Umfrage der Woche

Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf Ihr Geschäft aus?

Umfrage der Woche
10.03.2022

Von: Ute Fuith
Die ÖGZ hat Stimmen aus der Branche eingeholt: Signe Reisch, Hotel Rasmushof, Kitzbühel; Norbert Kettner, Wien Tourismus; Michael Trestl, Vorstand Austrian Airlines AG; Peter Krug, Eurogast Österreich.
Signe Reisch, Hotel Rasmushof, Kitzbühel; Norbert Kettner, Wien Tourismus; Michael Trestl, Vorstand Austrian Airlines AG; Peter Krug, Eurogast Österreich.

Signe Reisch, Hotel Rasmushof, Kitzbühel

Signe Reisch,  Hotel Rasmushof, Kitzbühel

Es ist kurzfristig ein Nachteil, da aus Verunsicherung und auch Solidarität viele Leute nicht reisen werden. Langfristig sind die Auswirkungen nicht absehbar. Auf was soll man sich nun als Touristiker einstellen? Wichtig ist die Kommunikation nach außen, etwa dass unser Land klein und überschaubar wie auch neutral ist. Oder dass wir Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet bieten, wie generell dem ukrainischen Volk nach Möglichkeit. Es bleibt für uns alle nur zu hoffen, dass vonseiten Russlands Einsicht einkehrt und dieser unfassbare Krieg so schnell endet, wie er begonnen hat.

Norbert Kettner, Wien Tourismus

Norbert Kettner,  Wien Tourismus

Die Welt blickt besorgt auf Europa. Abgesehen von menschlichem Leid und noch nicht abzuschätzenden geopolitischen Implikationen belastet der Konflikt natürlich auch die Tourismusbranche. Beispiele in der Vergangenheit haben gezeigt, dass Bedrohungsszenarien auf europäischem Boden gerade auf Fernmärkten Unsicherheit schüren. Zuversicht durch bevorstehende Öffnungsschritte und steigende Dynamik bei der Buchungslage werden von der aktuellen Situa­tion überschattet. Wenn uns die vergangenen Jahre aber eines gelehrt haben, dann: Fear is not an option!

Michael Trestl, Vorstand Austrian Airlines AG

Michael Trestl, Vorstand Austrian Airlines AG

Wir sind sehr betroffen von den aktuellen Ereignissen. Als österreichische Heimatfluglinie ist es unsere Mission, Menschen und Länder zu verbinden und Brücken zu bauen. In diesem Sinn sind die Ereignisse in der Ukraine, die viel Leid mit sich bringen, unerträglich. Unsere Gedanken sind bei unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort, wir sind permanent in Verbindung und Austausch. Wir beobachten die Entwicklungen genau. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Sanktionen können wir jetzt noch nicht abschätzen. Das wird sich erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. 

Peter Krug, Eurogast Österreich

Peter Krug, Eurogast Österreich

Die Auswirkungen sind derzeit noch nicht final abschätzbar, es ist noch abzuwarten, welchen Ausgang die Auseinandersetzungen letztendlich haben.

Aus heutiger Sicht ist die Lage in den Sektoren „Energie, Weizen-Korn- und Ölsaat“ sehr angespannt. Die Börsennotierungen zeigen sehr steil nach oben, sollte hier keine Entspannung sichtbar werden, wird dies unweigerlich auch auf viele Endprodukte wie Futtermittel und auf die verarbeitende Lebensmittelindustrie durchschlagen. Die Ukraine ist ebenfalls ein großer Produzent im Bereich Hühnerfleisch und Eiprodukte. Eurogast handelt zwar keine Hühnerprodukte aus der Ukraine, die fehlende Versorgung treibt jedoch auch hier die Preise von heimischen Produkten an.

Viele Unternehmen wenden sich momentan aus der Ukraine bzw. auch aus Russland ab, da der Handel derzeit von der EU unterbunden wird. Genau hier liegen jedoch Europas Kornkammern und es werden auch viele agrarische Grundprodukt dort angebaut. Sollten die Sanktionen der EU anhaltend sein, könnte auch ein Versorgungsengpass eintreten. Der Anbau in den Regionen beginnt in den nächsten 2 Monaten, diese sind entscheidend, ob und wie viel Ware auf den Märkten gehandelt werden kann.

Ob der Krieg auf den heimischen Tourismus Auswirkungen hat, kann man nur am Verlauf der Kriegshandlungen festmachen und wir hoffen alle, dass nach einer für den Tourismus schweren Pandemiephase, der Krieg nicht auf Europa Einfluss nehmen wird.

Als Eurogast sind wir seit jeher auf den heimischen Markt fokussiert. Wir erwarten hier keinerlei gravierende Versorgungsengpässe, jedoch verhandeln wir auf Augenhöhe mit unseren heimischen Bauern und Lebensmittelherstellern. Daher müssen letztendlich die gestiegenen Rohstoffpreise, aber auch Energiepreise, auf die Produkte umgeschlagen werden.

Martin Schaffer, Geschäftsführender Partner mrp hotels:

Martin Schaffer, Geschäftsführender Partner mrp hotels

Die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine sind in Bezug auf den Tourismus derzeit noch schwer einzuschätzen. Was wir schon seit 2019 bemerken ist - zunächst durch die Pandemie und die Impfung mit Sputnik bedingt, die bei uns nicht anerkannt wurde - der Rückgang der Übernachtungen russischer Gäste in Österreich. Während wir 2019 noch 1,2 Mio. Übernachtungen russischer Gäste hatten, waren es 2021 nur mehr knapp 100.000, also ein Rückgang um 92%. Daher wird es wohl nicht mehr zu einem weiteren Rückgang aus Russland kommen.  Doch die Effekte des aktuellen Konflikts sind insgesamt natürlich wesentlich globaler: Die berechtigte globale Sanktionspolitik lässt die Energiepreise weiter in die Höhe schnellen, was nicht nur die Airlines, sondern auch die privaten Haushalte deutlich spüren - somit wird die Liquidität deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig sorgt ein Krieg im Herzen Europas für Angst auf wichtigen Herkunftsmärkten - allen voran den USA. Insgesamt rechnen wir damit, dass sich der gesamte Recovery-Prozess dadurch weiter verzögern wird.