In Kematen bei Innsbruck errichtet Gastro-Großhändler Transgourmet seinen ersten Standort in Österreich, der komplett auf eine Cash-and-Carry-Fläche verzichtet. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten läuft der Innenausbau, eine Baustellenparty mit Projektpartnern markierte kürzlich den nächsten Meilenstein. Anfang August sind erste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingezogen, Mitte September beginnt der Testbetrieb. Die offizielle Eröffnung ist für den 30. September vorgesehen.
„Mit dem Start des Innenausbaus nimmt unser neuer Standort nun auch im Inneren Gestalt an“, sagt Daniel Herb, Standortgeschäftsleiter von Transgourmet Innsbruck-Kematen, im Gespräch mit der ÖGZ. Der 31-jährige gebürtige Allgäuer, der das Projekt seit dem vergangenen Jahr leitet, formuliert es im Gespräch deutlicher: Der neue Standort sei „ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung von Transgourmet in Tirol“.
Warum Kematen keinen
Markt bekommt
Die Entscheidung gegen eine Verkaufsfläche ist keine Sparvariante, sondern folgt einer Beobachtung, die man im Großhandel aus dem Tagesgeschäft kennt: Die Abholung durch die Kundschaft geht branchenweit zurück, die Zustellung nimmt zu, und in Tirol war dieser Trend ohnehin schon ausgeprägter als anderswo. Der Struktur der Täler ist es geschuldet, dass eine längere Anfahrt zum C&C-Markt des Vertrauens schlicht zu unattraktiv geworden ist. „Die Betriebe lassen schon sehr, sehr gern zustellen“, sagt Herb.
Bislang wurden Innsbruck und sein Umland von einem kleinen Verteilerzentrum aus versorgt, das seinerseits nachts per Sattelschlepper aus Salzburg beliefert wird. Die Kapazität dafür ist inzwischen ausgereizt, in die entlegeneren Täler des Oberlands konnte Transgourmet bislang kaum vordringen. Mit dem neuen Standort aber ändert sich das : Nach der Eröffnung soll von Kematen aus jede Postleitzahl erreichbar sein.

Insgesamt investiert Transgourmet rund 28 Millionen Euro in den Standort. Zum Start entstehen 50 Arbeitsplätze, im Vollbetrieb sollen es bis zu 150 werden, verteilt auf Logistik, Außendienst und Vertriebsinnendienst. Der größte Block sind Kraftfahrer, Kommissionierer, Staplerfahrer und Lagermitarbeiter, ergänzt durch einen regionalen Außendienst, der teils aus gelernten Köchinnen und Köchen besteht. Mitarbeiter zu finden, sei anspruchsvoll, aber machbar, sagt Herb: „Die Riesenchance, von Anfang an dabei zu sein, einen Standort aufzubauen, das zieht schon bei vielen. Diese Chance hat man nicht oft im Leben!“
Genussquartier statt Regalreihen
Weil eine Verkaufsfläche fehlt, um Sortiment und Marken erlebbar zu machen, hat Transgourmet im Obergeschoss ein sogenanntes Genussquartier eingeplant. Es sind mehr als 200 Quadratmeter, die als Bühne für die eigenen Vertriebsschienen dienen sollen. Herzstück ist eine Showküche mit eigener Kochinsel und einer kleinen Tribüne davor, auf der Gäste geladenen Köchinnen und Köchen beim Live-Cooking zusehen können. Dazu kommt eine Bar mit zwei Siebträgermaschinen für Barista-Schulungen sowie ein Bereich für Wein- und Spirituosenverkostungen. Im Außenbereich ist ein Grillbereich vorgesehen. „Es ist ein Platz, wo die Gastronomie zusammenkommen kann und das leben kann, was sie alle lieben, nämlich den Genuss“, beschreibt Herb die Idee. Eine externe Vermietung an Dritte ist nach aktuellem Stand nicht vorgesehen, das Quartier soll vor allem eigenen Kundenveranstaltungen, Schulungen und Industriepartnern vorbehalten bleiben.
Regionale Wertschöpfung
Mehr als die Hälfte der Investitionssumme fließt bzw. floss an Tiroler Unternehmen. Der regionale Anspruch endet aber nicht beim Bau, sondern soll sich im Sortiment fortsetzen. Obst und Gemüse sollen künftig von einem Tiroler Betrieb kommen, Convenience-Produkte vom nahegelegenen Niederwieser in Mutters, Fleisch- und Wurstwaren von den Tiroler Anbietern Juffinger, Pfluger und Ager. Ganz komplett ist dieses Netzwerk nach eigener Aussage aber noch nicht: „Das müssen wir uns erst aufbauen, das wächst mit der Zeit“, räumt Herb ein.
Auch beim Energiekonzept setzt man auf Effizienz. Der Betrieb kommt künftig nahezu ohne externe Energiezufuhr aus. Ergänzt wird das Konzept durch eine rund 600 Quadratmeter große Photovoltaikanlage auf dem Dach, Teile der übrigen Dachflächen werden begrünt und zur Wasserrückhaltung genutzt. Es ist alles angerichtet. ■