Die Lage am heimischen Arbeitsmarkt bleibt für die Betriebe angespannt. Für neun von zehn Unternehmen ist es im Vergleich zum Vorjahr schwierig, geeignetes Personal zu finden. Das geht aus der aktuellen „Austrian-Business-Check“-Umfrage des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV1870) hervor. Demnach schätzen 64 Prozent der Befragten die Situation als unverändert schwierig ein, 24 Prozent sogar als schwieriger. Lediglich acht Prozent der Unternehmen konnten eine Verbesserung im Jahresvergleich feststellen.
Eine wesentliche Ursache für die anhaltende Personalnot ist die zunehmende Kluft zwischen den geforderten Qualifikationen und den Fähigkeiten der verfügbenden Arbeitskräfte. Dieser sogenannte „Mismatch“ bremst die Entwicklung der Betriebe und kostet Wachstumspotenziale. „Der Fachkräftemangel beschäftigt Österreichs Unternehmen weiterhin massiv. Noch stärker wirken derzeit nur das hohe Kostenniveau und die schwache Nachfrage“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding in Wien. Der Mangel an Arbeitskräften sei kein kurzfristiges Phänomen, sondern ein strukturelles Problem, das auch dem demografischen Wandel geschuldet sei.
Regional und branchenmäßig große Unterschiede
Die Personalsuche gestaltet sich in Vorarlberg mit insgesamt 97 Prozent sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (93 Prozent) und im Baugewerbe (91 Prozent) besonders herausfordernd. Als Hauptgründe für die schwierige Suche nennen die Befragten vor allem Defizite in puncto Qualifikation und Ausbildung, den generellen Mangel an Fachkräften sowie eine sinkende Arbeitsmoral.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass viele Unternehmen bei der Personalplanung vorsichtig agieren. 57 Prozent der Betriebe wollen die Mitarbeiterzahl im laufenden Jahr konstant halten. Zwölf Prozent planen sogar einen Abbau. Besonders in Wien ziehen 16 Prozent der Betriebe eine Reduktion des Personalstands in Betracht. In der Gastronomie- und Beherbergungsbranche planen aufgrund finanzieller Engpässe 18 Prozent einen weiteren Stellenabbau – trotz bereits bestehenden erheblichen Arbeitskräftemangels. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen rechnen heuer mit einem Personalzuwachs.
Nachbesetzung bleibt oft aus
Dass die wirtschaftliche Lage vielerorts angespannt ist, zeigt sich auch daran, dass drei Viertel der Befragten (74 Prozent) offene oder freiwerdende Stellen nicht vollständig nachbesetzen. Dieser Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um weitere fünf Prozentpunkte. Besonders häufig ist das im Verlags- und Medienwesen (94 Prozent), in der IT (87 Prozent) sowie in der Gastronomie und Beherbergung (83 Prozent) der Fall. „Die Vorsicht bei Nachbesetzungen mag aus wirtschaftlichem Kontext nachvollziehbar sein, doch geht damit auch die Chance auf neue Ideen und frischen Wind verloren“, so Vybiral. Diese seien für den langfristigen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit essenziell.