Wer kalkuliert, tut gut daran, die Inflationsdaten nicht nur als volkswirtschaftliche Kennzahl abzuhaken. Im April lagen die Verbraucherpreise in Österreich laut Schnellschätzung der Statistik Austria um 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 3,2 Prozent im März. „Die geopolitische Lage beeinflusst die Teuerung weiterhin merklich“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Was abstrakt klingt, hat für Hoteliers, Gastronomen und Reiseveranstalter aber sehr konkrete Folgen.
Der Haupttreiber ist bekannt: Energie. Treibstoffpreise und Heizölkosten heben das gesamte Preisniveau und wirken sich über Transportkosten auf nahezu jeden Posten der unternehmerischen Kalkulation aus. „Treibstoff ist über die Transportkosten überall enthalten“, bringt es Wifo-Ökonom Josef Baumgartner im Standard auf den Punkt.
Kerosinzuschläge landen beim Gast
Besonders spürbar ist der Druck schon jetzt im Reisesegment. Wer in den vergangenen Wochen Last-minute-Buchungen angenommen oder vergeben hat, weiß, wovon die Rede ist: Die gestiegenen Treibstoffkosten und Kerosinzuschläge schlagen sich unmittelbar in den Pauschalreisepreisen nieder. „Wenn jemand kurzfristig bucht, dann sind schon die hohen Treibstoffpreise und Kerosinzuschläge im Preis enthalten“, erklärt Baumgartner. Im März verteuerten sich Pauschalreisen bereits um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Für Reiseveranstalter und Incoming-Betriebe bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Einerseits steigen die eigenen Beschaffungskosten, andererseits reagieren Gäste preissensibel. Die Marge schrumpft von beiden Seiten. Auch die Gastronomie bleibt unter Druck. Im März stiegen die Preise in diesem Segment um mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und trugen damit mehr als einen halben Prozentpunkt zur Gesamtinflation bei. Einkaufspreise und Lohnkosten sprengen mittlerweile die klassischen Kalkulationsrahmen.
Die zweite Welle kommt noch
Was die Tourismuswirtschaft jedoch besonders im Blick behalten sollte: Ein erheblicher Teil der Kostenweitergabe steht noch aus. Bei landwirtschaftlichen Produkten rechnet man beim Wifo damit, dass die höheren Diesel- und Düngemittelkosten erst zur nächsten Ernte (im Sommer) in den Einkaufspreisen ankommen werden. Bei industriell gefertigten Gütern dauert der Übertragungsmechanismus erfahrungsgemäß noch länger.
Für Betriebe bedeutet das: Die Kostenkurve ist noch nicht abgeflacht. Wer jetzt Jahresverträge mit Lieferanten verhandelt oder Preislisten für die Herbstsaison festlegt, sollte diesen Nachlaufeffekt in die Kalkulation einpreisen. Ob die Bundesregierung die Spritpreisbremse (die laut E-Control die Preise an der Zapfsäule im Schnitt um zwölf Cent gedrückt hat) über April hinaus verlängert, ist noch offen. Fällt die Maßnahme weg, würde das die Transportkosten unmittelbar wieder nach oben treiben.
Szenarien
Die mittelfristige Inflationsentwicklung hängt maßgeblich vom Verlauf des Konflikts in Nahost und der Ölpreisentwicklung ab. Sollten sich die Ölpreise auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren und bei einer Entspannung der Lage wieder zurückgehen, rechnet man für das Gesamtjahr mit einer Inflation zwischen 2,75 und drei Prozent. Eine neuerliche Eskalation würde den Preisdruck verlängern.
Ein historischer Vergleich gibt dabei eine gewisse Orientierung: Anders als 2022, als die Inflation in Österreich bis auf elf Prozent kletterte, fehlt diesmal das Zusammenspiel mehrerer extremer Schocks. Der Gaspreis liegt mit 55 bis 60 Euro pro Megawattstunde weit unter dem damaligen Spitzenwert von mehr als 300 Euro. Das dämpft die Gesamtdynamik.
Für Unternehmen bleibt die Botschaft klar: Die Teuerung ist kein kurzfristiges Phänomen. Preisanpassungen, Einkaufsstrategien und Kommunikation gegenüber Gästen müssen auf eine anhaltend volatile Kostenlage ausgerichtet werden.