Die große Insolvenzwelle beschleunigt sich österreichweit derzeit zwar nicht weiter. Entwarnung ist das allerdings nicht, schon gar nicht für Tourismusbetriebe. Nach der aktuellen Hochrechnung des KSV1870 mussten in Österreich von Jänner bis September 5.139 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Plus von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und durchschnittlich 19 Firmenpleiten pro Tag.
Deutlich schlechter entwickelt sich der Bereich Beherbergung und Gastronomie. Mit 649 Insolvenzen liegt die Branche nach Handel und Bau an dritter Stelle der Statistik. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 bedeutet das allerdings einen Anstieg um 9,8 Prozent. Die vorläufigen Passiva der Branche belaufen sich auf rund 200 Millionen Euro. Bemerkenswert ist dabei, dass in Gastronomie und Beherbergung die eröffneten Verfahren laut KSV1870 um elf Prozent gestiegen sind, die abgewiesenen Fälle um acht Prozent. Damit verschärft sich die Entwicklung auf breiter Front.
Wo die Firmenpleiten am stärksten zuschlagen
Österreichweit stagniert die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nahezu. In Beherbergung und Gastronomie steigt sie dagegen deutlich.
Als Ursachen nennt der KSV1870 vor allem hohe Betriebskosten und den anhaltenden Personalmangel. Beides greift unmittelbar in das operative Geschäft ein. Betriebe verkürzen Öffnungszeiten, können die vorhandene Nachfrage damit aber auch weniger gut in Umsatz verwandeln. Gleichzeitig sind Eigenkapital und finanzielle Reserven vieler Unternehmen nach Jahren hoher Belastungen geschrumpft. „Die Situation in der Gastronomie hat sich auch in den vergangenen Monaten nicht beruhigt“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Gerade für die Branche ist das eine Herausforderung, denn steigende Kosten verlangen höhere Erlöse, gleichzeitig begrenzen Personalmangel und reduzierte Öffnungszeiten die Möglichkeiten, diese Erlöse überhaupt zu erwirtschaften. Sinkende Reserven lassen entsprechend weniger Spielraum für schwache Monate, notwendige Investitionen oder unerwartete Kosten.
43 Prozent der Insolvenzen werden gar nicht eröffnet
Von 5.139 Unternehmensinsolvenzen konnten 2.204 Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet werden. Das ist fast jeder zweite Fall.
mangels kostendeckenden Vermögens
2.935 Fälle
2.204 Fälle
Auch gesamtwirtschaftlich zeigt die Statistik eine Entwicklung, die für Unternehmer und Lieferanten relevant ist. Von den 5.139 Firmeninsolvenzen wurden 2.204 Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet. Das sind bereits rund 43 Prozent aller Fälle und 12,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der tatsächlich eröffneten Verfahren um 7,2 Prozent. Der KSV1870 sieht darin ein Warnsignal. Wird eine Insolvenz sehr spät angemeldet und ist kaum noch Vermögen vorhanden, steigen auch die Risiken für Gläubiger. Lieferanten, Vermieter und andere Geschäftspartner können damit indirekt von der wirtschaftlichen Schieflage eines Betriebs getroffen werden.
Für das Gesamtjahr rechnet der KSV1870 mit rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen, was ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Ein Rückgang ist vorerst nicht in Sicht.
