Die Gewerkschaft sagt Nein. Wieder einmal. Anlass ist der Eurovision Song Contest 2026 in Wien, ein internationales Großereignis, das Tausende zusätzliche Gäste in die Stadt bringt. Die Argumentation bleibt erwartbar: Der Sonntag sei schützenswert, Ausnahmen gefährlich und überhaupt müsse „der Mensch über dem Profit stehen“. Das klingt sauber, ist aber vor allem eines: bequem. Denn wer so argumentiert, blendet die Realität einer Branche aus, die längst sieben Tage die Woche funktioniert.

Die blinde Stelle der Debatte

Die Gewerkschaft tut so, als wäre Sonntagsarbeit eine abstrakte Bedrohung. In der Gastronomie ist sie Alltag. Hotels, Restaurants, Bars, Cafés: sie alle leben vom Wochenende. Vom Tourismus. Von genau jenen internationalen Gästen, die man beim ESC feiern will, aber offenbar nicht vollständig bedienen möchte. Und genau hier liegt der Widerspruch: Wien soll Weltstadt sein, aber bitte ohne die Rahmenbedingungen einer Weltstadt.

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International ist die Sonntagsöffnung Standard. Etwa in Barcelona, Amsterdam, London, Mailand oder Prag. Österreich hingegen führt eine ideologische Debatte, während die Wertschöpfung woanders passiert.

Ein verlängertes Wochenende mit internationalem Event bedeutet neben einer höheren Frequenz auch eine höhere Zahlungsbereitschaft. Dass ausgerechnet Arbeitnehmervertreter diese Perspektive ausblenden, ist bemerkenswert. Denn wirtschaftlich stabile Betriebe sind die Voraussetzung für sichere Arbeitsplätze. Nicht umgekehrt.

Die Angst vor dem Präzedenzfall

Das zentrale Argument der Gewerkschaft ist die „Gefahr“, dass Ausnahmen zur Regel werden könnten. Ja, es braucht klare Regeln und man muss nicht jeden Sonntag freigeben. Aber gezielte, temporäre Öffnungen bei internationalen Großereignissen sind kein Systembruch, sondern wirtschaftlicher Hausverstand. Die eigentliche Frage lautet: Warum schafft es Österreich nicht, differenzierte Modelle zu entwickeln?