Wie Gastronomie Ortskerne belebt
Was Toni Mörwalds neues Projekt über Standortstrategien, Ganzjahresbetrieb und unternehmerische Führung verrät. Mit Podcastfolge!
Ortskerne verlieren an Bedeutung, Betriebe ziehen sich zurück, Saisonmodelle geraten unter Druck. Mörwald wählt einen anderen Weg. Mit dem Mörwald Gutshof mitten in Feuersbrunn investiert er im Zentrum, ganzjährig und kapitalintensiv. Der im Juni 2025 eröffnete Hospitality-Hub mit Hotel, Gastronomie und Handel läuft nach sechs Monaten bereits über Plan.
Standortstrategie: Ortskern
Während vielerorts Ortszentren an Funktion verlieren und Gemeinden in die Breite wachsen, steigen Infrastrukturkosten und Wege werden länger. Mörwald positioniert sich dagegen: „Wir bleiben im Zentrum.“ Sein Credo: Wenn möglich, sollen Betriebe als aktive Ortsentwickler agieren, nicht als Mieter. Ein Ansatz, der in der Praxis meist nur für bereits etablierte Gastronomen wirtschaftlich stemmbar ist. Mittlerweile befinden sich 18 von 180 Häusern in Feuersbrunn im Besitz der Unternehmensgruppe. Für den Mörwald Gutshof wurden neben dem Kaufhaus u.a. auch die alte Post und ehemalige Bankflächen saniert und neu strukturiert. Das Ergebnis ist mehr Nutzfläche (von 2.000 m2 auf 3.000 m2 vergrößert), bei gleichzeitiger Entsiegelung und ein klares Ziel bei der Planung: Jedes Zimmer mit Grünblick, trotz Ortskernlage. „Wenn Gäste aufs Land fahren, wollen sie im Grünen sein. Dafür muss man nicht irgendwo draußen neu bauen“, erklärt Mörwald.
Langlebigkeit durch Beziehungen
Technisch wurde umfassend investiert (Tiefenbohrung, Photovoltaik, dreifach verglaste Holzfenster). Entscheidender ist für Mörwald jedoch die Struktur dahinter. Eingespielte regionale Partner, kurze Wege, persönliche Beziehungen waren die Basis: „Wir kaufen nicht anonym. Wir kaufen bei Menschen, die wir kennen.“ Trotz Fachkräftemangel wurde mit stabiler Mannschaft eröffnet. Mörwalds Ansatz für Mitarbeiterführung ist klare Richtung, Energie und Begeisterungsfähigkeit. „Wenn man Fokus hat, muss man ihn verbreiten und Menschen so mitnehmen, dass sie aufspringen.“ In der Unternehmensgruppe zeigt sich das mit langfristiger Betriebszugehörigkeit, teilweise bereits in zweiter Generation.
Steigende Kosten und Regulierung machen saisonale Modelle zunehmend fragil. Mörwald plädiert für Vorgaben-Entlastung und ganzjährige Konzepte, die sich gegenseitig tragen.
Die weltweite Sichtbarkeit der Mörwald-Häuser ist eng mit der Mitgliedschaft bei Relais & Châteaux verbunden. Für Mörwald ist dieser Zusammenschluss weniger Marketinginstrument als langfristiges Qualitäts- und Netzwerkmodell. Die Zugehörigkeit dient als Orientierungshilfe für Gäste – was auch Star-Gäste in den Wagram verschlägt. Darunter kürzlich das Bond-Girl Léa Seydoux. Das ist für Toni Mörwald kein Zufall: „Das ist der Effekt von langfristiger Markenarbeit. Solche Dinge lassen sich nicht planen. Sie entstehen über Vertrauen und Wiedererkennbarkeit.“
Ausblick
Weitere Projekte sind bereits geplant, darunter Lodges in den Kellergassen ab 2026. Für die Umsetzung musste erstmals ein eigener rechtlicher Rahmen geschaffen werden, um touristische Nutzung zu ermöglichen, ohne die Kellergassen strukturell zu überformen. Neue touristische Formate entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie brauchen, genau wie der Mörwald Gutshof, unternehmerische Klarheit, langfristige Investitionsbereitschaft und Verantwortung für den Standort.
Hier geht es zur Podcastfolge mit Toni Mörwald (Folge 49):
www.gast.at/podcast-tourismus




