Österreichs Winzer rechnen heuer mit rund 1,7 Millionen Hektolitern Wein. Damit fällt die Ernte deutlich kleiner aus als 2025. Hitze und Trockenheit haben vor allem im Osten des Landes für kleine Beeren und geringere Erträge gesorgt. Bei der Qualität zeigt sich die Branche dagegen zuversichtlich: Das Traubenmaterial sei gesund und reif, erklärte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager im September.
Josef Umathum will aus dem schwierigen Jahr Konsequenzen ziehen. Der Winzer aus Frauenkirchen fordert, Österreichs Weingärten mit zehntausenden Bäumen und Sträuchern zu ergänzen. Das Prinzip wird als Vitiforst bezeichnet, eine Form des Agroforsts, bei der Reben und Gehölze gemeinsam auf einer Fläche wachsen.
1.000 Bäume und Sträucher im Weingarten
Umathum experimentiert damit nach eigenen Angaben seit den 1990er-Jahren. In seinen Weingärten stehen mittlerweile mehr als 1.000 Bäume und Sträucher. Eingesetzt werden unter anderem Feldahorn, Mirabelle, Holunder und Schneeball. Sie sollen Schatten spenden, Wind bremsen, die Artenvielfalt erhöhen und das Mikroklima verändern. Auf seiner eigenen Website dokumentiert das Weingut zudem die Pflanzung eines Waldes bei Frauenkirchen, der das Mikroklima verbessern und stärkere Winde bremsen soll.
Die Grundidee ist wissenschaftlich nachvollziehbar. Forschung zu Vitiforst zeigt, dass Bäume durch Schatten und Veränderungen des Mikroklimas dazu beitragen können, extreme Temperaturen abzufedern. Gerade angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit gilt Agroforst deshalb als möglicher Baustein der Klimaanpassung im Weinbau. Eine Patentlösung ist das Pflanzen von Bäumen allerdings nicht. Gehölze und Reben können auch um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung an drei Weinbau-Standorten fand bei Reben in unmittelbarer Nähe zu Baumreihen stärkeren Wasserstress sowie geringere Beerengrößen und Erträge. Entscheidend sind also Baumart, Abstand, Boden, Niederschlag und die konkrete Gestaltung der Anlage.
Die BOKU untersucht inzwischen gezielt die Folgen kombinierter Hitze- und Trockenstressphasen auf Reben sowie Möglichkeiten, den Wasserverbrauch im Weinbau besser zu steuern. Die Frage ist eher, welche Maßnahmen an welchem Standort funktionieren.
Umathums Vorschlag ist deshalb vor allem eines: ein interessanter Praxistest in großem Maßstab. Ob Österreichs Weingärten tatsächlich zehntausende zusätzliche Bäume brauchen, lässt sich aus seinen Erfahrungen allein nicht ableiten. Dass das bisherige Bild möglichst baumfreier Rebzeilen im Klimawandel neu diskutiert wird, dürfte hingegen kaum die letzte Debatte dieser Art sein.
