Die IATA (International Air Transport Association) erhält ihre erste Generaldirektorin: Saadia Zahidi (46). Sie ist Nachfolgerin von Willie Walsh (64), der dieses Amt seit April 2021 innehatte. Der frühere CEO von Aer Lingus und spätere Chef von British Airways sowie ab 2011 CEO der International Airlines Group (IAG), der Muttergesellschaft von BA, Iberia, Vueling und Aer Lingus, schied bereits Ende Juli aus der IATA aus, um in den Ruhestand zu treten (Walsh wird Ende Oktober 65). Mit Saadia Zahidi, der amtierenden Geschäftsführerin des WEF (World Economic Forum), bricht der Airline-Dachverband mit seinen Traditionen: Bislang kam der Generaldirektor stets aus den Chefetagen der Airlines.
Lange schien die Nachfolge von Willie Walsh damit vorgezeichnet. Seit Monaten kursierten Namen von Airline-Chefs als künftige IATA-Generaldirektoren, wie Pieter Elbers (CEO von Indigo, davor lange Jahre bei KLM, deren Chef er ab Oktober 2014 wurde) oder Campbell Wilson, dem jetzigen Air India-Chef mit langjähriger Erfahrung bei Singapore Airlines. Doch hinter den Kulissen wurde bei der IATA zuletzt intensiv diskutiert, ob das noch der richtige Ansatz ist.
Saadia Zahidi wurde 1980 in Pakistan geboren, stieg direkt nach dem Studium (Smith College, USA) in das WEF ein und hat dort ihre gesamte Laufbahn verbracht. Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin und Mitglied des „Managing Boards“. Beim WEF gründete sie das „Center for the New Economy and Society“ und ist Mitautorin der Berichte „Future of Jobs“, „Future of Growth“, „Global Gender Gap“ und „Chief Economist Outlook“. Seit Jahren beschäftigt sich Saadia Zahidi schwerpunktmäßig mit den wirtschaftlichen Folgen von Digitalisierung, Automatisierung und geopolitischen Veränderungen. Es sind exakt die Themen, die auch in der Airline-Branche stärker vorrangig wurden, was ihr bei der Wahl als Nachfolgerin von Willie Walsh hoch angerechnet wurde.
So wie es aussieht, wird Saadia Zahidi erst mit November an die Spitze der im April 1945 gegründeten Luftfahrtorganisation wechseln. Bis dahin wird die CFO (Chief Financial Officer) der IATA, Sandrine Le Borgne, übergangsweise als Interims-Generaldirektorin agieren. Die IATA vertritt rund 350 Fluggesellschaften, die zusammen etwa 80 bis 85 % des weltweiten Linienflugverkehrs ausmachen.