Fünf Millionen Unternehmen, mehr als 20 Millionen Beschäftigte und ein erheblicher Beitrag zur europäischen Wirtschaftsleistung: Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der EU. Trotzdem kämpft die Branche mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und einer Bürokratie, die gerade kleinere Betriebe überdurchschnittlich belastet. Die Europäische Kommission hat deshalb am 4. November eine neue Strategie für nachhaltigen Tourismus präsentiert. Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit stärken und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Fachwissen, Technologien und Finanzierung erleichtern.
Das 24-seitige Strategiepapier trägt die Bezeichnung COM(2026) 777 und umfasst zehn Handlungsfelder. Die Kommission verfolgt damit einen Ansatz, der wirtschaftliches Wachstum stärker mit dem Nutzen für Destinationen und deren Bevölkerung verbinden soll. Ein zentrales Ziel lautet, weniger auf die bloße Menge an Gästen und stärker auf Wertschöpfung zu setzen.
Bürokratieabbau
Besonders interessant für Gastronomen und Hoteliers ist die angekündigte Vereinfachungsinitiative. Ab dem ersten Halbjahr 2027 will die Kommission gemeinsam mit Mitgliedstaaten und Branchenvertretern untersuchen, welche Verwaltungspflichten Tourismusbetriebe besonders belasten. Dabei sollen konkrete Erfahrungen und möglichst auch messbare Kosten gesammelt werden, um anschließend Vorschläge zur Vereinfachung bestehender Vorschriften zu entwickeln. Das klingt zunächst nach einer guten Nachricht für eine Branche, in der Dokumentationspflichten und unterschiedliche nationale Regelungen längst zum betrieblichen Alltag gehören. Allerdings beschreibt die Strategie vorerst einen Prüfprozess. Konkrete Vorschriften, die bereits abgeschafft oder vereinfacht werden sollen, nennt die Kommission noch nicht.
Etwas näher liegt ein anderes Vorhaben: Bis Ende 2026 will Brüssel einen Vorschlag zur Modernisierung der Umsatzsteuerregeln für Reise- und Tourismusleistungen vorlegen. Die bestehenden Regelungen sollen an Digitalisierung und veränderte Reisegewohnheiten angepasst werden. Welche Auswirkungen eine solche Reform auf österreichische Betriebe haben könnte, hängt vom konkreten Gesetzesvorschlag ab. Eine Senkung der Umsatzsteuer wird in der Strategie nicht angekündigt.
Auch beim Personal setzt Brüssel an. Für das zweite Halbjahr 2027 ist der Start einer EU Tourism Academy vorgesehen. Sie soll Ausbildungsangebote und Qualifizierungsprogramme bündeln und dabei mit nationalen Tourismusinstitutionen, Hochschulen und beruflichen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten. Geplant sind unter anderem digitale Qualifikationsnachweise für einzelne Lernmodule, sogenannte Micro-Credentials. Die Akademie soll insbesondere Betrieben helfen, ihre Beschäftigten für neue Anforderungen zu qualifizieren. Dazu gehören digitale Kompetenzen ebenso wie Fähigkeiten im nachhaltigen Tourismus und im Destinationsmanagement. Eine weitere Untersuchung zu den Arbeitsbedingungen im europäischen Tourismus ist für 2028 angekündigt.
Die Kommission beschäftigt sich außerdem mit dem Zugang zu Daten. Ein europäisches Tourismus-Observatorium soll bereits 2027 Entwicklungen und Trends der Branche systematisch beobachten. Der gemeinsame europäische Tourismus-Datenraum, der Informationen besser verfügbar und austauschbar machen soll, ist hingegen erst für 2029 vorgesehen. Für kleinere Betriebe könnten solche Werkzeuge insbesondere bei Marktanalysen und der Einschätzung von Nachfrageentwicklungen hilfreich werden.
Destinationen sollen Besucherströme besser steuern
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die touristischen Regionen selbst. Brüssel will ein gemeinsames Modell für Destinationsmanagement entwickeln und Instrumente bereitstellen, mit denen sich Besucherströme räumlich und saisonal besser verteilen lassen. Auch die Vorbereitung auf Krisen soll verbessert werden. Dafür ist bis 2027 ein europäisches Koordinierungsnetzwerk für den Tourismus vorgesehen. Finanziell setzt die Kommission vor allem auf bestehende EU-Programme und deren Weiterentwicklung. Für den Zeitraum 2028 bis 2034 verweist sie auf mögliche Förderinstrumente und Investitionsschwerpunkte, deren endgültige Ausgestaltung von den weiteren Budgetverhandlungen abhängt. Ein neues, unmittelbar abrufbares Förderprogramm für Hotels oder Gastronomiebetriebe ist mit der Strategie nicht verbunden.
Für Österreichs Tourismuswirtschaft wird damit vor allem die nationale Umsetzung interessant. Schon im kommenden Jahr könnten Betriebe und Verbände bei der geplanten Vereinfachungsinitiative konkrete Belastungen einbringen. Die Tourismusakademie soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 folgen, der gemeinsame Datenraum erst zwei Jahre später. Die erste greifbare politische Entscheidung könnte allerdings früher fallen: Mit Spannung darf der noch für 2026 angekündig
