Als Transgourmet Österreich vor einigen Jahren mit Smart Cuisine eine eigene Convenience-Linie jenseits der Tiefkühltruhe präsentierte, gab es eine klare Erwartungshaltung: frisch zubereitete, HACCP-konforme Gerichte aus kleinen Profiküchen sollten genau jene Betriebe entlasten, denen am Wochenende oder in Stoßzeiten das Küchenpersonal fehlt. Der Bedarf dafür ist unbestritten, das wissen wir alle: 82 Prozent der Gastronomie- und Hotelbetriebe in Österreich berichten von Fachkräftemangel, in Tourismusregionen wie Tirol, Salzburg und Vorarlberg ist die Lage besonders angespannt.
Das Wachstum bei Smart Cuisine blieb dennoch hinter den Erwartungen zurück. Manuel Hofer, seit Anfang 2026 zu 100 Prozent in der Geschäftsleitung Einkauf von Transgourmet Österreich, verantwortete das Sortiment zuvor beim Zentraleinkauf Top-Team, das nun vollständig in Transgourmet Österreich aufgegangen ist. Hofer nennt für das schleppende Wachstum von Smart Cuisine zwei Gründe: Das Produkt sei erklärungsbedürftig, und die Integration in bestehende Küchenabläufe gestalte sich schwieriger als gedacht. Der Fall zeigt exemplarisch, wo die Convenience-Logik an ihre Grenzen stößt. Ist bereits Fachpersonal in der Küche vorhanden, kollidieren die höheren Einkaufspreise der High End-Convenience-Produkte mit den ohnehin laufenden Lohnkosten. Erst wenn ein Betrieb an bestimmten Tagen komplett ohne Koch auskommen muss, etwa an Ruhetagen oder in Seminarhotels mit einfachen Mittagsmenüs, rechnet sich der Umstieg.

Der Umweg, der sich rechnet
Während die hauseigene Frischelinie also erst ihren Platz finden muss, wächst das klassische Convenience-Geschäft breiter. Rund 43 Prozent der Gastronomiebetriebe greifen laut Marktdaten gelegentlich bis regelmäßig auf Convenience-Produkte zurück, in der Hälfte der Betriebe dienen sie als Basis für ein Gericht oder werden weiterverarbeitet. Auffällig: Einfache Betriebe setzen mit 34 Prozent deutlich häufiger auf Convenience als gehobene Häuser mit 20 Prozent. Bei Transgourmet Österreich liegt der Convenience-Anteil am Gesamtumsatz bei rund sieben Prozent, mit dem größten Volumen in Fleisch, Obst und Gemüse sowie Käse.
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Dass sich der höhere Einkaufspreis wirtschaftlich lohnen kann, zeigt ein Beispiel, das Hofer selbst zunächst skeptisch sah: tiefgekühlte, halbierte und entkernte Avocados. Frische Avocados haben ein enges Reifefenster und werden häufig entsorgt, bevor sie verarbeitet werden können. Bei der tiefgekühlten Variante entnimmt der Gastronom exakt die benötigte Stückzahl, ohne Bruch oder Verderb. Der Mehrpreis beim Einkauf wird durch den Wegfall von Abfall und Vorbereitungszeit kompensiert.
Wettbewerb und Eigenmarken wachsen parallel
Transgourmet Österreich ist mit dieser Strategie nicht allein. Auch die Mitbewerber Metro Österreich und Kastner bauen ihre Convenience-Sortimente gezielt aus, Kastner mit einem eigens abgestimmten Angebot für Trockensortiment, Frische und Bistro. Der Wettbewerb um die schnellste Antwort auf den Personalmangel verschärft sich damit branchenweit.
Parallel dazu wachsen die beiden Eigenmarken Economy und Natura von Transgourmet auf den ersten Blick gegensätzlich: Die Einstiegspreislinie Economy legte um 23 Prozent zu, die Biolinie Natura um fast 22 Prozent. Hofer erklärt das mit einer Kombination aus anhaltendem Preisfokus und einem parallel bestehenden, ungebrochenen Nachhaltigkeitstrend. Betriebe kombinierten demnach gezielt Einstiegspreisprodukte mit hochwertigeren Artikeln zur Differenzierung.
Beim Anteil heimischer Rohstoffe zeigt sich eine weitere Grenze. Beim Rindfleisch liegt der österreichische Anteil bei rund 80 Prozent, ähnlich hoch fällt er bei saisonalem Obst und Gemüse aus. Bei verarbeiteten Fertigprodukten mit vielen Einzelkomponenten wird eine durchgängig heimische Herkunft deutlich schwieriger. Nicht die Verfügbarkeit sei das Problem, sondern die Vielfalt der Rezepturbestandteile, so Hofer.
Automatisierung als nächste Stufe
Für die kommenden Jahre erwartet Hofer eine Fortsetzung dieser Entwicklung sowie einen stärkeren Trend zur Automatisierung in der Zubereitung. Erste Beispiele dafür gibt es bereits im deutschsprachigen Raum: Kochroboter sind seit rund zwei Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Einsatz, ein Modell des Anbieters Aitme bereitet bis zu 60 Essen pro Stunde zu und benötigt dabei nur einen Bruchteil einer Vollzeitstelle. Auch etablierte Küchentechnik-Hersteller wie Rational rüsten auf, ihre Gartechnik lässt sich mittlerweile per Smartphone steuern und überwachen.
Gleichzeitig betont Hofer, dass Transgourmet Österreich weiterhin auf eine individuelle, an österreichischen Rohstoffen orientierte Küche setzen wolle. Mit einem Netto-Umsatz von 910,2 Millionen Euro im Jahr 2025 und einer gezielten Investition von 50 Millionen Euro in den Standort Österreich verfügt der Großhändler über den finanziellen Spielraum, beide Strategien parallel zu verfolgen.
