Es gibt viele Trends, die den Boom von Wanderurlauben erklären: allen voran die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach echten Momenten, nach Einfachheit und Verbundenheit mit der Natur. Die neue Kommunikationsstrategie des Oberösterreich Tourismus bringt das mit „Echt jetzt!“ auf den Punkt. Dahinter steht der Wunsch nach unmittelbaren Erlebnissen und nach dem Unaufgeregten, das hängen bleibt.

Der Begriff Resonanztourismus beschreibt dieses Bedürfnis nach einem intensiveren Urlaubserlebnis. Für Betriebe wird daraus vor allem eine wirtschaftliche Frage: Wie lässt sich aus Wandern mehr machen als nur Bewegung in der Natur?

Das Wanderdorf und die Wertschöpfung

Ein Beispiel dafür ist Bad Kreuzen im Strudengau. 2025 wurde das Kneippkurzentrum als erstes Wanderdorf Oberösterreichs zertifiziert. Seither arbeiten Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und Direktvermarkter enger zusammen: mit gemeinsamen Wanderangeboten, einem gut ausgebauten Wegenetz und abgestimmten Angeboten für Gäste. Ziel ist es, Wertschöpfung in der Region zu bündeln und für mehrere Betriebe gleichzeitig nutzbar zu machen. Im zweiten Jahr liegt der Fokus verstärkt auf kulinarischen Angeboten, die mehrere Betriebe einbinden und den Gästen ein durchgängiges Erlebnis bieten.

Oberösterreich steht auch für Käse, Speck, Fleisch, Brot und Most, für die klassische Jause, die beim Wandern nicht fehlen darf. Genau hier setzt das Angebot „Wandern mit regionalem Picknick“ an. Gäste erhalten einen gefüllten Wanderrucksack mit Produkten aus der Region, von Fruchtmolke über Ziegentopfen bis hin zu Brot, Wurst und Obst. Abgeholt wird der Rucksack bei einem Partnerbetrieb oder im Dorfladen „KuliNAHrium“, bestückt wird er von lokalen ProduzentInnen. Für diese entsteht ein zusätzlicher Absatzkanal, während Gastronomie und Tourismus von einem erweiterten Angebot profitieren.

Entlang der über 100 Kilometer markierten Wege laden ausgewiesene Picknickplätze zum Verweilen ein. Besonders gefragt sind kühlere Routen entlang von Schluchten oder Gewässern; ein Angebot übrigens, das auch im Kontext steigender Sommertemperaturen an Bedeutung gewinnt.

Was unterwegs überzeugt, wird im Anschluss oft direkt bei den Produzenten oder im Dorfladen nachgekauft. Auch Betriebe wie die Speckalm profitieren davon, etwa durch den direkten Kontakt mit den Gästen.

Mehr Gäste, auch aus der eigenen Region

Maria Aichinger vom Tourismusverein Gsund Leben in Bad Kreuzen bestätigt, dass die Wanderdorf-Zertifizierung bereits im ersten Jahr zu einer spürbaren Belebung des Tagestourismus geführt hat. Davon profitieren sowohl Gastronomiebetriebe als auch Direktvermarkter.

Auffällig ist auch die Entwicklung bei den Zielgruppen: Neben klassischen Urlaubsgästen sprechen solche Angebote zunehmend auch Einheimische an. Studien von Oberösterreich Tourismus zeigen, dass rund 80 Prozent der Reisenden im Urlaub regionale Spezialitäten kennenlernen möchten. Gleichzeitig geben etwa 60 Prozent der Einheimischen an, sich stärker für regionale Lebensmittel zu interessieren.

Um die Aufenthaltsdauer zu verlängern, werden die Angebote laufend erweitert. Formate wie das „Steinzeitgrillen“ (siehe Foto oben), mit regionalem Fleisch und inszeniertem Erlebnischarakter, zeigen, wie Kulinarik gezielt zur Profilbildung einer Destination beitragen kann.

Weitere Beispiele aus Österreich

Auch andere Regionen setzen auf die Verbindung von Bewegung und Genuss: In Schlierbach folgt man „dem Käse auf der Spur“, in Kirchdorf stehen Schokolade, Kaffee und Most im Mittelpunkt. Linz kombiniert mit dem Häppchenpass Stadtspaziergänge mit kulinarischen Stationen. Ein Blick über Oberösterreich hinaus zeigt ähnliche Ansätze: Die Zotter-Schleife in der Steiermark verbindet Kulinarik mit Erlebniswelten, in Kitzbühel wird bei der „3-Gänge-Tour“ Menügang für Menügang erwandert. Die Salzburger Almenwanderung wiederum verknüpft ein Netzwerk aus über 40 Almen zu einem durchgängigen Angebot.

Das gemeinsame Prinzip dahinter: Kulinarik wird nicht nur konsumiert, sondern gezielt als Teil des touristischen Angebots eingesetzt und schafft zusätzliche Einnahmen für mehrere Betriebe entlang der Strecke. Voraussetzung dafür ist eine funktionierende Zusammenarbeit und ein klar abgestimmtes Angebot.
Text: Claudia Schallauer