Damit ist die erste Phase des Privatisierungsprozesses abgeschlossen. Als Kaufpreis werden 1,201 Mrd. Euro genannt. Die Lufthansa Group, die im September 2009 Austrian Airlines übernahm, erwarb erst Anfang dieses Jahres für 325 Mio. Euro 41 % an Italiens ITA Airways. Voraussichtlich im ersten Quartal 2027 werden weitere 49 % von der Lufthansa Group zum selben Preis übernommen. Die restlichen 10 % stehen als Option für 79 Mio. Euro für 2028 im Raum, womit Lufthansa dann 100 % halten würde.
Es geht um die Routen nach Brasilien
Damit ist der TAP-Air-Portugal-Deal um einiges teurer als jener, der mit dem italienischen Staat geschlossen wurde. Das hat nichts mit der Flottengröße zu tun (ITA betreibt aktuell 109 Airbus-Jets, darunter 23 der Langstreckenmodelle A350-900 und A330-200 bzw. -900; TAP kommt auf 106 Maschinen, darunter 19 Embraer-190-Jets sowie 22 A330-Modelle derselben Baureihen).
Der strategische Wert liegt weniger im Kaufpreis. Bei ITA fokussiert sich die Lufthansa Group auf den italienischen Markt (Rom-Fiumicino wird zum sechsten Drehkreuz des Konzerns, Mailand-Linate ist wegen des wirtschaftsstarken norditalienischen Marktes besonders attraktiv), während sie bei TAP Air Portugal vor allem den brasilianischen Markt im Auge hat: Derzeit hält Lufthansa einen Marktanteil von 9 % in Lateinamerika, mit TAP wird dieser auf 20 % steigen. „Das ist eindeutig eine bedeutende Position“, betont Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz. Auch der Verbleib von TAP in der „Star Alliance“ war für die Lufthansa Group nicht uninteressant.
Hoher Kaufpreis für die 49,9 %
Nach Angaben der portugiesischen Regierung lag das Angebot des deutschen Konzerns um 16 % über jenem des Konkurrenten Air France-KLM. Es sieht in dieser ersten Phase, in der 49,9 % der Anteile ihren Besitzer wechseln, die erwähnten 1,201 Mrd. Euro vor. Demgegenüber hatte Air France-KLM „nur“ 1,038 Mrd. Euro geboten.
Geplant ist zudem eine Aufstockung der Flotte durch die Lufthansa Group auf 117 Flugzeuge bis 2035 und danach auf 130 Maschinen. Darüber hinaus hat sich Lufthansa verpflichtet, bis 2030 bis zu acht Airbus A350-900 an TAP zu übergeben und die in die Jahre gekommene Flotte von TAP Air Portugal (Durchschnittsalter aktuell 11 Jahre, gegenüber 6,6 Jahren bei ITA) zu modernisieren.
Ebenso werden die Wartungsaktivitäten von TAP in die Lufthansa Technik integriert, wobei 350 Mio. Euro in den Standort Santa Maria da Feira (ca. 33 km südlich von Porto, rund 280 km nördlich von Lissabon) investiert werden. Auch die Gründung einer neuen Pilotenschule in Tancos (ca. 130 km nördlich von Lissabon) ist im Gespräch.
Luís Rodrigues bleibt CEO
Der Abschluss der Transaktion ist für Anfang 2028, also in rund eineinviertel Jahren, geplant. Bis dahin bleibt Luís Rodrigues in jedem Fall CEO. Laut Minister Miguel Pinto Luz hat Lufthansa aber das Recht, „Schritt für Schritt zu verfolgen, inwieweit der Strategieplan umgesetzt wird oder nicht“. Der portugiesische Staat behält damit bis 2028 eine Mehrheitsbeteiligung von 50,1 % am Unternehmen. Ein Anteil von 5 % bleibt vorerst bei der Belegschaft.
Das Angebot der Lufthansa für den nächsten Schritt sieht eine Summe von weiteren 488 Mio. Euro sowie einen Aktientausch vor, der den portugiesischen Staat zum zweitgrößten Anteilseigner der Lufthansa Group machen würde.
