Damit rechnet die ÖHV in der kommenden Sommersaison 2026 – eine erste Einschätzung dafür wird das „Trendbarometer 2026“ liefern, das Ende Mai erscheint
Es war als gemütlicher Austausch gedacht, doch wer den Generalsekretär der ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung), Markus Gratzer, und den Unternehmenssprecher bzw. Leiter des Bereiches „Public Affairs“, Martin Stanits, kennt, weiß, dass es alles andere als ein gemütlicher Austausch werden würde. Zuviel an Herausforderungen liegen bei der ÖHV stets an. Wobei die Interessensvertretung mit aktuell 1.730 Mitgliedern seit mehr als sieben Jahrzehnten „an vorderster Front für die Anliegen der österreichischen Hotellerie kämpft, den Weg ebnet und Rahmenbedingungen schafft, in denen erfolgreiches Wirtschaften möglich ist.“ Dies zur Einleitung des vorliegenden Beitrages.
Trendbarometer liefert Stimmungslage der Branche
Doch nun zum Konkreten. Ende Mai wird etwa das neueste „Trendbarometer 2026“ veröffentlicht, in dem die aktuelle Stimmungslage in der österreichischen Hotellerie eingefangen wird. Es geht darum, wie die zu Ende gegangene Wintersaison 2025/2026 war (u.a. von der Auslastungsseite her, von den erzielten Preisen und den realisierten Umsätzen etc.) und wie die bevorstehende Sommersaison 2026 werden dürfte. Ebenso wird ein Ausblick auf die geplanten Investitionen der nahen Zukunft gegeben, wie es um die diesbezüglichen Finanzierungen steht (sind sie leichter oder schwerer geworden) und ob sich die Situation rund um die Mitarbeiter:innen verschlechtert oder verbessert hat. Dazu kommt heuer als Spezialfrage, ob die zu Ende gegangene Saison nach Sicht der österreichischen Hoteliers tatsächlich länger oder doch kürzer wahrgenommen wurde.
Das „Trendbarometer“ wird seit 2015 vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen „Deloitte“ (es wird zu den sogenannten „Big Four“ der Wirtschaftsprüfung gezählt) und der ÖHV jährlich erhoben. Im Vorjahr hatten mehr als 220 Touristiker:innen in allen Bundesländern ihre Meinung zur Lage des österreichischen Tourismus sowie zu ihrer individuellen betriebswirtschaftlichen Situation mitgeteilt. T.A.I. wird, sobald die Ergebnisse der Studie vorliegen, darüber berichten.
Steuerlast, Bürokratie und Personalkosten als Themen
Wobei vor allem drei große Fragen derzeit die österreichische Hotellerie bewegen. Jene nach der steuerlichen Belastung, jene nach der ausufernden Bürokratie und jene der Mitarbeiterkosten. „Das sind die großen Hemmnisse, denen sich die Branche gegenübersieht“, betont Markus Gratzer, der bei den Mitarbeiter:innen allerdings einräumt, dass es vor allem die Kosten sind, welche die Hotellerie belasten: „Die Verfügbarkeit hat sich entspannt.“
Unterschiedliche Entwicklung je nach Hoteltyp
Wie sieht es mit der Entwicklung der Nachfrage aus? „Grundsätzlich gut, je nach Betriebstyp“, meint der ÖHV-Generalsekretär. Wie ist das zu verstehen? Markus Gratzer: „In der Ferienhotellerie ist die Nachfrage wegen der Nahmärkte sehr gut. In der Stadthotellerie weniger, wegen der Nahost-Krise – vor allem arabische Gäste fehlen derzeit – und auch Fernost.“ Aus der Region Südost- und Fernostasien gebe es deutlich weniger Buchungen wegen der teuren Flugpreise, der langen Flugdauer und der bekannten Probleme der Golf-Carrier. Martin Stanits: „Wir reden bei der Stadthotellerie nicht von St. Pölten oder Eisenstadt, sondern von Wien, Salzburg oder Kitzbühel etc.“
Martin Stanits geht davon aus, dass es wahrscheinlich heuer im Sommer „Zugewinne bei den Nächtigungen“ geben werde, „aber wahrscheinlich ein Minus bei der Wertschöpfung.“ So kommen arabische Gäste meist mit Familie und bleiben drei bis vier Wochen, während der deutsche Gast (Anm.d.Red.: die mit Abstand größte Gruppe) „nur kurz kommt“. Das große Fragezeichen der kommenden Monate werden die Fernreisen sein, vor allem wegen der deutlich gestiegenen Kerosinpreise und der Flugverbindungen.