Dass die Schrammelmusik ausgerechnet in der nördlichsten Stadt Österreichs ihre Sommerheimat gefunden hat, ist kein Zufall. Litschau gilt als Wiege jener Volks- und Heurigenmusik, die einst die Brüder Johann und Josef Schrammel in Wien populär machten; ihr Vater Kaspar Schrammel, ebenfalls Volksmusiker, wurde hier geboren. Aus dieser historischen Linie hat Festivalgründer Zeno Stanek seit 2007 ein Ereignis geformt, das vom 10. bis 19. Juli 2026 seine zwanzigste Ausgabe erlebt. Das Motto der Jubiläumsausgabe lautet „WÖÖD“ („Welt“) und ist zugleich als Bekenntnis zur österreichischen Weltmusik zu verstehen. Denn das Wienerlied und der Schrammelklang sind ja mit Traditionslinien in alle Himmelsrichtungen verbunden, oder?
Mittlerweile ein sommerlicher Fixpunkt
Der touristische Kern liegt weniger im einzelnen Konzert als in der Konstruktion des Ganzen. Schauplatz ist nicht eine langweilige Halle, sondern eine Landschaft: das Herrenseetheater im Strandbad, das Veranstaltungshaus Moment und die Naturbühnen in den Wäldern rund um den See. Den baulichen Unterbau bildet das Theater- und Feriendorf Königsleitn, ein autofreies Areal direkt am Herrensee, das aus dem vor mehr als dreißig Jahren errichteten früheren Hoteldorf hervorgegangen ist und seit 2021 in neuer Form Urlaubsgäste, Künstler und Firmengruppen ganzjährig beherbergt. Damit verfügt das Festival über etwas, das vielen Kulturveranstaltungen im ländlichen Raum fehlt: eine eigene Beherbergungs- und Gastronomieinfrastruktur.
Das erste Wochenende: 10. bis 12. Juli 2026
Den Auftakt macht am Freitag eine musikalische, multikulturelle Bühnenshow von Geiger und Komponist Aleksey Igudesman mit dem fünfköpfigen Limitless Orchestra Ensemble, dazu das Duo Minerva, bestehend aus Johanna Gossner an der Klarinette und Damian Keller am Akkordeon. Den Ausklang des Abends übernimmt eine Schrammel.Jam.Session mit dem Duo Stickler und Koschelu. Der erste Festivalsamstag beginnt im Herrenseetheater mit einer Matinee nach Christine Nöstlingers literarischer Vorlage „Du bleda Bua“, arrangiert von Little Rosies Kindergarten, einer Big Band aus dreizehn Solisten. Die Aufführung bewegt sich zwischen Free Jazz, Rock und Kammermusik. Den abendlichen Konzertauftakt bestreitet VERETER um den Wiener Musiker Pete Prison IV, der mit seiner Band poetische Songs aus queer-migrantischer Perspektive auf die große Bühne bringt. Anschließend wird es alpin und international: Das Trio Hupsala um die in Irland lebende Steirerin Claudia Schwab verbindet alpine Klänge mit irischer Tradition, kombiniert mit Alphorn, Brass-Instrumenten und Jodelgesang. Den Abschluss des Abends macht Fräulein Blauboad mit Wiener Chansons. Der erste Festivalsonntag startet mit der Dampflok-Fahrt des Schrammel.Express in Gmünd, musikalisch begleitet von Pavel Shalman und Boki Radenkovic. Die Fahrt mündet in die Matinee des Joschi Schneeberger Quintetts am Kulturbahnhof Litschau, das unter dem Titel „A Wöd Jazz aus Wien“ auftritt. Beschlossen wird das erste Wochenende von den Wiener Singer-Songwritern Ernst Molden und Sigrid Horn, die mit „kuaz vuan weda“ erstmals gemeinsame Kompositionen vorstellen.
Das zweite Wochenende: 17. bis 19. Juli
Das zweite Wochenende eröffnet am Freitag mit dem musikalischen „Schrammel.Glühen“, heuer mit dem Duo Tesak und Havlicek und den 16er Buam. Um 19 Uhr folgt die bairische Popband Pam Pam Ida mit dem Silberfischorchester und ihrem Programm „Nehmts mi mit“ auf der großen Bühne des Herrenseetheaters. Im Anschluss feiert das Kollegium Kalksburg sein dreißigjähriges Bühnenjubiläum.
Der zweite Festivalsamstag beginnt mit einer Matinee von Maria Ma Pur im Veranstaltungs- und Theaterhaus MOMENT, getragen von Hackbrett-Klängen, die einen besonderen Klangteppich erzeugen; das Konzert lässt sich auf Decken liegend verfolgen. Am Abend steht im Herrenseetheater ein Konzert von Die Strottern und der JazzWerkstatt Wien auf dem Programm: Das Duo Klemens Lendl und David Müller erweitert sich zur Bigband und widmet sich poetischen Stadtgeschichten. Es folgt der aufstrebende Singer-Songwriter Felix Kramer mit Band und seinem „Muttersprachenpop“. Den Abschluss des Abends bildet die geführte Nachtwanderung zu einem geheimen Ort, mit Stationen aus Musik und Theater entlang des Weges und einem Konzert von Hakon und die Jungfrauen, die zugleich auf das Theaterfestival Hin und Weg im August verweist.
Der zweite Festivalsonntag beginnt erneut mit der Dampflok-Fahrt des Schrammel.Express von Gmünd nach Litschau, erstmals begleitet von Horacek und Bibl. Bei der anschließenden Matinee am Kulturbahnhof spielt das österreichisch-serbische Nenad Vasilic Trio Balkan- und Weltmusik. Das große Abschlusskonzert am Sonntagabend, dem 19. Juli, ist Willi Resetarits gewidmet, der 2022 verstorben ist. Unter dem Titel „FiAN WILLI“ treten vier seiner früheren Weggefährten an: Birgit Denk, Tini Kainrath, Roland Guggenbichler und Peter Havlicek.