Ein Reisepass war lange ein Dokument. Für eine wachsende Zahl vermögender Menschen ist er inzwischen aber ein Investitionsinstrument. Sicherheit, Steuerklima und Aufenthaltsrecht werden heute so bewertet wie früher Aktienportfolios: nach Rendite, Risiko und Diversifikation. Eine neue Studie der PKF hospitality group, erstellt gemeinsam mit dem hauseigenen Future of Hospitality Institute, liefert dazu Zahlen. Der Bericht mit dem Titel „Millions on the Move: The Increasing Global Mobility of Millionaires and the Consequent Impact on Branded Residences“ zeigt, wie stark sich die internationale Standortwahl vermögender Privatpersonen in den vergangenen zehn Jahren verändert hat und wie der Immobiliensektor davon profitiert.
Die zentrale Kennzahl: Im Jahr 2013 verlegten schätzungsweise 51.000 Millionäre ihren Wohnsitz über Landesgrenzen hinweg. Für 2025 geht die Studie von 142.000 aus, bis Ende 2026 könnten es bereits 165.000 sein. Die Zahl hat sich damit binnen gut einem Jahrzehnt annähernd verdreifacht. Als Motor dieser Entwicklung nennt die Studie ein Bündel von Faktoren, das über klassische Steueroptimierung hinausgeht: Sicherheit, steuerliche Attraktivität, Lebensqualität, wirtschaftliche Stabilität, Aufenthaltsprogramme und unternehmerische Freiheit. Zu den bevorzugten Zielländern zählen demnach die Vereinigten Arabischen Emirate, die Vereinigten Staaten, Singapur, die Schweiz, Italien, Saudi-Arabien, Portugal, Spanien, Griechenland, Kanada und Australien.
„Die Bewegung von Vermögen ist zu einem der aussagekräftigsten Indikatoren für das Vertrauen in die Zukunft eines Landes geworden“, sagt Akshara Walia, Director of Research bei der PKF hospitality group. Die reine Steuerfrage trete dabei in den Hintergrund: „Wohlhabende Menschen wählen ihren Wohnsitz heute nicht mehr allein auf Basis steuerlicher Vorteile. Gute Regierungsführung, Sicherheit, Infrastruktur, Lebensqualität und langfristige Wachstumsperspektiven sind zu ebenso wichtigen Entscheidungsfaktoren geworden.“
Markenresidenzen als Nutznießerinnen der Mobilität
Von dieser Entwicklung profitiert nach Einschätzung der Studie besonders ein Marktsegment: Branded Residences, also Wohnimmobilien, die unter dem Namen internationaler Hotel- oder Luxusmarken vermarktet und betrieben werden. Die Kombination aus Immobilienbesitz, Hospitality-Dienstleistungen, Markenprestige und flexiblen Eigentumsmodellen mache dieses Format zur bevorzugten Wohnform international mobiler Vermögender, heißt es. Concierge-Service, Sicherheitskonzepte, Wellnessangebote und die operative Entlastung durch ein etabliertes Markenumfeld führten dabei regelmäßig zu deutlichen Preisaufschlägen gegenüber klassischen Luxuswohnimmobilien ohne Markenbindung.
Walia beschreibt den Kauf entsprechend nicht mehr als reinen Immobilienerwerb: „Branded Residences befinden sich an der Schnittstelle von globaler Mobilität, Hospitality und luxuriösem Wohnen. Käufer erwerben heute nicht mehr nur eine Immobilie, sondern investieren in ein ganzheitliches Lifestyle-Ökosystem, das Komfort, Sicherheit, konsistente Servicequalität und globales Markenvertrauen bietet.“
Für die weitere Marktentwicklung erwartet PKF hospitality vier Trends. Neben etablierten Destinationen rückten neue Vermögens-Hotspots wie Montenegro, Malta, Lettland, Costa Rica und Panama in den Fokus von Investoren und Käufern. Zugleich nehme die technologische Integration zu, etwa durch KI-gestützte Services im Betrieb der Objekte. Hinzu kämen steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit sowie ein wachsendes Gewicht von Wellness- und Longevity-Konzepten im Angebot. „Die Zukunft luxuriösen Wohnens wird von Flexibilität, Personalisierung, Wellness und nahtlosen Erlebnissen geprägt sein“, so Walia. „Je mobiler globales Vermögen wird, desto stärker werden sich Branded Residences als bevorzugte Wohnform international orientierter vermögender Käufer etablieren.“
Anmerkung der Redaktion
Einzuordnen ist die Studie als Eigenpublikation: Die Zahlen und Prognosen stammen aus dem Analysehaus der PKF hospitality group selbst, die im Segment Hotel-, Tourismus- und Serviced-Living-Beratung tätig ist und an einem wachsenden Markt für Markenresidenzen unmittelbar mitverdient. Externe, unabhängige Marktdaten zur Gegenprüfung der genannten Migrationszahlen liegen der Mitteilung nicht bei.