Matteo Landi wirkt nicht wie der typische Tech-Berater, der Gastronomen Software-Lösungen anbieten will. Eher wie jemand, der weiß, wie sich ein voller Abend anfühlt, wenn Reservierungen kippen und Personal fehlt. Er hat Lokale geführt und sein eigenes Catering-Unternehmen in Wien geleitet. Heute beschäftigt sich der gebürtige Italiener und Gründer von Allmende Consulting mit einer Frage, die die Branche noch nicht richtig ernst nimmt: Wie kann die Gastronomie Künstliche Intelligenz richtig einsetzen? Und wo kann sie helfen, ohne den Charakter eines Restaurants zu glätten?

Nur sechs Prozent der europäischen Gastronomiebetriebe haben laut Landi bisher eine klare KI-Strategie entwickelt. Während andere Wirtschaftszweige längst mit automatisierten Prozessen arbeiten, hält die Branche an Bauchgefühl und Bewährtem fest. „Die Gastronomie ist sehr speziell. Jedes Restaurant, jede Bar ist ein ganz persönliches Projekt des Inhabers“, erklärt er. Diese emotionale Verwurzelung und die individuellen Geschichten können es erschweren, Unbekanntes zuzulassen.

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Der ungenutzte Hebel

Das Potenzial ist konkret bezifferbar: Landi nennt Umsatzsteigerungen von 20 bis 25 Prozent als realistische Größenordnung, wenn KI gezielt eingesetzt wird. Entscheidend sei dabei nicht die Technologie selbst, sondern die Frage, wo sie im Betrieb ansetzt. Nicht als Ersatz für Gastgebertum, sondern als Analytiker im Hintergrund. Der einfachste Einstieg liege im Marketing. Ein System, das aus Markenstimme, Angeboten und wiederkehrenden Formaten Social Media-Beiträge entwickelt, sei laut Landi in kurzer Zeit aufgesetzt. Entscheidend bleibt hier, dass die KI nicht die Persönlichkeit er-, sondern übersetzen soll.

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Spannender wird es dort, wo KI nicht schreibt, sondern fragt. Warum steht ein Gericht auf der Karte, wenn es kaum bestellt wird? Welche Position bindet Einkauf, Vorbereitung und Personal, bringt aber zu wenig Umsatz? Revenue Intelligence klingt abstrakt. Im Alltag heißt es, das sichtbar zu machen, was sonst im Gefühl verschwindet. „Wenn der Umsatz auf vier oder fünf Gerichten basiert, muss man sich fragen, warum 20 Positionen auf der Karte stehen“, so Landi.

Wo der Einstieg scheitert

Oft starten Betriebe an der falschen Stelle. Landi nennt drei klassische Fehler: Chatbots auf Websites, die niemand nutzt, weil Gäste lieber anrufen und mit einem echten Menschen sprechen wollen. KI-generierte Bilder, die künstlich wirken und der Markenidentität schaden. Und die allgemeine Lähmung vor Komplexitätsangst. „Es ist weniger kompliziert als es scheint und einfacher zu implementieren als es sich viele vorstellen“, sagt er. Sein wichtigster Rat zum Einstieg: mit einem konkreten Problem beginnen.

Als Werkzeug empfiehlt er den KI-Assistenten Claude. Dieses „Large-Language-Modell“ läuft lokal auf dem Computer und gewährleistet somit wesentlich mehr Datenschutz. Die Systeme werden mit den spezifischen Informationen des eigenen Betriebs trainiert, kennen die Geschichte des Hauses, und lernen, in dessen Stimme zu sprechen. „Man kann sich die KI als persönlichen Assistenten vorstellen, der 24 Stunden arbeitet, nie krank wird und einen kennt“, erklärt der Berater.

Wer früh handelt, hat einen Vorsprung

Für die nächsten zwei bis drei Jahre prognostiziert Landi einen unumgänglichen Vorteil von „Early Adoptern“. Nicht weil KI alles verändert, sondern weil sie jenen, die sie richtig einsetzen, Zeit zurückgibt. Und zwar für die Sache, die Gastronomen am besten können: den Gast (und nicht den Bildschirm) in den Mittelpunkt zu stellen.