Mit rund 27.000 Veranstaltungen und 1,8 Millionen Teilnehmer*innen pro Jahr bleibt das österreichische Seminar-, Tagungs- und Kongressgeschäft laut dem MICE Trendbarometer 2026 der Round Table Konferenzhotels auf einem hohen Niveau. Trotz der insgesamt stabilen Entwicklung beobachtet die Branche eine zunehmende Volatilität bei Planung und Buchung.
„Veranstaltungen finden statt, die Nachfrage ist da. Aber der Weg von der ersten Anfrage bis zur fixen Buchung hat sich deutlich verlängert“, sagt Uschi Huber, Geschäftsführerin bei RTK in Salzburg. Termine würden häufiger verschoben, Angebote mehrfach angepasst und Entscheidungen oft erst sehr kurzfristig getroffen.
Veränderte Entscheidungsprozesse
Die Nachfrage nach Präsenzveranstaltungen bleibt insbesondere bei internen Meetings, Teamprozessen und strategischen Formaten hoch. Gleichzeitig steigen laut RTK die Anforderungen an Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit. Für Veranstalter bedeutet dies einen höheren Aufwand in der Angebotsphase, während Auftraggeber mehr Abstimmungen innerhalb ihrer Organisationen durchführen müssen.
Auch die Erwartungen an Veranstaltungsorte verändern sich. Standardisierte Angebote verlieren laut Trendbarometer an Bedeutung. Stattdessen werden Lösungen nachgefragt, die sich während der Planungsphase flexibel an veränderte Teilnehmer, Raumkonzepte oder Programmabläufe anpassen lassen.
Flexibilität als Wettbewerbsfaktor
Für Betriebe bedeutet diese Entwicklung einen steigenden Beratungsaufwand. Gleichzeitig eröffnet die individuelle Begleitung von Kund neue Möglichkeiten zur Differenzierung im Wettbewerb. Angebote würden zunehmend gemeinsam mit den Auftraggebern entwickelt und laufend angepasst.
Regionale Entwicklungen unterschiedlich
Das Trendbarometer zeigt zudem regionale Unterschiede. Wien profitiert weiterhin von seiner internationalen Ausrichtung und bleibt ein wichtiger Standort für Kongresse und MICE-Veranstaltungen. Salzburg und Tirol verzeichnen eine stabile Entwicklung im Freizeit-, Kultur- und Veranstaltungssegment, die jedoch stark saisonabhängig ist.
In der Steiermark und in Kärnten entstehen laut RTK durch infrastrukturelle Entwicklungen neue Möglichkeiten für regionale Vernetzung und Zusammenarbeit. Oberösterreich und Niederösterreich reagieren aufgrund ihrer industriellen Prägung stärker auf konjunkturelle Schwankungen und entwickeln sich im Unternehmens- und Veranstaltungsbereich entsprechend zurückhaltender. Insgesamt sieht RTK keine sinkende Nachfrage, sondern veränderte Marktmechanismen. Buchungsprozesse werden kurzfristiger, individueller und stärker von aktuellen Rahmenbedingungen beeinflusst.