Die Radisson Hotel Group hat einen KI-gestützten Preisabgleich eingeführt, der niedrigere öffentlich verfügbare Preise auf externen Buchungsplattformen automatisch auf RadissonHotels.com übernimmt. Der Schritt ersetzt die klassische, manuelle Bestpreisgarantie und fällt in eine Phase, in der Hotels dank einer seit Ende 2024 geänderten Rechtslage legal niedrigere Direktpreise anbieten dürfen als auf Booking.com und anderen Plattformen.

Wie das System funktioniert

Findet die Funktion für ein Radisson-Hotel auf einer externen Buchungsplattform oder Hotelsuchmaschine einen niedrigeren öffentlich verfügbaren Preis, prüft sie automatisch, ob dieser die Voraussetzungen erfüllt, und übernimmt ihn in Echtzeit auf der Hotelseite. Gäste müssen dafür keinen Nachweis mehr einreichen, kein Formular ausfüllen und nicht auf eine nachträgliche Prüfung warten, wie es bei klassischen Bestpreisgarantien üblich war. Die Funktion gilt weltweit für alle zehn Marken der Gruppe, von Radisson Individuals bis zur Radisson Collection.

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Gianni Di Fede, Global Chief Commercial Officer der Radisson Hotel Group, begründet den Schritt mit veränderten Gästeerwartungen. Reisende wollten die Gewissheit haben, „dass sie nicht anderswo nach einem besseren Angebot suchen müssen“.

Rechtlicher Rückenwind aus Brüssel

Die EU-Kommission hatte Booking Holdings im Mai 2024 als Gatekeeper nach dem Digital Markets Act eingestuft; seit 14. November 2024 muss Booking.com die daraus resultierenden Pflichten erfüllen. Der Europäische Gerichtshof entschied im September 2024 zudem in der Rechtssache C-264/23, dass sowohl weite als auch enge Preisparitätsklauseln kartellrechtlich zu prüfen sind. Booking.com verzichtete daraufhin am 2. Dezember 2024 auf sämtliche Paritätsklauseln für sein Angebot im Europäischen Wirtschaftsraum. In Österreich gilt ohnehin schon länger keine gesetzliche Bestpreisklausel mehr. Radissons automatisierter Preisabgleich macht diesen neu gewonnenen Spielraum für Gäste sofort sichtbar, ohne dass Hotels manuell nachziehen müssen.

(C) Radisson

Für Hoteliers bleibt die grundsätzliche Abwägung bestehen. Direktbuchungen sichern Kundendaten, Gästebeziehung und Marge im eigenen Haus, während Provisionen an Buchungsplattformen je nach Anbieter zwischen 15 und 30 Prozent je Reservierung liegen. Gleichzeitig bleiben OTAs für Reichweite und Auslastung relevant, besonders für Häuser ohne eigenes Marketingbudget. Kritisch zu betrachten ist zudem, wie zuverlässig das System zwischen echten Vergleichspreisen und irreführenden Angeboten unterscheidet. Rabattierte Zusatzprodukte wie Booking.basic oder Raten von Wholesalern erscheinen auf Vergleichsplattformen oft als reguläre Zimmerpreise, sind mit den Direktkonditionen aber nicht vergleichbar. Übernimmt ein automatisiertes System solche Preise ungeprüft, drohen Margenverluste statt der beabsichtigten Kontrolle. Zu den Prüfmechanismen im Hintergrund und zur nachträglichen Korrektur unerwünschter Ratenübernahmen äußert sich Radisson in der Mitteilung nicht.