Die Alpen-Anwälte

13.08.2014

Der neue Naturfreunde-Vorsitzende Andreas Schieder will gleich mehrere Themen angehen – darunter die Wegefreiheit am Berg, den Umgang mit den Mountainbikern und die Aufweichung von Schutzgebieten
Andreas Schieder ist neuer Naturfreunde-Vorsitzender
Reinhard Dayer führt die Geschäfte

Der alpine Freizeitverein Naturfreunde Österreich hat einen neuen Vorsitzenden: SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder will sich für gesellschafts- und umweltpolitische Themen einsetzen, die dem Wohle der erholungssuchenden Menschen dienen, wie er in Wien gegenüber der ÖGZ bekannt gab.

„Es geht in Zukunft um die Weiterentwicklung von Ökologie im alpinen Bereich und um einen sozialen Ausgleich im Tourismus“, erklärt Schieder. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Wegefreiheit. Das Verhalten bestimmter Wald- und Forstbesitzer oder das neue steirische Naturschutzgesetz würden Einschränkungen mit sich ziehen. „Die Zugänglichkeit der Natur ist eines der Grundprinzipien des Vereins“, betont Schieder.

Schutz für Schutzgebiete
Außerdem gelte es das Verhältnis zwischen den verschiedenen Nutzungsarten im Wald zu entflechten – Stichwort Wanderer vs. Mountainbiker. „Früher fuhren die Mountainbiker von so weit oben herunter, so weit sie die eigene Muskelkraft hinaufgebracht hat. Heute werden sie mit Liften in die Berge befördert“, sagt der Naturfreunde-Geschäftsführer Reinhard Dayer. Mountainbiken habe sich in den letzten Jahren von einer Trendsportart zu einem Massenphänomen entwickelt. Problematisch seien vor allem die Endurofahrer: Die Downhill-Racer brettern auch gesetzeswidrig abseits von Forstwegen auf Alpinsteigen oder querfeldein über Wiesen talwärts. Das zerstöre die labile Humusschicht, führe zu gefährlichen Erosionen, beunruhige Wild und gefährde auch noch die Wanderer. „Zur Entspannung der Situation fordern wir eine weitere Öffnung von Forststraßen für Mountainbiker“, so Dayer.

Schutz für Schutzgebiete
Weiters beobachte man immer wieder, dass Schutzgebiete aufgelöst oder aufgeweicht werden sollen, sprich, dass entsprechende Gesetze novelliert werden, um gewisse Bauvorhaben durchzusetzen. Als Beispiel nennen die beiden den Mölltaler Gletscher in den Osttiroler Kalkalpen. In der Region will eine Investorengruppe rund um Baulöwe Hans-Peter Haselsteiner und dem sogenannten „Liftkaiser“ Heinrich ein Hoteldorf mit Chalets errichten. Dazu soll es eine neue Skiabfahrt geben, die durch ein Naturschutzgebiet führt. Hier werde man den Gang der Ereignisse genau im Auge behalten. Auch die Vorhaben beim Kalkkögel in den Stubaier Alpen gibt ihnen Anlass zur Sorge. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit der Bergbahnen ist ein Zusammenschluss der Axamer Lizum über das Ruhegebiet Kalkkögel ins Stubaier Skigebiet Schlick 2000 geplant – was ein klarer Verstoß gegen das Tiroler Naturschutzgesetz wäre, denn die Zone ist seit 1983 als Ruhegebiet ausgewiesen. „Wir fordern einen Schutz der Kalkkögel ohne Wenn und Aber“, stellt der Geschäftsführer klar.
Brandmelder in Hütten?

Die richtige Mischung im Verhältnis zwischen Nachhaltigkeit und Wintertourismus zu finden und dabei auch die Frage des Klimawandels differenziert zu betrachten, das haben sich die beiden Vertreter auf die Fahnen geheftet. Das Aufstellen von noch mehr Schneekanonen und Wasserteichen wäre jedenfalls nicht der richtige Weg. Vielmehr müsse man daran arbeiten, Winterurlaub in den Alpen langfristig möglich, attraktiv und leistbar zu machen – zum Beispiel, indem man die öffentliche Anbindung an schon vorhandene Wintersportgebiete verbessert.

Was sich die Natufreunde außerdem noch wünschen, ist ein Überdenken der Brandschutzbestimmungen für Schutzhütten, wie Dayer gegenüber der ÖGZ erklärt. „Es kann nicht sein, dass für Anlagen auf 2000 Metern Höhe die gleichen Bestimmungen gelten wie für Hotels im Tal“, sagt Dayer und meint damit die behördliche Auflage, Brandmeldeanlagen auf Schutzhütten zu installieren.

„Denn auch wenn der Alarm auf die Gefahr hinweist, bis die Feuerwehr hinaufkommt, ist die Hütte längst ausgebrannt“, stellt er die Sinnhaftigkeit dieser teuren Anschaffung infrage: „Einfacher ist manchmal mehr.“ Von den Hoteliers wünscht er sich noch mehr Zusammenarbeit mit den Hüttenwirten. „Was nützt dem Gast das schönste Hotel, wenn das attraktive Hinterland fehlt? Beide bedingen sich.“ Als Best-Practice-Beispiel nennt er den Talschluss Kolm Saigurn im Raurisertal in Salzburg. Dank eines Miteinanders der Gaststätten am Berg und im Tal sei es dort gelungen, den Besuchern noch bessere Angebote, etwa in Form von geführten Wanderungen, zu machen.

Info
Die Naturfreunde
wurden 1895 gegründet und sind Eigenangaben zufolge damit die
älteste Naturschutzorganisation des Landes. Sie zählt rund 153.000 Mitglieder, erhält 15.000 Kilometer Wanderwege, betreibt 150 Berg- und Schutzhütten, 100 Kletter- und Boulderhallen sowie Alpin- und Kletterschulen und ein Paddel-, Rafting- und Wildwasserzentrum.