etwa den Vorschlag für eine Betriebsauflöseprämie.