Sie hatte vor rund vier Jahren als erste Frau die Spitze der Tirol Werbung übernommen, hat dabei ein erfolgreiches Comeback nach der Pandemie mitgestaltet, den organisatorischen Umbau in die Wege geleitet und steht nicht für eine weitere Periode zur Verfügung: Karin Seiler (54). Nach einer geordneten Übergabe an den oder die künftige Geschäftsführer:in „freue ich mich auf einen neuen Abschnitt in der Privatwirtschaft“, betont Karin Seiler, die noch bis Mai 2027 vertraglich gebunden ist.
Nach 16 Jahren in der Privatwirtschaft (u.a. bei Schwarzkopf und Henkel Österreich) und weiteren 16 Jahren in touristischen Körperschaften und Institutionen (u.a. Geschäftsführerin des TVB Pitztal, Marketingleiterin der Tirol Werbung sowie Chefin des Innsbruck Tourismus) strebt Karin Seiler also erneut „unternehmerische Gestaltungsspielräume“ an. Dabei will sie ihre langjährige Ausbildung als NLP-Trainerin und Business Coach gezielt einsetzen.

Die Ausschreibung für die Geschäftsführung der Tirol Werbung erfolgte Mitte April dieses Jahres. Ende Juni gab Karin Seiler dann ihre Entscheidung bekannt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Zuvor hatte noch der Verband der Tiroler Tourismusverbände (VTT) – alle 34 TVBs des Landes sind dort als Mitglieder vertreten – laut „top tirol“ (eine 100-prozentige Tochter der Moser Holding, die mit der „Tiroler Tageszeitung“ sowie dem „Radio U1 Tirol“ das größte Medienunternehmen Tirols darstellt) „im Vorbeigehen eine Handgranate ins Büro der Tirol Werbung und ein paar Knallfrösche ins benachbarte Landhaus“ geworfen. Der Vorwurf: Die Tirol Werbung beschäftige sich lieber mit sich selbst, anstatt sich um die Marktpräsenz zu kümmern, und die Probleme (des Tourismus) würden in Innsbruck nicht mal ignoriert.
Ob dies zutreffend ist, scheint fraglich. Denn immerhin konnte die Tirol Werbung das Nächtigungsvolumen im Vorjahr auf über 50 Mio. anheben und damit einen neuen Rekord erzielen. Die Zahl der Ankünfte kletterte auf den Bestwert von 12,88 Mio. Damit sei „der Tiroler Tourismus nicht nur eines der wesentlichen wirtschaftlichen Zugpferde in Österreich und ein wichtiges Standbein für das Land Tirol“, sondern auch das „mit Abstand Tourismusland Nr. 1 in Österreich“, wie Tirols Landeshauptmann Anton Mattle nach Karin Seilers Ankündigung, nicht mehr kandidieren zu wollen, betonte.
Wobei das Ankunfts- und Nächtigungsvolumen der Landeshauptstadt Innsbruck, – die Karin Seiler von Ende 2015 bis zu ihrem Amtsantritt bei der Tirol Werbung leitete –, bei weitem nicht so ins Gewicht fällt wie in anderen Bundesländern: Es belief sich zuletzt auf ca. 8 % bei den Ankünften (Bundesschnitt rund 12 %) sowie 4 % bei den Übernachtungen (Bundesschnitt 7 %). Wien wird dabei in Relation zu den gesamtösterreichischen Nächtigungen gestellt. In diesen Werten sind bundesweit auch Landeshauptstädte wie Eisenstadt oder St. Pölten enthalten, die diese Werte kräftig nach unten drücken (ohne diese beiden Städte wären es 14 % und 8 %).

Wer künftig die Tirol Werbung leiten wird, steht noch nicht fest und es existiert auch keine offizielle Kandidatenliste. Die Entscheidung soll aber relativ zeitnah fallen. Besonders häufig genannte Personen sind Barbara Plattner – sie führt als Nachfolgerin von Karin Seiler den TVB Innsbruck –, die Kitzbühel-Tourismus-Chefin Viktoria Veider-Walser sowie Oliver Schwarz, langjähriger Geschäftsführer des Ötztal Tourismus. Wobei auch externe Kandidat:innen berücksichtigt werden könnten.
Heuer stiegen im bisherigen Sommer (Mai und Juni 2026) die Übernachtungen auf 5,33 Mio. (+0,5 %), womit Tirol in der Mitte lag (Österreich gesamt +1,5 %). Das bisherige Kalenderjahr brachte keine Zugewinne (+0,0 %), bundesweit gab es nur ein Plus von +1,0 %. Wobei die Hochsommermonate (sie stehen heuer noch aus) im letzten Sommer die Wertschöpfung Tirol nach einer Berechnung des MCI Tourismus auf 2,6 Mrd. Euro brachten (unter Berücksichtigung der Inflation bedeutete dies ein Wachstum von 2,0 %).
Wirtschaftlich steht Tirol im Tourismus jedenfalls einzigartig da. Im Jahr 2023 (letzte Zahlen laut Statistik Austria) bewegten sich die direkten und indirekten Beiträge des Tourismus zur Wirtschaftsleistung der einzelnen Bundesländer zwischen 2,8 % in OÖ und 16,5 % in Tirol, der Anteil des Tourismus an der regionalen Gesamtbeschäftigung variierte zwischen 3,5 % in OÖ und 17,3 % in Tirol.