Mehr als 250 Gäste aus Wirtschaft, Luftfahrt, Industrie, Politik, Verwaltung und Forschung nahmen Ende September im Office Park 4 am Flughafen Wien daran teil. Nach der Eröffnungsrede von AIA-Geschäftsführer Peter Malanik – derzeit sind direkt bzw. indirekt rund 100 Mitgliedsunternehmen in der AIA vertreten – kam Verkehrsminister Peter Hanke zu Wort. Er gab dabei ein positives Statement zum Luftfahrt-Standort Österreich ab und versprach, sich für die Abschaffung – oder wenigstens für die Halbierung – der ungeliebten und wettbewerbsverzerrenden Luftverkehrsabgabe einzusetzen. Dies u. a. deshalb, „um nicht noch mehr Airlines an Nachbarländer zu verlieren, die keine Luftverkehrssteuern aufzuweisen haben.“ Seit sich Ryanair und Wizz Air vermehrt am Flughafen Bratislava engagieren, stiegen dort die Passagierzahlen um mehr als 170 %, während in Wien (und den meisten anderen Airports Österreichs) die Passagierzahlen sukzessive zurückgehen.
Im August 2026 etwa konnte Bratislava erstmals mehr als 625.000 Passagiere abfertigen, fast doppelt so viele wie noch im August des Vorjahres. Im Gesamtjahr 2026 erwartet der BTS-Airport mehr als 4 Mio. Fluggäste, ein Rekordwert für den slowakischen Hauptstadtflughafen. Hingegen werden am Flughafen Wien rund 2 Mio. Passagiere weniger erwartet als im Rekordjahr 2025.
Geopolitische Krisen
Nicht nur die Abwanderung der Low-Cost-Carrier aus Wien, sondern auch geopolitische Krisen, wie die Kriege in der Ukraine und dem Iran, Spannungen im Nahen Osten usw. treffen den Luftfahrt-Standort Österreich hart. „Supply Chains“ sind unter Druck, was zu Engpässen bei Flugzeugteilen, Verzögerungen bei Produktionszeiten und steigenden Kosten geführt hat. Die Kerosinversorgung ist wegen des Iran-Krieges kritisch, der Treibstoffpreis erreicht neue Höhen, gesperrte Lufträume erzeugen Nadelöhre auf dem Flug nach Asien und die Inflation ist im Steigen begriffen.
Höhere Flugpreise in Europa bewirken zudem eine sinkende Nachfrage und damit auch sinkende Kapazitäten. Der Standortwettbewerb innerhalb Europas gewinnt deutlich an Dynamik und nicht alle werden die Krise überstehen. Speaker – sie reichten vom Flughafen Wien über Austro- und Eurocontrol, IATA (International Air Transport Association), Easyjet oder Austrian Airlines, bis hin zu Airbus, FACC und Schiebel – zeigten in ihren Vorträgen auf, wie eng die Herausforderungen mittlerweile zusammenhängen.
Österreich ist hier aber – so der Grundtenor – ganz stark aufgestellt. Denn die leistungsfähige Flugsicherung, die Top-Konnektivität und hoch spezialisierte Industrie- und Technologieunternehmen können mit fairen und wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen voll punkten.
Starken Standort weiter stärken
Doch die Herausforderungen werden nicht kleiner. Die sechs österreichischen Verkehrsflughäfen lagen in der Passagierstatistik im ersten Halbjahr 2026 rund 2,6 % unter dem Vorjahresergebnis (allein in Wien gab es einen Rückgang von Jänner bis August um rund 4 %, im August waren es sogar fast 7 %). Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger betonte, dass die Flugabgabe ein entscheidendes Hindernis und eine große Belastung sei.
Generalmajor Gerfried Promberger, „Airchief“ der österreichischen Luftstreitkräfte, lobte in seiner Ansprache die „hervorragende Zusammenarbeit zwischen militärischer und ziviler Flugsicherung“ und stellte fest, dass der Schutz der kritischen Infrastruktur (Stichwort: Drohnenangriffe) immer wichtiger werde. Damit nicht genug, wurde Ende September ein Pilotprojekt betreffend die Zusammenarbeit von Bundesheer und Austrian Airlines vorgestellt. Die Planung sieht einen Teileinsatz von Piloten des Heeres vor. Jeweils halbjährlich wechseln die Piloten vom militärischen in den zivilen Sektor.
Zehn strategische Impulse
Mit den 10 gesetzten Impulsen wird aufgezeigt, wo aus Sicht der österreichischen Luftfahrt die „Luftfahrtstrategie 2040+“ ansetzt, betonte AIA-Chef Peter Malanik in seinem Schluss-Statement. Im Zentrum stehen dabei Wettbewerbsfähigkeit und internationale Anbindung ebenso wie Versorgungssicherheit, industrielle Kooperation, Forschung und Innovation. Als Punkt 3 wird etwa gefordert, die „Konnektivität & Hub Wien als kritische Infrastruktur (zu) erhalten“, in Punkt 10 geht es darum, „Innovationen in der ‚Passenger Journey‘ (zu) fördern und regulatorisch (zu) ermöglichen“.
