Mehr Umsatz ist nicht immer eine gute Nachricht. Für Österreichs Hotels ist er derzeit vor allem eine Zahl, die über den Geschäftsgang wenig verrät. Die 154 Betriebe, die an der Winterumfrage der ÖHV teilgenommen haben, erwarten für die Saison 2026/27 im Schnitt ein nominelles Umsatzplus von 1,2 Prozent. Das Betriebsergebnis dürfte nach ihrer Einschätzung dagegen aber um 1,3 Prozent zurückgehen. Die Nächtigungen bleiben voraussichtlich auf Vorjahresniveau. Damit zeichnet sich ein Winter ab, in dem die Nachfrage zwar solide ist, die Erträge aber weiter unter Druck geraten. 62 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit einem positiven Saisonabschluss. Wie viel am Ende für Renovierungen, neue Ausstattung oder finanzielle Reserven bleibt, ist damit noch nicht gesagt.

Die höheren Kosten lassen sich nur begrenzt über die Zimmerpreise hereinholen. 68 Prozent der befragten Hotels geben Kostensteigerungen teilweise weiter, 22 Prozent gar nicht. Nur jeder zehnte Betrieb kann sie vollständig überwälzen. „Die Kosten steigen stärker als der Umsatz. Dann fehlt Geld für Investitionen“, sagt ÖHV-Präsident Walter Veit. Zugleich stellen sich die Hotels auf Gäste ein, die genauer nachrechnen. 62 Prozent erwarten geringere Nebenausgaben, etwa für zusätzliche Leistungen im Haus. 60 Prozent rechnen mit kürzeren Aufenthalten, 65 Prozent mit kurzfristigeren Buchungen. Das erschwert die Planung und begrenzt den Spielraum für höhere Preise zusätzlich: Ein verkauftes Zimmer allein garantiert noch keinen auskömmlichen Ertrag.

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Personal gesucht und schwerer finanzierbar

Am stärksten drücken nach Angaben der Betriebe die Beschäftigungskosten. 88 Prozent nennen sie als Belastung. Gleichzeitig suchen 69 Prozent Mitarbeiter oder rechnen mit zusätzlichem Personalbedarf. Das ist natürlich ein besonders schwieriger Spagat: Die Hotels benötigen Beschäftigte, um ihr Angebot aufrechtzuerhalten, müssen deren Kosten aber aus zunehmend knappen Erträgen finanzieren. Veit fordert deshalb eine Senkung der Lohnnebenkosten: „Wir brauchen Mitarbeiter, müssen uns die aber leisten können. Da kann die Politik ansetzen.“

ÖHV-Winterausblick 2026/27

Mehr Umsatz. Weniger Ergebnis.

Bei stabilen Nächtigungen erwarten die befragten Hotels sinkende Betriebsergebnisse.
Umsatz
+1,2 %
Erwartete nominelle Veränderung gegenüber der Vorjahressaison.
Betriebsergebnis
−1,3 %
Erwartete Veränderung gegenüber der Vorjahressaison.

9 von 10 Hotels

geben gestiegene Kosten nicht vollständig an ihre Gäste weiter.

Wie Hotels Kostensteigerungen weitergeben

Anteil der befragten Betriebe
100 %
Gar nicht
Teilweise
Vollständig

Womit Hotels beim Gästeverhalten rechnen

Kurzfristigere Buchungen
65 %
Geringere Nebenausgaben
62 %
Kürzere Aufenthalte
60 %
Quelle: ÖHV-Inside: Winterumfrage zur Saison 2026/27; 154 ÖHV-Betriebe aus ganz Österreich.
Erwartungen der befragten Betriebe, keine Saisonbilanz. Die Angaben zum Gästeverhalten sind separate Antworten und summieren sich nicht zu 100 %.

Die Folgen reichen bereits über das laufende Geschäft hinaus. 40 Prozent der befragten Hotels reduzieren ihre Investitionen. Zugleich berichten 42 Prozent von einem schwierigeren Zugang zu Krediten. Wer weniger aus dem Betrieb finanzieren kann, hat es demnach häufig auch bei der Finanzierung von außen schwerer. Verschobene Investitionen treffen zunächst das Haus selbst: Zimmer werden später erneuert, Ausstattung länger genutzt, geplante Verbesserungen vertagt. Sie treffen aber auch die Unternehmen, die davon leben, dass Hotels ihre Qualität laufend weiterentwickeln. „Wenn ein Hotel eine Renovierung verschiebt, kostet das auch den Tischler und Installateur im Ort einen Auftrag“, sagt Veit. Die ÖHV verlangt deshalb einen leichteren Zugang zu Investitionsfinanzierungen.

ÖHV-Winterausblick 2026/27

Personal gebraucht, Investitionen gekürzt

Hohe Beschäftigungskosten treffen auf weiteren Personalbedarf. Zugleich wird die Finanzierung schwieriger.
Beschäftigungskosten belasten
88 %
der befragten Hotels nennen Beschäftigungskosten als Belastungsfaktor.
Mitarbeiter gesucht
69 %
suchen Personal oder rechnen mit zusätzlichem Bedarf.
Wo der finanzielle Spielraum enger wird
Weniger Investitionen
40 %
reduzieren ihre Investitionen.
Kredite schwerer zugänglich
42 %
berichten von einem schwierigeren Zugang zu Krediten.
Bürokratie belastet
56 %
nennen Bürokratie als Belastungsfaktor.
“
Wenn ein Hotel eine Renovierung verschiebt, kostet das auch den Tischler und Installateur im Ort einen Auftrag
Walter VeitPräsident der Österreichischen Hotelvereinigung
Quelle: ÖHV-Inside: Winterumfrage zur Saison 2026/27; 154 ÖHV-Betriebe aus ganz Österreich. Zitat: ÖHV-Aussendung zum Winterausblick.
Alle Prozentwerte beziehen sich auf die befragten Betriebe. Separate Aussagen; die Anteile sind nicht zu addieren.

Zusätzliche Entlastung soll der Bürokratieabbau bringen. 56 Prozent der Befragten nennen Vorschriften und Verwaltungsaufwand als Belastungsfaktor. Die ÖHV hat dazu nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge vorgelegt und fordert eine raschere Umsetzung.

Der Winterausblick beschreibt damit eine Branche, deren Problem sich an den Nächtigungszahlen allein nicht ablesen lässt. Die Gäste kommen weiterhin. Doch wenn Hotels trotz stabiler Nachfrage Investitionen zurückstellen, geht es längst um mehr als das Ergebnis einer einzelnen Saison.

Zur Umfrage: An ÖHV-Inside zur Wintersaison 2026/27 nahmen 154 ÖHV-Betriebe aus ganz Österreich teil. Die Angaben beschreiben deren Erwartungen; sie sind keine Bilanz der bevorstehenden Saison.