Bio-Pionierin am Peloponnes

Hotel
12.09.2016

 
Die Aussteigerin Burgi Bläuel führt am Peloponnes das erste Biohotel Griechenlands. Anstatt auf Managementbücher hört sie dabei lieber auf ihr Bauchgefühl.
Als erstes Hotel in Griechenland setzt das Mani-Sonnenlink Boutique Resort zu 100 Prozent auf Bio.  Damit erschließt es sich eine Kundschaft jenseits des Massentourismus.
Als erstes Hotel in Griechenland setzt das Mani-Sonnenlink Boutique Resort zu 100 Prozent auf Bio. Damit erschließt es sich eine Kundschaft jenseits des Massentourismus.
Burgi Bläuel: „Geld soll man nicht  besitzen, sondern für Sinnvolles einsetzen.“
Burgi Bläuel: „Geld soll man nicht besitzen, sondern für Sinnvolles einsetzen.“

Die tiefstehende Sonne versetzt das kleine Amphitheater im Süden des griechischen Peloponnes in eine orangerote Abendstimmung. Ein Streichertrio stimmt Haydn an. Die Hotelgäste lassen sich auf warmen Steinen im Herzen des Mani-Sonnenlink-Hotels von der Musik in den Abend begleiten. Zwischendurch macht Burgi Bläuel die Ansagen. Die Hausherrin ist in Weiß gekleidet und moderiert den Abend, als spielte das Konzert in ihrem Wohnzimmer. „Ich lebe hier meinen Traum“, sagt sie. Vor 13 Jahren hat sie den Sonnenlink als kleines Seminar- und Medita-tionshotel in Pyrgos eröffnet. Hier laufe alles so, wie sie sich ein perfektes Hotel vorstellt. Kompromisslos. 

Yoga und Meditation

Seit acht Jahren veranstaltet die ehemalige Geigenstudentin ein Musikfestival mit internationalen Künstlern. In der Früh gibt es Yoga oder Morgenmeditation. Und auch sonst ist hier alles auf eine Klientel mit bewusst nachhaltigem Lebensstil ausgerichtet: Die Architektur folgt den Regeln von Feng-Shui. Vom Essen über die Waschmittel bis hin zu den Pflegeprodukten in den Zimmern entspricht alles Biostandards – das ist in Griechenland einzigartig. 
Gerade herrscht Hochbetrieb, wie in den Sommermonaten üblich. Alle 16 Betten der aus einem Haupthaus und Bungalows bestehenden Anlage sind ausgebucht. Verschwinden die Sommergäste, kommen in den Herbst- und Wintermonaten Langzeiturlauber. Die Auslastung liegt im Jahresschnitt bei etwas mehr als 50 Prozent, was 1.578 Nächtigungen entspricht.

Kein Geld für Berater

„Wir hatten kein Geld für irgendwelche Berater, darum stammt jede Idee von meinem Mann Fritz und mir“, sagt sie. Die beiden lernten einander hier Anfang der 1980er als Aussteiger kennen und bauten mit Mani-Bläuel ein erfolgreiches Unternehmen auf, das Bio-Olivenöl nach ganz Europa exportiert. Dass ihr Mann ausgerechnet von der gleichnamigen Hoteliersfamilie am Tulbingerkogel nahe Wiens stammt, ist für Burgi Bläuel ein ironisches Detail der Geschichte. „Er hätte sich das wohl nicht denken können, dass wir mal in derselben Branche landen. Das Hotel ist aber mein Projekt. Ich sehe es als Erweiterung unserer nachhaltigen Aktivitäten in der Gegend“, sagt sie. Warum sie sich das antut? „Es ist die Freude daran, für Menschen etwas zu tun. Geld soll man nicht besitzen, sondern für etwas Sinnvolles einsetzen“, sagt Burgi Bläuel. Sie klingt dabei ganz wie die Aussteigerin, die vor mehr als 30 Jahren herkam, um der Konsumgesellschaft den Rücken zu kehren. Aber: „Klar muss sich das am Ende rechnen. Ich bin schließlich Unternehmerin und denke gewinnorientiert.“ 

Dennoch funktioniert hier vieles anders: Meditation und die Wirtschaftsethik der buddhistischen Ratna-Society bieten ihr einen unternehmerischen Handlungsrahmen, erzählt sie. Bei aller Menschenliebe redet Burgi Bläuel auch gerne über das Geschäft. „In der Hochsaison liegen wir beim Doppelzimmer bei 130 Euro die Nacht inklusive Frühstück“, sagt sie stolz. Angesichts der Lage ein sehr guter Preis: Der Sonnenlink liegt etwa 100 Seemeter über dem kleinen Ferienort Stoupa. Das Städtchen ist beschaulich, eingebettet in Olivenhaine, gibt es ein idyllisches Bild ab, das in jeden Ferienkatalog passt – ohne Massentourismus. Einige Individualurlauber zieht es jährlich hierher. Und jene, die das bisschen mehr an Entspannung suchen, sind im Sonnenlink gut aufgehoben. 

Am Frühstückstisch sitzen zwei deutsche Urlauberinnen: beide Anfang 40. „Als ich in einer Zeitschrift erfuhr, das sei das einzige Biohotel Griechenlands, sind wir gleich hergefahren. Seither kommen wir immer wieder“, sagt eine. Während andere Hoteliers aus der Region über den Preis um Urlauber kämpfen, genießt Bläuel ein Alleinstellungsmerkmal. Dass der Sonnenlink vor vier Jahren als erstes griechisches Haus als „Biohotel“ zertifiziert wurde, hat der Nachfrage einen Schub gegeben. 
Gibt es ein Erfolgsrezept? Burgi Bläuel nimmt einen Zug von ihrer Zigarette – dieses Laster gönnt sie sich wie ab und zu ein kaltes Bier, trotz ihres sonst sehr bewussten Lebensstils. Sie sagt: „Alles ist passiert. Das ist positive Energie!“ Was sie damit meint? Wenn man in sich reinhöre, spüre man das Richtige. „Vielleicht werde ich diese Erfahrung bald in einem Buch niederschreiben“, meint sie. Titel: „Unternehmensführung mit dem Herzen“.  
www.mani-sonnenlink.com 

Text: Daniel Nutz