Hotelmarkt Innsbruck: Da kann Bewegung rein

Innsbruck
19.04.2017

Von: Thomas Askan Vierich
Eine Hotelstudie im Auftrag der Stadt Innsbruck attestiert Handlungsbedarf.
Die Innenstadt von Innsbruck

Seit Monaten streitet die Branche in Innsbruck, ob das geplante 600-Betten-Hotel P3 (als Motel One) von Investor Markus Schafferer am Hauptbahnhof die Zimmerpreise in Tirols Hauptstadt kaputtmachen und zu einem Verdrängungswettbewerb am Markt führen würde. Auch deshalb hat die Stadt Innsbruck eine Aktualisierung ihrer mehr als zehn Jahre alten Hotelmarktstudie vorgenommen.

Diese Studie analysiert Trends in der internationalen Hotellerie und gibt eine Prognose für die Entwicklung des Innsbrucker Marktes ab. Innsbruck ist im österreichischen Benchmarkvergleich aktuell sehr erfolgreich bei den erzielten Auslastungen (62 %), der Hotelmarkt wächst mit 8 % in den letzten zehn Jahren aber auch deutlich geringer als in anderen Städten (Graz und Salzburg 20 %, Wien rund 60 %), parallel verlief auch die Steigerung der Nächtigungen trotz des generellen Booms des Städtetourismus in Innsbruck verhaltener, am dynamischsten in der Drei-Sterne-Hotellerie.

2.200 zusätzliche Betten

Generell werde der Hotelmarkt zumindest leicht wachsen (müssen) und in den nächsten zehn Jahren zusätzliche 1.600 Betten brauchen. Wenn der Markt dynamischer wachse, wären sogar 2.800 Betten notwendig. Am wahrscheinlichsten seien laut Studienautoren 2.200 zusätzliche Betten. Kritisch sehen die Autoren das Fehlen von Leitbetrieben sowie internationalen Markenhotels und einen Investitionsstau in den niedrigeren Beherbergungskategorien. Und wie überall ist auch in Innsbruck die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zu kurz. Die Innsbrucker Hotellerie sei „tendenziell konservativ“ ausgerichtet mit noch vergleichsweise geringer Diversifikation bei den Hotelkonzepten. Auch gebe es mit nur einem klassifizierten Fünf-Sterne-Haus (Grand Hotel Europa) und dem etwas in die Jahre gekommenen Hilton zu wenige Spitzenhäuser. Die relative Kleinteiligkeit und geringe Betriebsgröße der Betriebe stelle einen Wettbewerbsnachteil bei der Akquise und Durchführung von internationalen Kongressen, Messen und Großveranstaltungen dar.

Durchaus Bedarf für Motel One

Zu den Trends sagt die Studie, dass Gäste vermehrt maßgeschneiderte Angebote suchen würden. Das eröffne Marktchanchen für genau positionierte Hotelmarken, vor allem im Bereich Lifestyle/Budget- und Boutique-Hotellerie. 
Hier würde also das kritisierte Motel-One-Projekt von Markus Schafferer durchaus passen. Damit würde es auch zu keinem Preisdumping kommen, wie die „Tiroler Tageszeitung“ nachgerechnet hat: Man bekomme in Innsbruck schon jetzt am Wochenende in einem Vier-Sterne-Hotel ein Doppelzimmer zwischen 70 und 85 Euro – also ungefähr in der Preisrange von Motel One. Auch die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass „unter wirtschaftsräumlichen Gesichtspunkten“ die vorliegenden Projektanträge für Hotel-Neuentwicklungen „kompatibel“ seien – ohne eine „notwendige raumordnungssachliche Prüfung durch die jeweiligen Behörden“ vorwegnehmen zu wollen.