Das Boutique-Hotel Forstinger im oberösterreichischen Schärding feierte heuer sein hundertjähriges Bestehen als Familienbetrieb. Seit 1927 wird das Haus am Unteren Stadtplatz der Barockstadt am Inn in Familienhand geführt, heute in vierter Generation von Margret Forstinger. Was nach Traditionspflege klingt, ist in Wahrheit das Ergebnis konsequenter unternehmerischer Entscheidungen: Statt Investitionsstau und großem Umbau alle zwanzig Jahre wählt Forstinger den kontinuierlichen Weg: mit einem Frühstückskonzept als eigenständiger Marke, einer Kooperation mit einem Sternekoch und einem Stammgästeanteil, der seinesgleichen sucht. Aber der Reihe nach.
Abschied vom Großrestaurant
Als Margret Forstinger das Haus 2007 eigenständig übernahm, traf sie eine Entscheidung, die damals wie ein Rückschritt wirken mochte: Sie schloss das angeschlossene Restaurant mit 240 Sitzplätzen. Der Grund war pragmatisch. Ihr Mann, ein Architekt mit Büro in München, war unter der Woche nicht in Schärding. Die umsatzstärksten Tage in der Gastronomie an Wochenenden und Feiertagen wären ohne familiäre Unterstützung kaum zu stemmen gewesen. „Familie oder Beruf“, formuliert Forstinger die damalige Abwägung und entschied sich für beides, aber mit Kompromiss: nur Hotel, kein Restaurant.
Unkonventionell war auch der Weg der Modernisierung. Statt der branchenüblichen großen Renovierung alle 10-20 Jahre wählte Forstinger einen anderen Ansatz: „Wir haben jedes Jahr immer wieder ein bisschen investiert. Es war nie ein großer Investitionsstau, weil wir einfach jedes Jahr sukzessive renoviert haben.“ Diese Strategie orientierte sich an der verfügbaren Liquidität.

Die historische Bausubstanz aus dem Jahr 1606 stellte dabei besondere Herausforderungen dar. Denkmalschutzauflagen und die alte Struktur erforderten kreative Lösungen. Bei der Gestaltung konnte sie auf das Know-how ihres Mannes zurückgreifen, der ein Architekturbüro in München betreibt. Die Vielfalt der Zimmerausstattung entstand organisch durch die jahrelangen kontinuierlichen Investitionen, ohne einem einheitlichen Trend zu folgen.
Magas Deli: Frühstück als Marke
Wer in Österreich als Local ins Hotel-Restaurant frühstücken geht, tut das meist mit einer Schwellenangst; die ist gegenüber der Hotelgastronomie durchaus verbreitet. Forstinger löste dieses Problem mit einem konzeptionellen Kunstgriff: Das Frühstückscafé im ersten Stock des Hotels trägt einen eigenen Namen (Magas Deli) und tritt nach außen als eigenständige Marke auf, losgelöst vom Hotel. „Das Hotel hat einen gewissen Standard, den vielleicht viele als Hürde empfinden“, erklärt Forstinger die Überlegung. Durch die separate Positionierung sollte auch Laufkundschaft angesprochen werden, die sonst nicht in ein Hotelrestaurant eintreten würde.

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Das Konzept funktioniert: Die Zielgruppe ist bunt gemischt, mit einem Schwerpunkt bei Frauen und einer jüngeren Altersgruppe um die dreißig Jahre, die über Social Media erreicht wird. Das Angebot setzt konsequent auf Qualität und Regionalität: Fruchtsäfte frisch gepresst, Marmeladen und Hummus hausgemacht, Brot von der Brotmanufaktur Joseph aus dem Waldviertel, Eier vom Biohof Gradinger. Die Lieferkette ist auf der Speisekarte transparent dokumentiert. „Es gibt Menschen, die den Unterschied zwischen nachhaltiger Lieferkette und beliebigem Lebensmittel schätzen“, sagt Forstinger. „Für sie haben wir Magas Deli geschaffen.“ Der höhere Preis, der mit dieser Qualitätspositionierung einhergeht, ist bewusst kalkuliert.

Kooperation statt Konkurrenz
Keine Halbpension, dafür eine enge Partnerschaft mit Sternekoch Lukas Kienbauer, dessen zwei Restaurants sich nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt befinden: Die Kooperation besteht seit zehn Jahren und wird von Forstinger als gelebte Freundschaft beschrieben: „Einmal umfallen und unsere Gäste sind im Gourmet-Restaurant Lukas. Es ist eine Riesenbereicherung.“ Gäste können bei der Buchung direkt Pakete wählen, die einen Tisch im Lukas-Restaurant oder im japanisch inspirierten Lukas Izakaya inkludieren. Individuelle Reservierungen übernimmt das Hotel auf Wunsch ebenfalls. Das gemeinsame Jubiläum (hundert Jahre Hotel Forstinger, zehn Jahre Kooperation) wurde heuer im April mit einer gemeinsamen Veranstaltung gefeiert, ein weiteres Event ist für den Herbst geplant.