Die Sparte gehört restrukturiert“, trat die WKÖ vor eineinhalb Jahren an Susanne Kraus-Winkler heran. Sie zögerte zunächst, obwohl sie auf viel Erfahrung zurückblicken kann (u.a. Präsidentin des europäischen Hotel- und Gastronomieverband HOTREC, Staatssekretärin für Tourismus). Damit war der Keim gesät und Susanne Kraus-Winkler begann darüber nachzudenken, „was man aus der Sparte machen kann und wie man sie zukunftsmäßig aufstellt.“

Die weitere Entwicklung ist bekannt: Mitte Juni 2025 wurde sie im Rahmen der konstituierenden Spartenkonferenz an die Spitze der Interessenvertretung gewählt. „Jetzt sind wir mitten drin. Durch die Marke ‚Susanne Kraus-Winkler‘ und durch mein Engagement konnte ich bereits viel verändern.“

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„Interessenpolitik anstatt -vertretung“

Wie kann und wie sollte die Bundessparte Tourismus denn in Zukunft aussehen? Da braucht Susanne Kraus-Winkler nicht lange nachzudenken: Die Sparte müsse „Interessenpolitik anstatt Interessensvertretung“ in den Vordergrund rücken, also „Themen platzieren, Lobbying machen, die Kammerarbeit nach innen und außen zu den Mitgliedern und der Gesellschaft tragen.“ Ebenso wichtig sei die Gesetzesbegutachtung sowie die „Vernetzung der Branche in Richtung Länder. Die sollten vor allem Service-Plattformen sein.“

Derzeit gebe es „viele Referenten, meist Jurist:innen. Das ist aber nicht auf alle Erfordernisse zugespitzt.“ Deshalb soll in Zukunft die Arbeit der Sparte zweigeteilt sein:

  • Legistik – um dem Anspruch der juristischen Begutachtungen und Ausarbeitungen gerecht zu werden, sowie
  • Kommunikation und alles, was damit zusammenhängt, wie zum Beispiel der „WKO Tourismus Summit 2026“ in Alpbach (WKO und WKÖ bezeichnen dasselbe, haben aber unterschiedliche Ebenen: Unter WKÖ wird die Bundesorganisation mit Sitz in Wien verstanden, unter WKO die Gesamtorganisation inkl. der neun Wirtschaftskammern der Bundesländer).

„Es geht uns vor allem um Zukunftsthemen“, betont Susanne Kraus-Winkler. „Die WKÖ hat hier eine große Verantwortung. Länderthemen sind eben anders als jene aus Österreich- und Europa-Sicht.“ Und – an die Landessparten sowie Fachgruppen gerichtet: „Wir müssen an einem Strang ziehen. Wir brauchen ein neues Verständnis für das Miteinander.“

Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, im Gespräch mit T.A.I.-Chefredakteur Christopher Norden © Manfred Katzenschlager

Zusammenlegung einzelner Bereiche

„Mich hat gereizt, ob man das alles hinkriegt“, meint Susanne Kraus-Winkler, die mit der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft zwar nur an 4. Stelle der WKÖ gemessen an der Zahl der Mitgliedschaften liegt, aber mit rund 96.000 Betrieben sowie einer direkten und indirekten Wertschöpfung von mehr als 13,3 % des BIP und 576.300 Vollzeitäquivalenten (ebenfalls direkt und indirekt) überaus bedeutend ist.

Die größte Fachverbandsorganisation ist jene der Gastronomie mit 46.282 Mitgliedern, am zweiten Platz folgen die Freizeit- und Sportbetriebe (23.284 Mitglieder; es ist der mit 30 Berufsgruppen von Fremdenführer:innen über Bootsvermieter:innen bis hin zur Kongressorganisation umfangreichste Fachverband). Auf Rang 3 liegen die Hotelbetriebe (19.432 Mitglieder, von Hotels über Gasthöfe mit Beherbergung, Schutzhütten bis hin zu Appartementhäusern). Dahinter rangieren die Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe (2.496 Mitglieder), die Reisebüros (2.301) und die Gesundheitsbetriebe (2.269).

„Wir müssen an einem Strang ziehen. Wir brauchen ein neues Verständnis für das Miteinander.“

Susanne Kraus-Winkler

„Man müsste darüber nachdenken, wie jene Fachverbände, die inhaltlich zusammenpassen, sich optimal abstimmen und aufstellen“, sinniert Susanne Kraus-Winkler, etwa die Camping-Betriebe (sie sind aktuell dem Fachverband Freizeit- und Sportbetriebe zugeordnet) mit der Hotellerie. Wobei dies nicht die einzige Kuriosität ist, wie etwa die Seilbahnen (Bundessparte Verkehr) untrennbar mit dem Tourismus verbunden sind. Susanne Kraus-Winkler bremst diesbezüglich: „Wir arbeiten sehr eng spartenübergreifend zusammen.“

5 für die Zukunft entscheidende Themen

Für den österreichischen Tourismus hat Susanne Kraus-Winkler 5 Themen herausgearbeitet, die sie für die Zukunft als besonders wichtig erachtet:

  1. Betriebliche Ebene: Hier geht es vor allem um die Wertschöpfung, denn die Preise sind bei weitem nicht so stark gestiegen wie die Kosten;
  2. Destinations-Ebene, die vor allem das Thema Infrastruktur aufgreifen müsse. Als Beispiel nannte sie den Weißensee, der Rad- und Wanderwege genau analysiert hat und als ganzheitliches Natur- und Mobilitätskonzept angegangen ist (und nicht bloß als Ausbau einzelner Wege). Dadurch verfügt die Region heute über ein durchgängiges Info-, Lenk- und Leitsystem;
  3. Klimawandel: Er kam schneller als wir gedacht haben. Wir müssen die richtigen Investitionen vorantreiben;
  4. Mobilität: Hier geht es um Flug, Bahn, Bus sowie die autonome Mobilität. Es ist notwendig interaktiv zu agieren;
  5. Image & Bekanntheitsgrad Österreichs: Die Frage, warum Gäste kommen sollen, kann – je ferner sich das Herkunftsland befindet – manchmal nicht klar genug beantwortet werden.

Die „Bandbreite der Aufgaben ist irre breit“, gesteht Susanne Kraus-Winkler ein, doch als „innovativer Mensch bemühe ich mich um die Zukunftsthemen.“ Etwa dem Thema der Lehre, das ihr „sehr am Herzen liegt“. Es gelte, sie auch für Erwachsene aus EU- und nicht-EU-Ländern anzubieten. „Wir können die altmodische und schwerfällige Lehrplan-Entwicklung nicht mehr so durchführen. Wir werden sonst die Lehre nicht erfolgreich erhalten können.“