Ein Gasthaus ohne Dach, eine Straße ohne Brücke, ein Land ohne Gäste. 1946. Genau in diesem Jahr wird die ÖGZ gegründet, mitten in einer Tourismuswirtschaft, die in Trümmern liegt und damals noch „Fremdenverkehr“ hieß. Kriegsschäden und Reisebeschränkungen erschwerten jede Form von Gastbetrieb. Trotzdem herrschte unter den Pionieren jener Zeit ein Optimismus, der bis heute als Grundkonstante der Branche erkennbar ist. Wer damals ein Hotel oder Gasthaus führte, musste improvisieren, und genau diese Improvisationsfähigkeit meldete sich Jahrzehnte später pünktlich zurück, während der Lockdowns etwa, deren Wirkung sich mit den Reisebeschränkungen der Nachkriegsjahre durchaus vergleichen lässt.
Schon in den 1950er-Jahren übernahm das Kino die Vermarktung des Landes, ohne dass jemand das Wort „Content Marketing“ gebraucht hätte. Heimatfilme verkauften Österreich als Sehnsuchtsort, lange bevor es Algorithmus oder Mediaplan dafür gab. Die Branche hat also früh gelernt, dass die beste Werbung jene ist, die niemand als Werbung erkennt.

Schon 1965 fehlte das Personal von morgen

„SOS, zu wenig Personal.“ Ein Notruf, abgedruckt in der ÖGZ der 1960er-Jahre. Die Einführung der 45-Stunden-Woche 1959 und später der 40-Stunden-Woche verschärfte das Problem zusätzlich, weil weniger Arbeitsstunden pro Kopf bei gleichzeitig steigender Nachfrage automatisch mehr Personal erforderten. Was heute als akute Krise diskutiert wird, ist tatsächlich ein Dauerthema, das sich über sieben Jahrzehnte zieht und bislang nie wirklich gelöst wurde.

Werbung
Die digitale Zukunft der Gastronomie mit DISH by METRO
DISH bietet maßgeschneiderte digitale Lösungen für Gastronomiebetriebe – von der professionellen Website über Reservierungsmanagement bis hin zu mehr Sichtbarkeit im Netz.
mehr erfahren
Vergilbtes Papier, aktuelle Themen: Ein Blick ins ÖGZ-Archiv zeigt, dass viele Schlagzeilen von heute schon vor Jahrzehnten gedruckt wurden. Personalnot, Bürokratie und neue Technologien beschäftigten die ÖGZ-Redaktion schon immer.. (C) ÖGZ-Archiv

Eng damit verknüpft ist die zweite Konstante der Branchengeschichte: der Anspruch an Qualität. Vom Massentourismus der 1970er-Jahre bis zur heutigen Qualitätsoffensive gilt ein einfacher Grundsatz: Wer mit den steigenden Erwartungen der Gäste nicht Schritt hält, verschwindet vom Markt. Qualität ist auch heute eine Überlebensbedingung.

Bombenschäden im Gründungsjahr. Die Öl- und Benzinkrise 1973. Der Weinskandal 1985. Politische Boykottaufrufe im Jahr 2000. Die Euro-Einführung 2002. Zuletzt die Pandemie und der Ukraine- und Iran-Krieg. Jedes dieser Ereignisse wurde zu seiner Zeit als existenzbedrohend empfunden, jedes wurde überstanden. Diese Resilienz lässt sich aber kaum besser zusammenfassen als mit einem Satz, der die Branche seit ihren Gründerjahren begleitet: Eine intakte Natur können wir nirgendwo nachkaufen. Bereits 1970, im Kampf gegen den Kupfer-Bergbau in Kitzbühel, war klar, dass der Schutz der natürlichen Ressourcen keine ökologische Nebensache ist, sondern die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolgs. Der Gedanke war, rückblickend betrachtet, seiner Zeit erstaunlich weit voraus.

Neue Technologien: Ja, muss das denn sein?

Ein Gast legt eine Kreditkarte auf die Schank, der Wirt schaut, als hätte er Monopoly-Geld vor sich. „Unerwünscht“, hieß es damals über das neue Zahlungsmittel in der heimischen Gastronomie.
Heute ist ein Betrieb ohne digitale Zahlungssysteme, Online-Vertrieb und Buchungssoftware kaum mehr vorstellbar. Der 2016 beschriebene Trend, dass alles digitalisiert wird, was sich digitalisieren lässt, hat sich seither noch einmal deutlich beschleunigt. Künstliche Intelligenz in Buchungssystemen, die Dominanz großer Plattformen und digitale Dokumentationspflichten gehören mittlerweile zum betrieblichen Alltag.
Parallel dazu bleibt das Verhältnis zwischen Branche und Gesetzgeber angespannt. Klagen über Steuerreformen, die Registrierkassenpflicht, das Rauchverbot und zunehmende Auflagen ziehen sich durch die Jahrzehnte und haben sich in der jüngeren Vergangenheit weiter fortgesetzt. Das Ringen zwischen unternehmerischer Freiheit und politischen Vorgaben hat sich nie wirklich entspannt, es hat lediglich seine konkrete Form verändert.

Vom Skiurlaub zur Selbstfindung

Der 2016 beobachtete Trend zur Sinnorientierung, zu Angeboten für Körper, Geist und Seele, ist heute Standard geworden. Regionalität ist längst kein Marketinginstrument mehr, sondern eine bewusste Positionierung gegenüber globalisierten Reisemustern. Gäste suchen Authentizität, nicht Beliebigkeit, und Betriebe, die dieser Erwartung gerecht werden, profitieren davon nachhaltig.

Wer heute durch das Archiv blättert, findet Schlagzeilen, die sich fast wortgleich auch in dieser Ausgabe drucken ließen. Nur das Datum darüber ist neu. Eine Branche, die sich ständig neu erfindet, erzählt am Ende doch immer dieselbe Geschichte, nur mit anderen Namen und anderen Zahlen. Es wird nie langweilig. Dass die ÖGZ diese Geschichte(n) seit 80 Jahren aufschreiben darf, verdankt sie ihren Leserinnen und Lesern, die ihr genauso lange die Treue halten. Das soll an dieser Stelle auch einmal gesagt werden.