Analyse

Was die AGM-Übernahme für Kunden bedeutet

C&C
26.04.2022

 
Was bedeutet die AGM-Übernahme durch Metro für Kunden? Und wie wird sich die Situation für die Mitbewerber darstellen? Die ÖGZ hat mit Nils Wlömert, Vorstand des Instituts für Retailing & Data Science an der WU Wien, gesprochen.
Geplant ist die Schaffung von zwei unabhängigen börsennotierten Unternehmen.

ÖGZ: Was bedeutet eine Übernahme von AGM durch Metro für Kunden, also für Gastronomen und Hoteliers? 
Nils Wlömert: Eine Übernahme der neun AGM-Standorte durch die Metro hätte eine stärkere Marktkonzentration zur Folge. Einkaufsseitig können dadurch zwar Synergien genutzt werden, es besteht allerdings auch die Gefahr, dass die Marktmacht ausgenutzt wird – das Risiko besteht. 

Mehr als die Hälfte des Umsatzes macht der Gastro-Großhandel über die Zustellung aus, da ist die Filiale selbst oder der Standort doch nicht wirklich so ausschlaggebend, oder?
Man muss sich fragen: Warum macht die Metro das? AGM hat sich eine gewisse Infrastruktur aufgebaut und Metro kann diese neu gewonnenen Synergien für sich nutzen. Die Hintergedanken der Metro könnten auch einen Zuwachs an logistischer Effizienz und einkaufsseitige Vorteile bedeuten. Zudem ergeben sich auch Größenvorteile. Eine stärkere Marktkonzentration kann in diesem Fall dazu führen, dass das Hotel- und Gastrogewerbe tendenziell nicht zu niedrigeren Preisen einkaufen wird. Ob das tatsächlich passiert, würde ich jetzt einmal offen lassen. Als Risiko kann man das aber jedenfalls schon sehen.  

Die Kundennähe spielt also schon eine Rolle? 
Ja, die Mitbewerber sind da recht gut aufgestellt. Selbst wenn die Übernahme gelingen sollte, ist das keine Garantie dafür, dass Metro als konkurrenzloser Marktführer überbleiben wird. Es gibt ja auch noch andere Player im Markt. Und denen müssen sie sich nach wie vor stellen. Letztendlich kann es also auch sein, dass das Risiko einer Marktdominanz gar nicht so groß sein wird. 

Warum will Metro diese Übernahme? Und was veranlasst Rewe, sich von den AGM-Standorten zu trennen?
Die Übernahme ist wohl nicht nur durch die Situation im Markt im Zuge der Corona-Krise zu erklären. Diese Pläne gibt es offensichtlich schon länger. In Österreich teilen sich sechs Unternehmen 80 Prozent des Marktes auf, und das bietet natürlich immer Möglichkeiten zur Konsolidierung. Und genau das passiert gerade. Der Grund liegt wohl darin, dass sich Rewe stärker auf ihre Kernkompetenz – den Lebensmitteleinzelhandel – fokussieren will. 

Anmerkung: Das Interview wurde im Oktober 2021 geführt. An der Ausgangslage hat sich seit damals nichts geändert.

Nils Wlömert, Vorstand des Instituts für Retailing & Data Science an der WU Wien
Nils Wlömert, Vorstand des Instituts für Retailing & Data Science an der WU Wien