Kuratierte Individualität statt Wellnesspauschale: Wie Longevity den Luxustourismus verändert und warum klassische Wellness nicht mehr reicht

Gäste erwarten von ihren Aufenthalten nicht länger Komfort allein, sondern eine Wirkung auf Gesundheit und Lebensqualität. Wer das Segment verstehen will, sollte nach Oberlech schauen und dort genauer hinsehen, was hinter dem Konzept eines 40-Zimmer-Hauses steckt, das trotzdem kein klassisches Wellness-Hotel sein will.

Exklusives Adults-only-Resort mit Karibik-Flair
Das Sandals Royal Bahamian vereint Glamour, Komfort und echten All-Inclusive-Mehrwert in bester Lage auf den Bahamas.

Daniela Pfefferkorn führt das Hotel Goldener Berg in Oberlech seit 1991. Was sie in über drei Jahrzehnten aufgebaut hat, ist ein Geschäftsmodell, das auf einer These basiert: Immer mehr Gäste haben keine Zeit für Erholung, die nach der Abreise folgenlos bleibt. Sie wollen investieren, und zwar in sich selbst.

Dass diese These einer realen Marktentwicklung entspricht, zeigen die Zahlen. Nach Schätzungen belief sich der globale Wellnessmarkt 2024 auf rund 6,8 Billionen US‑Dollar; der Wellness‑Tourismus machte davon etwa 0,8 bis 1,0 Billionen US‑Dollar aus und wird bis Mitte der 2030er Jahre weiter deutlich wachsen. Das dynamischste Subsegment darin ist Longevity. Experten gehen hier von zweistelligen jährlichen Wachstumsraten von zehn bis 15 Prozent aus. Pfefferkorn hat diesen Trend in gewisser Weise vorweggenommen. Bereits vor 30 Jahren begann sie, den Familienbetrieb in eine Richtung zu entwickeln, die heute unter „Longevity“ subsumiert wird. „Es war mir zu wenig, nur Betten und Essen zu verkaufen“, erklärt sie im Podcast „Tourismus To Go“.

Das Programm des Goldenen Berges basiert auf vier Säulen: Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit und Energiemedizin. Die operative Umsetzung beginnt vor der Ankunft. Jeder Gast wird telefonisch kontaktiert, um individuelle Schwerpunkte zu erheben: Stressabbau, Gewichtsreduktion, Detox oder allgemeine Regeneration. Auf Basis dieses Gesprächs wird ein maßgeschneidertes Programm erstellt, von der Ernährungsform bis zur Auswahl der Therapieangebote.

Der Mehraufwand ist erheblich. Jeder Aufenthalt erfordert individuelle Vorbereitung und Nachbetreuung. Gäste erhalten nach der Abreise regelmäßig Yoga-Einheiten, Menüvorschläge und Begleitmaterial zugesandt. Das Haus versteht den Aufenthalt nicht als abgeschlossene Transaktion, sondern als Beginn einer längerfristigen Beziehung. Die Podcastfolge mit Daniela Pfefferkorn gibt es hier: www.gast.at/podcast-tourismus (Folge 60).