2026 war bzw. ist ein Sommer der Rekorde. Österreich erlebte heuer den heißesten meteorologischen Sommer seit Beginn der Messungen. Die Temperaturen lagen laut GeoSphere Austria im Schnitt 2,6 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Unterhalb von 500 Metern Seehöhe wurden österreichweit durchschnittlich 42 Hitzetage gezählt, das sind 170 Prozent mehr als üblich. Selbst zwischen 500 und 1.000 Metern waren es 27.

Für die Tourismuswirtschaft ist Hitze allerdings nicht überall ein Problem. Was einen Stadtspaziergang bei 35 Grad mühsam macht, kann wenige hundert Höhenmeter weiter oben zum Verkaufsargument werden. Die „Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen“ bekommen das in diesem Jahr unmittelbar zu spüren. In einer Blitzumfrage unter 39 Vertreterinnen und Vertretern ihrer 84 Mitgliedsbetriebe berichten 87 Prozent von höheren Gästezahlen als im Vorjahr. Rückgänge meldete keiner der Befragten. 71 Prozent schreiben den hohen Temperaturen einen eher oder deutlich positiven Einfluss auf die Nachfrage zu.

Werbung
Smash it! Der Smash Burger bekommt Verstärkung
Mehr Patty, gleicher Smash-Effekt: Den Smash Burger gibt es neben 80 g jetzt auch mit 100 g. Für knusprige Kruste, Röstaromen und noch mehr Spielraum auf der Karte.

Das ist eine Branchenumfrage und kein Beweis dafür, dass die Hitze für das gesamte Plus verantwortlich ist. Der Zusammenhang liegt in diesem Sommer trotzdem nahe. „Der Berg wird zur Sommerfrische vor der Haustür“, sagt Kornel Grundner, Sprecher der Sommer-Bergbahnen. Der Satz beschreibt ziemlich genau eine Entwicklung, für die die Branche inzwischen einen neuen Namen gefunden hat: Coolcation.

Sommerfrische 2.0

Die Idee dahinter: Statt im Hochsommer noch mehr Sonne zu suchen, reisen Urlauber dorthin, wo es kühler ist. Das Prinzip gab es lange vor dem englischen Begriff. Die österreichische Sommerfrische lebte davon, dass Städter die heißen Monate am See, im Wald oder in den Bergen verbrachten. Mit steigenden Temperaturen bekommt dieses alte Reisemotiv eine neue wirtschaftliche Bedeutung. Auch die Österreich Werbung hat Coolcation inzwischen als eigenes Urlaubsthema entdeckt. Beworben werden Bergseen, Wälder, Gletscher und insbesondere Alpenregionen oberhalb von 1.000 Metern.

Eine Studie mit 877 Wienerinnen und Wienern untersuchte bereits vor einigen Jahren, ob Hitzewellen die Bereitschaft erhöhen, im Sommer nahe gelegene Alpenregionen zu besuchen. Das Ergebnis: Wer Hitze stärker als Belastung erlebt hatte, zeigte auch eine höhere Bereitschaft, für einen Ausflug oder Aufenthalt in die Berge auszuweichen. Der Sommer 2026 liefert dafür nun reichlich Anschauungsmaterial.

Die Hitze trifft auf einen Markt, der bereits groß ist. Laut einer aktuellen Potenzialstudie der Österreich Werbung und des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung NIT planten rund ein Viertel der Sommer-Reisenden in acht untersuchten europäischen Märkten 2026 einen Berg-, Wander- oder Mountainbike-Urlaub. Das entspricht 41,2 Millionen Menschen und um 1,2 Millionen mehr als im Vorjahr.

Österreich liegt bei diesen potenziellen Bergurlaubern als Reiseziel hinter Italien auf Platz zwei. Jeder dritte Befragte mit konkretem Interesse an Bergurlaub hat Österreich fest oder ziemlich sicher eingeplant. Das macht den Temperaturvorteil wirtschaftlich interessant. Sommerdestinationen in höheren Lagen müssen Gästen nicht erst erklären, warum sie in die Berge kommen sollen. Wandern, Radfahren, Natur und Familienangebote sind längst etabliert. Neu hinzu kommt ein Argument, das sich kaum inszenieren lässt und trotzdem immer wertvoller wird: Es ist oben kühler. Für Bergbahnen eröffnet das neue Möglichkeiten. Sie verkaufen im Sommer längst nicht mehr nur den Transport zum Ausgangspunkt einer Wanderung. Erlebnisberge, Spielplätze, Themenwege, Gastronomie und Veranstaltungen sollen aus der Liftfahrt einen Tagesausflug machen. Bei großer Hitze kommt die Abkühlung als weiteres Motiv dazu.

Die österreichischen Tourismuszahlen zeigen jedenfalls einen starken Sommer. Von Mai bis Juli wurden mehr als 41 Millionen Nächtigungen gezählt. Statistik Austria meldete zur Halbzeit der Sommersaison ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Die endgültigen Juli-Daten wurden Anfang September veröffentlicht. Wie viel davon tatsächlich auf Coolcation zurückzuführen ist, lässt sich aus der Nächtigungsstatistik allerdings nicht herauslesen. Dazu fehlen Daten über Reisemotive und Höhenlagen. Auch schönes Wetter, Ferienkalender, Herkunftsmärkte, Preise und das jeweilige Angebot beeinflussen die Nachfrage.