Vorarlberg: Wirtschaftskraft dank Tagestourismus
Mit jährlich 7,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern und einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro entwickelt sich der Tagestourismus im Ländle zu einem zentralen Bestandteil der Tourismusstrategie.
Jeder fünfte Euro, der im Vorarlberger Tourismus ausgegeben wird, stammt aus dem Tagestourismus. Das belegt die neue Studie „Freizeit- und Naherholungstourismus Vorarlberg“ des Instituts für Systemisches Management und Public Governance der Universität St. Gallen. Die von Vorarlberg Tourismus beauftragte Analyse quantifiziert den Freizeit- und Naherholungstourismus auf etwa 7,5 Millionen Tagesgäste im Jahr 2024; eine Größenordnung, die beinahe an die 9,3 Millionen Nächtigungen im selben Zeitraum heranreicht.
„Der Freizeittourismus ist ein wichtiger Teil der Vorarlberger Tourismusstrategie 2030“, erklärte Tourismuslandesrat Marco Tittler bei der Präsentation der Studie. „Die Ergebnisse zeigen das wirtschaftliche Potenzial deutlich auf und liefern eine fundierte Grundlage, um den Tagestourismus gezielt weiterzuentwickeln und die Wertschöpfung zu erhöhen“.
Region im Fokus
Der größte Anteil der Tagesgäste entfällt mit rund einem Drittel auf die Region Bodensee-Vorarlberg. Im Sommer verdoppelt sich dort die Zahl der Tagesgäste im Vergleich zum Winter. Insbesondere aus Süddeutschland zieht es zahlreiche Gäste für Ausflüge nach Bregenz – häufig auch von Urlaubsorten am deutschen Bodenseeufer. In der Sommersaison verzeichnete Vorarlberg insgesamt 4,8 Millionen Tagesgäste, im Winter waren es 2,7 Millionen.
Besonders gefragt sind Seilbahnen, Museen und Veranstaltungen. Allein die Seilbahnen transportierten im Tourismusjahr 2023/24 rund 5,8 Millionen Menschen, mit einem Tagesgästeanteil von bis zu 57 Prozent im Winter. Museen zählten im Sommer bis zu 63 Prozent Tagesgäste, Kultur- und Sportveranstaltungen wie die Bregenzer Festspiele hatten im Schnitt einen Tagestourismusanteil von knapp 50 Prozent.

Bedeutung für Wirtschaft und Lebensqualität
Die wirtschaftlichen Effekte des Tagestourismus sind beträchtlich: Mit rund 400 Millionen Euro jährlich macht er ein Fünftel des touristischen Gesamtumsatzes im Land aus. „Die Stärkung des Tagestourismus wirkt sich somit positiv auf die Wirtschaftsleistung und die Standortqualität des Landes aus“, so Tittler weiter. Die Nachfrage aus dem Tagestourismus trage maßgeblich dazu bei, dass touristische Infrastruktur auch außerhalb der Hochsaison wirtschaftlich betrieben werden könne.
Etwa die Hälfte der Tagesgäste stammt aus Vorarlberg selbst: ein Indikator für die hohe Relevanz des Tourismus als Naherholungsfaktor und Standortqualität für die einheimische Bevölkerung. Weitere wichtige Herkunftsmärkte sind Deutschland (30 Prozent) und die Ostschweiz sowie Liechtenstein (20 Prozent).
Die Studie identifiziert mehrere Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung des Tagestourismus. Neben der besseren Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln – insbesondere durch Kombiangebote mit inkludierten Bus- und Bahntickets, betont Studienautor Roland Scherer auch die Bedeutung digital verfügbarer und sichtbarer Angebote: „Menschen, die zum Wandern nach Vorarlberg kommen, wollen den Tag zum Beispiel mit einem Bergfrühstück starten und vor der Heimreise noch in einer Stadt einkaufen oder in ein Hallenbad gehen. Bestenfalls ist die Anreise bereits inkludiert“.
Tourismusdirektor Christian Schützinger ergänzt: „Wir wollen die Wertschöpfung steigern, nicht die Besucherzahl. Unsere Zielgruppen sind bereit, für hochwertige Angebote mehr Geld auszugeben. Dazu brauchen sie Inspiration, Information und Service.“ Ein bewährtes Instrument zur Besucherlenkung ist die V-CARD, eine Erlebniskarte, die derzeit von Mai bis Oktober gültig ist und über 90 Ausflugsziele umfasst. Für das Jahr 2025 wurden rund 22.000 Karten verkauft, ein Plus von 15 Prozent zum Vorjahr. Vorarlberg Tourismus prüft nun eine Ausweitung auf ein Ganzjahresangebot.




