Mehr Gäste wegen Inflation?

Tourismus
12.04.2022

Der Ukrainekrieg trübt die touristische Aufbruchsstimmung. Die Hoffnung auf einen guten Sommer bleibt – ein Grund dafür ist, scheinbar paradox, die Inflation.
Die Inflation wird das Konsumverhalten ändern.
Die Inflation wird das Konsumverhalten ändern. 

Eigentlich standen die Zeichen auf Aufschwung. Markt- und Konsumdaten ließen erwarten, dass der Sommer touristisch ein guter werden würde. Dass der Krieg in der Ukraine den sonnigen Aussichten einen groben Dämpfer verschaffte, war bereits Teil einiger Analysen. Das Zusammentreffen von Pandemie und einem Krieg am Kontinent ist einmalig – warum sich auch das WIFO zurückhaltend bei der Einschätzung zeigt.

Tourismusexperte Oliver Fritz rechnet damit, dass die indirekten Effekte weit bedeutender sein werden als die direkten (also der Wegfall von Gästen aus den Kriegsgebieten und verhinderte Reiselust). Vor allem die Teuerung, die wegen der Energiepreise übers Jahr gesehen hoch bleiben wird, stellt ein Risiko dar.  

Forderungen der Branche

Gerade energieintensive Tourismusbetriebe, wie Thermen oder Großküchen mit Kühlräumen, sind zuletzt unter Druck geraten. Tourismus-Spartenobmann Robert Seeber fordert darum gezielte Entlastungsmaßnahmen, wie etwa einen Energiekosten-Zuschuss oder die Senkung der Mineralölsteuer, aber auch eine schnellere Umsetzung der ökosozialen Steuerreform. Diese gesellen sich auf eine bereits recht lange Liste an Forderungen, die man bereits an die Regierung übermittelt hat: etwa eine Durchhalteprämie für besonders betroffene Betriebe, eine Recovery-Starthilfe für die ersten Monate nach der Wiedereröffnung oder einen Comeback-Bonus für Mitarbeiter.

Die wohl wichtigste Forderung: Ein klares Bekenntnis der Politik, dass es keine weiteren Lockdowns mehr geben wird. Auf Nachfrage hört man  aus dem Munde des Branchensprechers die Forderung nach einer Umsetzung der Impfplicht, um für den Herbst gewappnet zu sein.

Bei allen Negativmeldungen der vergangenen Wochen, gibt es (zumindest wirtschaftlich) auch eine Art Hoffnungsschimmer. Denn die höhere Preissensibilität, aufgrund der hohen Inflation, könnte laut WIFO auch durchaus dazu führen, dass die europäische Binnendestination Österreich in diesem Sommer zulasten teurer Fernreisen durchaus profitieren könnte.