Die Bundesregierung hat im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes 2027 bis 2028 die Erhöhung der Steuer auf Spirituosen beschlossen. Der Alkoholsteuersatz steigt mit ersten Jänner 2027 von 1.200 Euro je 100 Liter reinem Alkohol auf 1.560 Euro je 100 Liter reinem Alkohol, eine Anhebung um dreißig Prozent. Der Fachverband Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich hatte sich im Vorfeld gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie gegen die Maßnahme ausgesprochen, in Gesprächen mit der Politik und in einem gemeinsamen Positionspapier. Die Argumente der Branche fanden in der finalen Fassung des Gesetzes keine Berücksichtigung.

„Wir haben uns mit Nachdruck gegen diese Steuererhöhung eingesetzt und die negativen Folgen für Gastronomie, Hotellerie und den gesamten Tourismusstandort Österreich klar aufgezeigt. Leider wurden unsere Argumente nicht berücksichtigt“, sagt Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie.

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Preise lassen sich kaum erhöhen

Der Fachverband begründet seinen Widerstand mit der wirtschaftlichen Lage vieler Betriebe. Seit dem Ende der Pandemie sind die Kosten für Energie, Personal, Wareneinsatz und Finanzierung deutlich gestiegen. Gleichzeitig lassen sich diese Mehrkosten den Gästen gegenüber oft nicht durchsetzen, da die Konsumstimmung gedämpft ist und die Preissensibilität hoch bleibt. In der Folge stagnieren die Betriebsergebnisse in weiten Teilen der Branche oder sind rückläufig.

Eine zusätzliche steuerliche Belastung trifft die Betriebe nach Einschätzung des Fachverbandes daher zu einem ungünstigen Zeitpunkt. „Die Branche kämpft seit Jahren mit stark steigenden Kosten, einer gedämpften Konsumstimmung und rückläufigen Erträgen. Eine zusätzliche steuerliche Belastung kommt genau zum falschen Zeitpunkt. Viele Betriebe verfügen schlicht nicht über die wirtschaftlichen Spielräume, um diese Mehrkosten aufzufangen“, so Rainer.

Nachtgastronomie unter besonderem Druck

Als besonders gefährdet gilt die Nachtgastronomie. Bars, Nachtklubs und Diskotheken stehen bereits seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck, etwa durch veränderte Ausgehgewohnheiten und steigende Betriebskosten. Höhere Steuern auf Spirituosen und spirituosenhaltige Getränke verschärfen diese Lage nach Einschätzung des Fachverbandes zusätzlich. Er rechnet mit weiteren Betriebsschließungen in diesem Segment.

Auch die Lebensmittelindustrie hatte vor der Maßnahme gewarnt. Spirituosen tragen schon bisher einen unverhältnismäßig hohen Anteil am Steueraufkommen aus alkoholischen Getränken, gemessen an ihrem tatsächlichen Anteil am Alkoholkonsum. Mit der Erhöhung verschärft sich dieses Ungleichgewicht weiter.

Zweifel an den erwarteten Mehreinnahmen

Der Fachverband stellt zudem infrage, ob die Steuererhöhung tatsächlich zu den erwarteten Mehreinnahmen führt. Höhere Preise könnten die Nachfrage dämpfen und Konsumenten zu günstigeren Alternativprodukten greifen lassen. Zudem liegt Österreich nach der Erhöhung im Vergleich zu mehreren Nachbarländern deutlich über deren Steuersätzen auf Spirituosen. Italien etwa besteuert reinen Alkohol mit rund zehn Euro je Liter, während in Österreich künftig mehr als fünfzehn Euro je Liter anfallen. Das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Anbieter zusätzlich, insbesondere im grenznahen Tourismus.