Die Salzburger Tourismusgesellschaft hat einen neuen Geschäftsführer und damit die Hoffnung auf etwas, das in den vergangenen Jahren offenbar nicht zu ihren größten Stärken zählte: Kontinuität. Seit 2. November leitet Gregor Matjan die Tourismus Salzburg GmbH (TSG). Der bisherige Tourismusdirektor des bayerischen Ruhpolding übernimmt eine Organisation, die zuletzt häufiger in den Schlagzeilen stand.
Der Führungswechsel kommt nach einigermaßen turbulenten Monaten. Wie die Salzburger Krone berichtet, sorgten unter anderem hohe Kosten für externe Berater und der vorzeitige Abgang von Geschäftsführerin Beate Kassner für Kritik. Bereits Ende Jänner musste Kassner ihren Posten räumen, anschließend übernahm Heidi Strobl interimistisch die Führung. Matjan ist damit der dritte reguläre Geschäftsführer innerhalb weniger Jahre. Die Stadt hatte seine Bestellung bereits im Juli beschlossen, der Vertrag ist auf fünf Jahre ausgelegt.
Von Ruhpolding nach Salzburg
Der promovierte Politikwissenschaftler bringt Erfahrung aus dem Destinationsmanagement und dem Betrieb touristischer Freizeiteinrichtungen mit. In Ruhpolding verantwortete er als Vorstand des örtlichen Tourismus-Kommunalunternehmens neben dem Tourismusmarketing auch Veranstaltungen und den Freizeitkomplex Vita Alpina. Zuvor war er unter anderem bei der SalzburgerLand Tourismus GmbH tätig und arbeitete als Unternehmensberater sowie als Lektor für datenorientiertes Destinationsmanagement.
In Salzburg fallen drei zentrale Bereiche in seine Verantwortung: das internationale Tourismusmarketing der Stadt, der Salzburg Congress sowie das Paracelsus Bad & Kurhaus. Die TSG steht vollständig im Eigentum der Stadt Salzburg. Nach Unternehmensangaben fanden im vergangenen Jahr rund 90 Veranstaltungen im Salzburg Congress statt, während die Stadt insgesamt etwa 3,1 Millionen Nächtigungen verzeichnete. Matjan kündigt an, wieder Ruhe und Kontinuität in das Unternehmen bringen und gleichzeitig die Projekte der „Vision Salzburg 2040“ umsetzen zu wollen. Dazu gehört eine touristische Neuorientierung, die er bereits im Sommer skizziert hatte: Salzburg soll stärker auf Gäste setzen, die länger bleiben und mehr Wertschöpfung bringen, statt die Besucherzahlen weiter zu maximieren.
Hoteliers erwarten mehr Qualität
In der Salzburger Hotellerie stößt diese Ausrichtung grundsätzlich auf Zustimmung. Georg Imlauer, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg, hatte sich bereits im Juli gegenüber dem ORF positiv über Matjans Pläne geäußert, gleichzeitig aber konkrete Maßnahmen eingefordert. Zu den diskutierten Themen gehören eine bessere Lenkung der Besucherströme und der Umgang mit großen Reisebusgruppen, die die historische Innenstadt besonders stark beanspruchen.
Für die Beherbergungsbetriebe stellt sich vor allem die Frage, wie aus der touristischen Strategie mehr Nachfrage nach längeren Aufenthalten entsteht. Eine stärkere Positionierung als noch hochwertigere Städtedestination könnte dabei ebenso eine Rolle spielen wie der Ausbau des Kongressgeschäfts. Der Salzburg Congress ist schließlich nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch ein wichtiger Nachfragebringer für Hotels und Gastronomie.
Die organisatorische Grundlage für diese Vorhaben muss Matjan nun in einem Unternehmen schaffen, das zuletzt erheblich mit sich selbst beschäftigt war. Sein erklärtes Ziel ist es, die Mitarbeiter wieder stärker einzubinden und die langfristigen Projekte gemeinsam mit dem Team voranzutreiben. Seine ersten Monate werden damit vor allem von zwei Aufgaben geprägt sein: dem Neuaufbau interner Stabilität und der konkreten Umsetzung der Salzburger Tourismusstrategie.
