Lage in der Schweiz: 40 Prozent vor dem Konkurs

Gastronomie
25.03.2021

 
Die Schweizer Betriebe hatten auf eine Öffnung zumindest der Gastgärten gehofft. ­Daraus wurde nichts. Unser Gastautor Reto E. Wild, Chefredakteur des „GastroJournal“ in Zürich, hat die Stimmung zusammengefasst.
In der Schweiz ist es verboten, auf einer Restaurantterrasse zu viert und unter Schutzkonzepten zu essen, während es erlaubt ist, privat in Innenräumen gemeinsam zu zehnt zu essen.
In der Schweiz ist es verboten, auf einer Restaurantterrasse zu viert und unter Schutzkonzepten zu essen, während es erlaubt ist, privat in Innenräumen gemeinsam zu zehnt zu essen.
Reto E. Wild ist Chefredakteur des Fach- und Verbandsmagazins „GastroJournal“ in Zürich.
Reto E. Wild ist Chefredakteur des Fach- und Verbandsmagazins „GastroJournal“ in Zürich.

Die Enttäuschung in der Schweizer Gastronomiebranche ist riesig: Am 19. März 2021 informierte die Schweizer Regierung entgegen ersten Versprechungen, die meisten Öffnungsschritte zu verschieben, womit Restaurants und Bars seit dem 22. Dezember 2021 geschlossen bleiben müssen. Sie dürfen bis auf Weiteres weder den Innen- noch den Außenbereich mit Terrassen öffnen. Einzig die Fünf-Personen-Regel im Privaten ist gefallen. Seit dem 22. März können sich privat zehn Personen treffen. Erst am 14. April wird der siebenköpfige Bundesrat über das weitere Vorgehen entscheiden. 

Entsprechend verärgert zeigt sich Casimir Platzer, Verbandspräsident von GastroSuisse mit seinen ca. 20.000 Mitgliederbetrieben: „Das ist absolut enttäuschend und nicht nachvollziehbar“, sagt er. Damit ignoriert der Bundesrat den Wunsch der Bevölkerung, deren Mehrheit für eine sofortige Öffnung der Restaurants ist. Die 26 Schweizer Kantonsregierungen unterstützten einstimmig die Öffnung der Außenbereiche, die Hälfte beantragte sogar, dass auch die Innenbereiche wieder geöffnet werden. 

Ungleichbehandlung der Gastronomie

Konkret heißt das: Es bleibt in der Schweiz verboten, auf einer Restaurantterrasse zu viert und unter Schutzkonzepten zu essen, während es erlaubt ist, privat in Innenräumen gemeinsam zu zehnt zu essen. Innenminister Alain Berset von der Sozialdemokratischen Partei, der als Treiber der Schweizer Coronapolitik gilt, begründet den Branchenlockdown mit den steigenden Coronazahlen, die sich von täglich um 1.000 von Mitte Februar bis zum 4. März auf zuletzt 1.700 erhöht haben. Er verschweigt aber gleichzeitig, dass in der Schweiz massiv mehr getestet wird. 

Die Schweizer Gastronomie leidet darunter, dass die Linke weiterhin die Betriebe geschlossen haben möchte (Fachgeschäfte und Supermärkte sind allerdings geöffnet), während die Rechte bei den Auszahlungen spart. Das Ergebnis: Jeder fünfte Betrieb musste bereits dichtmachen. Weitere 20 Prozent im Gastgewerbe stehen kurz davor. Der Bund hat eine Nothilfe von zehn Milliarden Franken ausgesprochen, die über die jeweiligen Kantone ausbezahlt werden. Bis jetzt sind aber erst Millionen und nicht Milliarden geflossen. Und eine Planungssicherheit ist weit entfernt. 

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