Er kennt die Reisebranche in- und auswendig, startete als „Azubi“ (Auszubildender) beim DER (Deutsches Reisebüro), also bei der DERTOUR Group, und fungiert seit Anfang Juni als CEO von DERTOUR Austria: Mark Tantz. Gemeinsam mit Martin Fast, dem längstdienenden Österreich-Geschäftsführer eines Reiseveranstalters (der einstige Touropa-Austria-Mitarbeiter leitet seit 1998 die Geschicke zunächst von ITS Billa Reisen, seit der Pandemie die gesamte DERTOUR Austria & CEE Gruppe), war er zu einem „Kennenlerntermin“ bei T.A.I. im Österreichischen Wirtschaftsverlag.
Eine Karriere wie aus dem Bilderbuch
Mark Tantz ist „DERTOURianer“ vom Scheitel bis zur Sohle: Außer einem nahezu neunjährigen Abstecher Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre und nochmals 2011 zum Reservierungssystem Amadeus, wo er am Schluss als Geschäftsführer von Amadeus Germany fungierte, unterbrochen von einem rund vier Jahre währenden Gastspiel bei der Otto Freizeit und Touristik (ebenfalls als Geschäftsführer), war der 53-jährige Mark Tantz stets bei DERTOUR. Dort zeichnete er seit Ende 2016 bis zu seiner Beförderung als CEO von DERTOUR Austria als COO (Chief Operating Officer) für den Raum Central Europe für Vertrieb, Vermarktung, IT, Produktion, Flugeinkauf, Kundenservice und Krisenmanagement verantwortlich. Davor fungierte er bei DERTOUR als Geschäftsführer der Business Travel-Tochter des DER.
Kein Wunder also, dass ihn sein Vorgänger in Österreich – Martin Fast geht in einem Jahr in den Ruhestand und ist bis dahin von Salzburg aus für die Osteuropa-Aktivitäten von DERTOUR verantwortlich (sechs eigene Ländergesellschaften in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien) – bestens kennt und ihm rote Rosen streut: „Ich bin froh, dass Mark Tantz mein Nachfolger ist. Wir haben dieselbe Art, vor allem gegenüber Mitarbeiter:innen.“
Gute Aufteilung
Während Martin Fast in den sechs CEE-Ländern für DERTOUR „eher hochpreisige Geschichten“ macht, „weil die Zielgruppe dort deutschsprachige Reiseveranstalter und 5-Sterne-Hotels bevorzugt sowie in der Business Class fliegen will“ (Bulgarien ist übrigens als Land vom Umsatzzuwachs her prozentuell die Nummer 1 bei DERTOUR Austria), freut sich Mark Tantz über die Komplettübernahme der DSR Hotel Holding per August (dies wird u.a. DERTOUR Deluxe weiter beflügeln, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum begeht und bereits ein Luxusprogramm mit acht Katalogen und rund 1.400 buchbaren Produkten – darunter mehr als 100 außergewöhnliche Rund- und Erlebnisreisen weltweit – sowie 12 Reedereien in ihrem Angebot hat, das vom Luxus-Dinner in der Wüste bis zur exklusiven Arktis-Expeditionskreuzfahrt reicht) sowie der insgesamt tollen Performance von DERTOUR Austria: „Wir gehen davon aus, dass wir ein sehr gutes Jahr haben werden. Wir sind guter Dinge.“ Um diese Dinge klarzustellen: 2025 hatte DERTOUR Austria laut Martin Fast „ergebnistechnisch das stärkste Jahr seit Bestehen.“
Die Aussicht auf ein „sehr gutes Jahr“ 2026 überrascht, nicht zuletzt wegen der Kalamitäten, die durch den Iran-Krieg über die gesamte Reisebranche hereingebrochen sind. Bis 28. Februar 2026 war DERTOUR Austria „sehr gut unterwegs, dann gab es weniger Buchungen sowie Stornierungen, doch seit sechs Wochen haben wir ein starkes Buchungsaufkommen“, betont Mark Tantz.
Die Reihenfolge gemessen an den Umsätzen der Top-10 ist laut Martin Fast heuer gegenüber dem Vorjahr unverändert (Griechenland vor den Malediven, der Türkei, Spanien und Ägypten). Wobei die Türkei und vor allem Ägypten überraschen, die aber preislich unschlagbar sind. Auch Zypern, das wie Kreta eine kleine Delle hatte, geht gemäß Martin Fast gut und ist ab Herbst dieses Jahres „extrem gut gebucht“. Dasselbe gilt für die griechische Insel Kreta.
Klassische Pauschalreise
Mark Tantz bringt noch etwas anderes ins Spiel: „Wir wurden als Reiseveranstalter wesentlich flexibler.“ Dies betrifft vor allem die klassische Pauschalreise (sie wurde von Martin Fast Anfang April dieses Jahres auf rund 80 % des Buchungsumsatzes geschätzt). Laut Mark Tantz kann man heutzutage bei Pauschalreisen alle Flüge und dynamische Preise für Hotels etc. buchen. Die Stärken von DERTOUR, die heute 16 Länder Europas betreut, liegen nicht nur in den Pauschalreisen, sondern auch in Individual- und Fernreisen, bei den Kreuzfahrten, Rund-, Städte-, Sport- und Eventreisen. Besonders stark ist DERTOUR aber vor allem bei maßgeschneiderten Reisen, bei denen Flug, Hotel, Mietwagen und weitere Leistungen flexibel kombiniert werden können und die dann zu Pauschalen paketiert werden.
Martin Fast betonte im DERTOUR-Mediengespräch Anfang April noch etwas: Die absoluten Schnäppchenpreise für den Indischen Ozean. Sie befanden sich am „Bottom-Level“ (z.B. 1.900 Euro für ein 4-Sterne-Hotel auf den Malediven, das üblicherweise nicht unter 3.500 Euro zu haben ist). Martin Fast damals: „Buchen Sie jetzt Ihre Malediven-Reisen für den Herbst.“ Er selbst ging Ende April mit gutem Beispiel voran, wobei die Preise damals bereits „ein bisschen über jenen von Anfang April“ lagen. Als das Abkommen Ende Juni zwischen den USA und dem Iran kam, kletterten die Preise weiter nach oben, doch in den zurückliegenden drei Wochen tendierten sie wieder nach unten. Mark Tantz: „Wenn wieder Ruhe ist, geht es hoch.“
Dies betrifft in weiterer Folge auch die Drehkreuz-Verbindungen über Dubai (Emirates fliegt seit August wieder zweimal täglich nach Wien, einmal mit dem A380, einmal mit der Boeing 777-300ER) sowie über Abu Dhabi und Doha.
Österreich und Deutschland weitestgehend im Gleichklang
Gibt es Unterschiede im Buchungsverhalten zwischen Österreich und Deutschland, wollte T.A.I. erfahren. „Nein“, meint Mark Tantz, „in Österreich war die Delle etwas größer, weil hier das Kerosin-Thema medial stark gespielt wurde, aber sonst ist es das Gleiche.“
Man braucht sich also keine Sorgen um die Zukunft von DERTOUR Austria machen. Mit Mark Tantz befindet sich ein neuer CEO am Ruder, der nicht nur auf eine langfristige Übergabe bestens vorbereitet ist und wird (Martin Fast geht ja erst mit August kommenden Jahres in Pension), sondern auch Österreichs Bundeshauptstadt (wo er Montag bis Donnerstag arbeitet, am Freitag von Frankfurt aus, wo seine Familie – noch – zu Hause ist) überaus schätzt: „Ich bin nicht hier, um ein halbes Jahr zu bleiben. Ich finde es extrem schön in Wien.“