ÖHV-Veit: "Als Präsident bin ich vielleicht streitbarer"

Interessensvertretung
26.01.2022

 
Im ÖGZ-Antrittsinterview spricht der neue ÖHV-Präsident Walter Veit über seinen Pandemie-Zweckoptimismus, warum er bei mancher politischen Umsetzung auf die Grünen hofft und wo er neue Akzente setzen will
Walter Veit, ÖHV-Präsident

Herr Veit, bei Ihrem Antritt als ÖHV-Präsident präsentierten Sie eine Mitglieder-Umfrage, die eine so schlechte Stimmung wie schon lange nicht mehr zeigt. Trotzdem sagen Sie: Wir schaffen das! Was stimmt Sie optimistisch?
Walter Veit: Zweckoptimismus ist sehr wichtig. Das mache ich auch im eigenen Betrieb. Wir müssen durch diese schwierige Situation einfach durch. Nach 38 Jahren in der Branche habe ich vielleicht eine gewisse Gelassenheit, die jüngere nicht haben. Das Wichtigste ist, dass wir als Interessenvertretung schauen, dass die Hilfen dort ankommen, wo sie gebraucht werden. 

Wenn Sie sich von der Regierung etwas wünschen dürften. Was wäre das?
Der Wunsch ist gar nicht unerfüllbar (lacht)! Ich wünsche mir eine Einbindung von Experten aus der Hotellerie, damit keine weltfremden Erlässe und Verordnungen entstehen wie die Gästevertreibung durch die 22-Uhr-Sperrstunde oder das Kurzarbeitsmodell 5, das wieder komplett umgestaltet wurde und für unsere Betriebe die Anträge schwieriger macht. 

Sie berichten, dass 68 Prozent noch auf Hilfen der Cofag warten.
Es sind noch durchschnittlich 400.000 Euro pro Hotel an Hilfsgeldern der Cofag ausstehend. Ich frage mich: Warum ist das so kompliziert? Wo ist da die große Befürchtung, dass da betrogen wird? Wenn ich als Unternehmer was unterschreibe, dann weiß ich, dass ich bei falschen Angaben eben unter Umständen bald gesiebte Luft atme. Wenn ich eine Steuerprüfung bekomme, wird ja auch alles genau geprüft. 

Es gibt derzeit wohl ein Verlangen aus der Bevölkerung, dass genau geschaut wird, ob die Hilfsgelder des Staates auch richtig verwendet werden. Sie kennen ja den Vorwurf, dass größere Tourismusbetriebe überfördert wurden. Wären wir eingebunden gewesen, hätten wir der Regierung auch gesagt, dass man sich hier das deutsche Modell hätte ansehen müssen. Dort gab es keine Überförderung, weil es gedeckelt war. Ich kenne in Salzburg etliche kleine Hoteliers und Gastronomen, die zittern sich durch. Davon ist keiner überfördert worden. 

Die Großen wurden besser unterstützt als das klassische KMU?
Was ist schon groß? So einfach ist das alles nicht. Ein Pinzgauer Kollege mit 250 Mitarbeitern war natürlich schnell mal mit den Hilfen durch. Bei Großen, die in einer GmbH organisiert sind, stand man schnell an. Eine Kette mit 20 Gesellschaften stieg besser aus. Ich frage mich, wieso man einen Pizza-­Abholdienst, Starbucks oder McDo­nald’s bei Rekordumsätzen mit Hilfen versorgt. Manche haben mit Take-away gut verdient. 

Sie übernehmen von Vorgängerin Michaela Reitterer eine durchaus aktive Interessenvertretung. Wo gehen Sie ihren Pfad weiter, und wo setzen Sie eigene Akzente? Stimmt der Eindruck, dass Sie streitbarer als Ihre Vorgängerin sind? 
Michi Reitterer hinterlässt jedenfalls große Fußstapfen. Natürlich setzt jeder Präsident auch persönliche Akzente. Aufgrund ihres eigenen ökologisch vorbildlichen Unternehmertums hatte meine Vorgängerin oft auch hier Schwerpunkte gesetzt. Ich bin da mehr der Zahlenmensch. Seit der Regierung Kreisky interessiere ich mich für Steuerthemen. Vielleicht bin ich in diesem Punkt streitbarer. Darum ist für mich die Reduzierung der AfA auf 25 Jahre zentral. Es ist zwar schön, wenn wieder eine kleine KÖSt-Senkung kommt, aber die hilft uns weniger als eine gescheite Lösung bei der AfA. Wir zahlen auch gerne vernünftige Steuern von ehrlich erarbeiteten Gewinnen. Darum hatte ich auch große Hoffnungen in die grüne Regierungsbeteiligung und in die ökosoziale Steuerreform gesetzt. Wir brauchen mehr netto vom brutto, das Versprechen hat die Regierung aber nicht gehalten! Es muss aufgehört werden, dass immer auf Arbeitskräfte Steuern auferlegt werden. 

Wenn Sie Hoffnungen in die Grünen setzen, um die Lohnnebenkosten zu senken, stellt sich die Frage, ob die ÖVP die Interessen der Tourismuswirtschaft vergisst? 
Ehrlicherweise muss man das mit Ja beantworten. Die ÖVP ist seit Jahrzehnten in der Regierung und hat in dieser Zeit immer wieder Steuern auf die Arbeitskraft gesteigert oder auch die 13 Prozent Mehrwertsteuer für die Hotellerie mitgetragen. Man muss das Steuersystem endlich mal umstellen. Klar, der Staat braucht Geld. Aber man muss endlich mal damit anfangen, von der Lohnsteuer und auch von den Kassenbeiträgen etwas wegzunehmen. Wir brauchen eine vernünftige Steuerreform, die das Wort ökosozial verdient. Höhere Steuern auf Energie sollen eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten bewirken. Das hilft uns dann beim Thema Fachkräfte weiter, weil die Arbeitskräfte letztlich davon profitieren. 

Es gab mal die Idee, aus Kroatien Saisonarbeitskräfte für den Winter zu rekrutieren. Ist das strategische Anwerben von Leuten aus Sommerurlaubsdestinationen ein Thema?
Wir leben in einer Situation, wo etwa der Staat Kroatien bereits versucht, dass man dort die Leute über Unterstützungen im Land hält. Man hat Angst, dass die sonst nicht wieder kommen. Ich habe zwei Spanierinnen in meinem Hotel, die im Winter bei mir sind. Die beiden kommen strahlend zur Arbeit, verdienen gutes Geld, und das macht auch mich glücklich. Man freut sich über jede Fachkraft. Das Thema Arbeitsmarkt ist darum auch ein zentrales. Es geht auch um die Frage, wie wir als Branche uns verbessern können, um attraktiver zu werden. Viele Betriebe bieten schon sehr viel für ihre Mitarbeiter, diese sollten wir uns alle zum Vorbild nehmen.

Zur Person

Walter Veit stieg 1983 als Quereinsteiger in die Hotellerie ein. Gemeinsam mit seiner Frau baute er das Hotel Enzian in Obertauern zu einem 130-Betten-Haus aus, er betreibt eine Ski-Bar und seit 2000 auch eine Tischlerei. Veit bezeichnet sich selbst als Vollblutunternehmer, war Aufsichtsrat der Hogast sowie unter Michae­­la Reitterer bereits einer der Vizepräsidenten der ÖHV. Mit 17. Jänner übernahm er die Präsidentschaft von Reitterer, die sich nach der maximalen Amtszeit von neun Jahren zurückzieht.