Die Zillertalbahn fährt an der Grenze ihrer technischen Möglichkeiten. Die eingesetzten Dieselfahrzeuge haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, das Tal selbst ist durch Tourismus und Pendelverkehr stark belastet. Eine Entscheidung über den künftigen Betrieb war damit unaufschiebbar geworden. Sie ist nun gefallen und sie fällt zugunsten eines elektrifizierten Antriebs.
Mit dem Doppelbudget 2027/2028 hat die Bundesregierung das Mittelfristige Investitionsprogramm für Privatbahnen aufgestockt. Ab 2027 stehen zusätzlich zu den regulären Infrastrukturmitteln jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung, das Gesamtbudget wächst damit auf rund 114 Millionen Euro. Damit lässt sich jene Infrastruktur modernisieren, die der Umstieg von Diesel- auf Akku-Hybrid-Züge voraussetzt. Zusätzlich sichert der Bund dem Land Tirol eine anteilige Mitfinanzierung bei der Beschaffung der neuen Fahrzeuge zu. Die Ausschreibung kann dadurch zeitnah starten.
Ein Vorhaben unter Konsolidierungsdruck
Mobilitätsminister Peter Hanke verweist darauf, dass die Aufstockung gegen erheblichen budgetären Widerstand durchgesetzt werden musste. Umgesetzt würden jene Projekte, für die auch die Länder eine Finanzierungszusage geben. Öffentlicher Verkehr sei Teil der Daseinsvorsorge, gerade in ländlichen Regionen wie dem Zillertal. Die Modernisierung stelle zugleich einen „Motor für die Wirtschaft, die Beschäftigung und den Tourismus in der Region“ dar. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle bezeichnet die Dekarbonisierung der Bahn als zentrales Projekt für Region und Land. Einer raschen Umsetzung stehe nun nichts mehr im Weg, es gelte, „keine Zeit mehr zu verlieren und die zur Verfügung stehenden Mittel von Bund, Land und aus der Region bestmöglich zu nützen“.
Landesrat René Zumtobel nennt einen konkreten Zeithorizont: Mit dem Jahr 2030 beginne „eine neue Ära der emissionsfreien Mobilität im Zillertal“. Nationalratsabgeordneter Franz Hörl, der das Vorhaben gemeinsam mit Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler vorangetrieben hat, hebt hervor, dass der Bund angesichts der angespannten gesamtstaatlichen Finanzlage in Vorlage gehe.
Was der Umstieg für den Tourismus bedeutet
Für die Betriebe und die Bergbahnen im Tal ist die Bahn kein Randthema. Über die Anbindung an die Skigebiete ist sie integraler Bestandteil der touristischen Infrastruktur der bedeutendsten Fremdenverkehrsregion Tirols. Die neuen Fahrzeuge sollen barrierefrei ausgeführt werden und den Nahverkehr im Tal leistungsfähiger machen: für Pendlerinnen und Pendler ebenso wie für Gäste.
Damit adressiert das Projekt zwei Anliegen, die für Betriebe im Zillertal seit Jahren zusammenfallen: die Entlastung des Straßenverkehrs in einer Region mit ausgeprägten saisonalen Spitzen und die Erreichbarkeit der Destination ohne eigenen Pkw. Ein klimafreundlicher, verlässlicher Bahnzubringer ist inzwischen auch ein Argument in der Gästekommunikation, insbesondere gegenüber Herkunftsmärkten, in denen die Anreise per Bahn an Bedeutung gewinnt.
Aufträge über mehrere Jahre
Das Investitionsvolumen wirkt über die Verkehrsinfrastruktur hinaus. Über mehrere Jahre entstehen Aufträge für die Bahnindustrie, für den Infrastrukturbau (Oberleitungen, Ladeinfrastruktur, Unterwerke) und für die regionale Bauwirtschaft. Wertschöpfung und Arbeitsplätze bleiben dabei zu erheblichen Teilen in der Region. Für die Zillertaler Gemeinden, die über die Zillertaler Verkehrsbetriebe AG mehrheitlich Miteigentümer der Bahn sind, ist die Zusage zugleich ein Bekenntnis zu einer langfristig gesicherten regionalen Mobilität. Offen bleibt vorerst, wie hoch der Bundesanteil an der Fahrzeugbeschaffung konkret ausfällt und in welchem Umfang Land und Region beitragen. Diese Aufteilung dürfte sich erst im Zuge der Ausschreibung präzisieren lassen.