Es gibt viele Möglichkeiten, eine Halloweenparty besonders gruselig zu gestalten. Man kann Kürbisse aufstellen, Kunstblut verteilen oder Menschen in Skelettkostüme stecken. In einem Wiener Nachtlokal entschied man sich offenbar für eine ambitioniertere Variante: Notausgänge, die mit Baumaterialien und Maschinen verstellt waren. Dazu eine Fluchtwegbeleuchtung, die in die Irre führte. Rund 200 Gäste befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Betrieb. Die Stadt Wien zeigte sich von dieser Interpretation des Veranstaltungskonzepts wenig begeistert. Die Betreiberin wurde aufgefordert, das Lokal zu räumen. Sie kam der Aufforderung nach.
Es war der spektakulärste Fund einer Halloween-Schwerpunktaktion, bei der die städtische Gruppe Sofortmaßnahmen gemeinsam mit Arbeitsmarktservice, Veranstaltungsbehörde und Marktamt am Freitag und Samstag insgesamt 16 Betriebe überprüfte. Bei acht mussten wegen Gefahr im Verzug unmittelbar Maßnahmen gesetzt werden.
Dekorieren bis die Fluchtwege verschwinden
Die Liste der festgestellten Mängel liest sich wie eine Gebrauchsanweisung dafür, was man in einem Nachtlokal besser unterlässt: brennbare Dekoration, versperrte oder verstellte Notausgänge, fehlende Feuerlöscher und defekte Notausgangsleuchten. Offenbar ist es mancherorts leichter, ein aufwendiges Halloween-Motto zu entwickeln, als den Weg ins Freie freizuhalten.
Auch akustisch wurde den Gästen einiges zugemutet. In vier Betrieben stellten die Kontrolleure deutlich überhöhte Musiklautstärken fest und erstatteten Anzeigen. Teilweise waren die Grenzwerte laut Stadt derart überschritten, dass eine akute Gesundheitsgefährdung bestand. Ein Abend, der also nicht bloß in Erinnerung bleiben sollte, sondern unter Umständen auch im Gehörgang. Dazu kamen 15 weitere Anzeigen des Magistrats, unter anderem wegen Verstößen gegen die Gewerbeordnung, den Jugendschutz und das Maß- und Eichgesetz. Das AMS erstattete acht Anzeigen wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit.
Diesmal geht es tatsächlich um Sicherheit
Vor zwei Wochen beschäftigte sich die Wiener Gruppe Sofortmaßnahmen unter anderem mit einem nicht genehmigten Holzkohlengrill. Auch damals wurde die Öffentlichkeit ausführlich über das behördliche Einschreiten informiert. Die neuerliche Kontrollaktion liefert nun allerdings eine andere Dimension der Gefahrenlage. Wer Feuerlöscher vermissen lässt oder Fluchtwege zustellt, riskiert die Sicherheit seiner Gäste. Da endet der Spaß an der behördlichen Überregulierung, über die Gastronomen ansonsten mit einigem Recht klagen.
Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen, erinnert daran, dass Halloween nicht auf Kosten der Sicherheit gehen dürfe. Dagegen lässt sich schwer etwas einwenden. Die Frage ist eher, wie es sein kann, dass bei acht der 16 überprüften Betriebe unmittelbares Einschreiten notwendig war. Die Zahlen beschreiben freilich nur diese Schwerpunktaktion und erlauben keinen Rückschluss auf sämtliche Wiener Nachtlokale. Sie werfen dennoch Fragen nach den Sicherheitsvorkehrungen in den betroffenen Betrieben auf.
