Greenwashing wird teuer
Ab dem 27. September 2026 gelten neue EU-Vorgaben: Nur noch streng geprüfte Nachhaltigkeitslabels sind erlaubt. Wer weiterhin auf nicht zertifizierte Gütesiegel setzt, riskiert Greenwashing-Vorwürfe, warnt Ines Wech von verditas. Mit Podcastfolge!
Der Markt ist überflutet mit grünen Gütesiegeln. Viele Unternehmen setzen sie prominent ein, auf Websites, Flyern oder an der Eingangstür. Doch was bislang als gutes Marketing galt, wird bald zum rechtlichen Risiko. Denn ab Herbst 2026 dürfen ESG-Labels nur noch dann verwendet werden, wenn sie auf drittgeprüften Daten beruhen und einer zertifizierten Methode folgen. Alles andere gilt als Greenwashing und kann laut Ines Wech, Managing Partner bei verditas, „nicht nur Abmahnungen, sondern auch empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen“.
Die wenigsten Unternehmen sind auf diesen Umbruch vorbereitet, selbst große Konzerne mit eigenen Nachhaltigkeitsabteilungen nicht. „Ich spreche mit Finanzvorständen, die davon noch nie gehört haben“, sagt Wech. Die bevorstehenden Regelungen seien komplex, aber eindeutig: Wer Aussagen wie „CO₂-neutral“ oder „nachhaltig“ verwende, müsse diese Angaben spezifisch belegen können, was nach den derzeitigen regulatorischen Anforderungen kaum möglich ist.
Teures Unwissen
Was auf dem Papier nach Detailvorgaben klingt, hat weitreichende Folgen. Besonders die Hotellerie und Gastronomie könnten gezwungen sein, Werbematerialien aufwendig neu zu gestalten. „Wenn heute Broschüren mit regulatorisch unerlaubten Labels gedruckt werden, sind sie ab September 2026 unbrauchbar“, warnt Wech.
Ein weiterer Punkt: Unternehmen müssen zunehmend ESG-Daten an große Partnerbetriebe liefern – etwa in der Lieferkette. Wer das nicht kann, verliert Aufträge. „Die Awareness fehlt noch komplett – nicht nur im Bereich von Labels, sondern auch in Bezug auf ESG-Ratings“, so Wech. „Selbst in Konzernen weiß oft niemand, dass es eine ESG-Rating-Regulatorik (in Kraft ab Juli 2026) geben wird, die auch die Vergleichbarkeit zwischen Ratings vorschreibt sowie klar festlegt wer ESG Ratings erstellen darf.“

verditas will diese Lücke schließen. Das ESG-Label basiert auf extern geprüften Nachhaltigkeitsberichten oder Kennzahlen eines ESG-Rating-Anbieters. Je nach Datenlage kann das Label innerhalb von zwei Wochen vergeben werden – samt Report, der alle regulatorisch geforderten Informationen enthält. „Wir bieten eine Labeleinstufung von Weiß, über Bronze-, Silber- und Gold bis hin zu Grün an. Damit kann ein Unternehmen seine bereits bestehenden Nachhaltigkeitspraktiken klar positionieren, auch gegenüber Banken“, so Wech. Denn: ESG wirkt sich längst auch auf Kreditkonditionen aus.
Hotels profitieren besonders, da sie ihre ESG-Leistung branchenübergreifend einordnen können. Verditas vergleicht Kennzahlen auch mit Industrieunternehmen, was einen strategischen Blick auf Verbesserungsmöglichkeiten erlaubt.
Wer noch kein ESG-Label besitzt, sollte spätestens jetzt aktiv werden. Auch Betriebe ohne eigene Nachhaltigkeitsabteilung können mit Hilfe eines ESG-Ratings valide Daten generieren. „Ein Hoteldirektor muss dafür kein Nachhaltigkeitsexperte sein“, sagt Wech. Die Systeme liefern geprüfte Kennzahlen, ausreichend, um ein konformes Label zu erhalten.
Zur Person
Ines Wech ist Managing Partner bei verditas, Anbieter von ESG-Zertifizierungen mit Sitz in Österreich. Die Betriebswirtin und ausgebildete Hotelfachfrau war viele Jahre im Marketing und Nachhaltigkeitsbereich tätig, bevor sie Anfang 2025 verditas gründete. Das Label wurde gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern entwickelt, durch Universitätsprofessor Romuald Bertl gutachterlich überprüft und basiert auf streng geprüften ESG-Daten. Wech berät Unternehmen branchenübergreifend zu ESG-Strategien, regulatorischer Konformität und nachhaltiger Markenpositionierung. www.verditas.eu




