Soviel vorweg: Im bisherigen Kalenderjahr wurden 117,89 Mio. Nächtigungen (+1,5 %) in den österreichischen Beherbergungsbetrieben gemeldet. In der Sommersaison gab es bis inkl. August einen Zuwachs auf 63,31 Mio. Übernachtungen (+2,3 %). Der als nächtigungsstärkster Monat geltende August endete mit 21,33 Mio. Nächtigungen (-0,1 %). „Er lag damit in etwa auf dem Niveau vom August des Vorjahres“, so die Generaldirektorin von Statistik Austria Manuela Lenk.
Zum Teil gravierende Veränderungen
Beim näheren Hinsehen gibt und gab es aber doch zum Teil gravierende Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. So z.B., dass NÖ und das Burgenland sowohl über das gesamte Jahr hinweg als auch im Sommer Verluste einfuhren. NÖ büßte -2,0 % (Jahr bis Ende August) und -1,2 % (bisheriger Sommer) ein, das Burgenland -0,9 % und -1,6 %. Wobei beide Bundesländer bei den Gästen aus dem Ausland sogar mehr Übernachtungen hatten (NÖ +0,4 % und +1,2 %, Burgenland je +0,5%).
Alle anderen Bundesländer schlossen mit Zuwächsen bei den in- und ausländischen Gästen ab. Das Plus lag seit Jahresbeginn zwischen +0,9 % (Tirol) und +4,0 % (Wien) sowie +1,4 % (Steiermark) und +4,1 % (Wien) im bisherigen Sommer.
Niedrige Bereiche verlieren, Top-Hotellerie gewinnt
Doch Nächtigungen sind nicht gleich Nächtigungen, wie aus den Äußerungen von Susanne Kraus-Winkler und Georg Immlauer zu erfahren war. Dabei stellte sich heraus, dass der 1- bis 3-Stern-Bereich vor allem in der bisherigen Sommersaison deutlich unter dem Durchschnitt lag. Im 1- und 2-Stern-Bereich erreichte das Minus bei -2,4 %. Im Gegensatz dazu verzeichnete die 4- und 5-Stern Hotellerie mit +2,3 % Nächtigungen ein Wachstum. Georg Imlauer: „Das entspricht dem Durchschnitt.“
Das höchste Wachstum verzeichnet also nicht die klassische Hotellerie, sondern die Ferienwohnungen. Diese erzielten mit +8,8 % Nächtigungen in der bisherigen Sommersaison und +6,6 % seit Jahresbeginn die mit Abstand höchsten Zuwächse.
Entsprechend hat sich auch die Angebotsstruktur am österreichischen Beherbergungsmarkt verändert: Laut OeNB (Österreichische Nationalbank) gab es zwischen 2019 und 2025 bei den Anbietern von Ferienwohnungen ein Plus von +84 %, während die 1- bis 3-Stern-Betriebe um -12 % gesunken sind. Die Anzahl der 4- und 5-Sternhotels ist um +5 % gestiegen.
Wertschöpfung und Produktivität rückläufig
Die reale Wertschöpfung in der Beherbergung und der Gastronomie ist im Gegensatz dazu weiter gesunken. Georg Imlauer: „Trotz dem leichtem Nächtigungsplus stimmt uns die Ertragslage für einen Teil der Branche sehr nachdenklich.“
Wie Georg Imlauer bereits Mitte August bei einem Mediengespräch mit Alois Rainer, dem Obmann des Fachverbandes Gastronomie, bekannt gab, verzeichneten 26 % der Hotelbetriebe einen Rückgang ihrer Erträge. Die Kosten „können von 90 % der Betriebe nicht oder nicht gänzlich über Preise an die Gäste weitergegeben“ werden. Laut Susanne Kraus-Winkler ist zudem „die reale Wertschöpfung in der Beherbergung und der Gastronomie trotz steigender Nächtigungszahlen gesunken“.
Auch die Stundenproduktivität in der Beherbergung und Gastronomie ist laut Susanne Kraus-Winkler zwischen 2019 und 2024 um -6 % gesunken, während sie in der Gesamtwirtschaft um +3,5 % gestiegen ist.
Der Investitionswille in der Branche ist deshalb gedämpft. Während in den vergangenen drei Jahren 76 % der Hotelbetriebe investierten, sind es in den kommenden drei Jahren nur mehr 53 %. „Wir sprechen hier von Investitionen, die zu über 96 % (u.a. Bau, Handwerk, Ausstattung, Einrichtung etc.) in der regionalen Wirtschaft getätigt werden“, so Georg Imlauer.
